Tensei: Der reborn NSX, der lieber Handschalter bleibt als Vernunft annimmt
JAS Motorsport und Pininfarina bauen den Honda NSX neu auf: Carbon-Karosserie, frei saugender V6, Sechsgang von Hand. Ein Restomod, der das Analoge ernst meint.
//DRIVEJAS Motorsport und Pininfarina bauen den Honda NSX neu auf: Carbon-Karosserie, frei saugender V6, Sechsgang von Hand. Ein Restomod, der das Analoge ernst meint.
Der Tensei nimmt einen Honda NSX aus den frühen Neunzigern, gibt ihm eine komplett neue Carbon-Karosserie und behält bewusst, was heute fast niemand mehr wagt: einen Saugmotor und einen Schalthebel, den Du selbst bewegst.
Tensei heißt auf Japanisch Wiedergeburt. Das klingt nach Marketing, ist aber in diesem Fall die ehrlichste Beschreibung dessen, was hier passiert. Denn der NSX, den JAS Motorsport und Pininfarina zurückholen, ist nicht der zweite, technisch aufgeladene NSX mit seinem Hybridsystem. Es ist der erste. Der von 1990. Der, dem Honda damals beibrachte, dass ein Supersportwagen kein Drama braucht, um besonders zu sein.
Genau das macht den Tensei interessant. Er fragt nicht, wie viel man einem alten Auto hinzufügen kann. Er fragt, wie viel man behalten darf, ohne nostalgisch zu werden. Und die Antwort, die JAS gibt, ist erstaunlich konsequent.
JAS Motorsport ist im Rennsport ein bekannter Name. Das Team aus der Nähe von Mailand hat über Jahre Honda-Tourenwagen entwickelt und betreut, also Autos, die nicht für Hochglanzprospekte gebaut werden, sondern um Runden zu gewinnen. Der Tensei ist ihr erster Schritt auf die Straße. Das hört man der Idee an. Hier denkt niemand zuerst an Sitzheizung und Bildschirme, sondern an Spurweite, Radstand und Gewichtsverteilung.
Die Gestaltung kommt von Pininfarina, und das ist keine Beilage. Das Designhaus aus Cambiano hat genug Carrozzeria-Geschichte, um zu wissen, wann eine Linie ruhen muss. Beim Tensei merkt man diese Zurückhaltung. Niemand wollte den NSX lauter machen, als er war.
Die Karosserie ist vollständig aus Carbon und komplett neu gezeichnet. Trotzdem erkennt man den NSX sofort. Die Klappscheinwerfer sind geblieben, ebenso die rechteckigen Lufteinlässe an der Seite und der integrierte Heckflügel. Das sind die Erinnerungsanker, die ein Auto braucht, damit eine Neuinterpretation kein Kostüm wird.
Darunter aber arbeitet JAS sichtbar an der Substanz. Der Radstand wächst, die Spur wird deutlich breiter, das Auto sitzt tiefer und steht auf größeren Rädern. Das ist keine Optik-Übung. So verschiebt man Schwerpunkt und Fahrverhalten, ohne die alte Silhouette zu verraten. Der Körper sieht vertraut aus, der Körper steht anders.
Ein Auto sollte über eine direkte Verbindung zu Fahrer und Beifahrer funktionieren. Genau diesen Gedanken von 1990 nimmt der Tensei wieder ernst.
Hier liegt der Punkt, an dem der Tensei sich von vielen anderen modernen Restomods trennt. Statt Turbo, statt Hybrid, statt Elektro setzt JAS auf einen frei saugenden V6, der sich an der ursprünglichen Motorenarchitektur orientiert. Dazu kommt ein Sechsgang-Getriebe, das Du selbst schaltest.
Das ist eine Ansage. Ein Saugmotor dreht anders hoch, atmet anders, antwortet direkter auf den rechten Fuß. Eine echte Handschaltung zwingt Dich, am Auto teilzunehmen, statt es nur zu bedienen. Beides ist heute unbequem in der Entwicklung, teuer in der Abstimmung und schwer mit modernen Grenzwerten zu vereinbaren. Dass JAS es trotzdem so will, sagt mehr über die Idee als jedes Datenblatt.
Innen bleibt der Tensei beim Layout des originalen NSX und entwickelt es weiter. Es geht um Ergonomie, um Sicht, um Fahrklarheit. Das klingt nüchtern, ist aber genau der Punkt. Der erste NSX war 1990 deshalb so klug, weil er die Übersicht eines Alltagsautos mit der Präzision eines Sportwagens verband. Du saßest drin und fühltest Dich sofort sicher, nicht überwältigt.
Der Tensei greift das auf und hebt nur die Ausführung. Bessere Materialien, höhere wahrgenommene Qualität, mehr Sorgfalt im Detail. Aber kein Versuch, die Kabine in einen Salon zu verwandeln. Luxus heißt hier nicht Polsterdicke. Luxus heißt, dass nichts zwischen Dir und der Straße steht.
Vieles ist noch nicht öffentlich. JAS hat den Tensei zur Milano Design Week am 22. April 2026 gezeigt, die vollständige Enthüllung samt Stückzahl und Preis folgt später im Jahr. Es wäre leicht, jetzt Zahlen zu erfinden. Aber das hieße, ein Auto kleiner zu machen, als seine Idee ist.
Denn der Tensei verkauft im Moment keine Leistung, er verkauft eine Position. Gegen das schwere, isolierte, überassistierte Supersportwagen-Konzept der Gegenwart. Für ein Fahren, das sich wieder nach Fahren anfühlt. Wer einmal in einem alten NSX saß, weiß, wovon hier die Rede ist. Und wer das Glück nicht hatte, bekommt vielleicht eine zweite Chance, diesmal in Carbon.
Was handgeformtes Blech und analoge Technik im Restomod ausmachen, erklärt unser Beitrag zu handgeformtem Blech im Restomod. Den Gegensatz dazu – wie ein Restomod optisch unverändert wirkt, aber technisch komplett neu denkt – zeigt der Panel-Rekonstruktions-Beitrag.
Nein. Der Tensei ist ein eigenständiges Projekt von JAS Motorsport in Zusammenarbeit mit Pininfarina. NSX und Honda bleiben Marken von Honda. JAS nutzt einen originalen NSX als Basis und baut darauf eine eigene Interpretation.
JAS nennt sorgfältig ausgewählte NSX-Exemplare der ersten Generation aus den frühen Neunzigern als Spenderfahrzeuge. Der zweite, hybridisierte NSX spielt hier keine Rolle.
Der Tensei setzt auf einen frei saugenden V6, der sich an der originalen Motorenarchitektur orientiert, kombiniert mit einer Sechsgang-Handschaltung. Damit stellt sich das Auto bewusst gegen Turbo, Hybrid und Doppelkupplung und betont das analoge Fahrgefühl.
Beides ist noch offen. JAS spricht von einer streng limitierten Serie, nennt aber bis zur vollen Enthüllung später im Jahr 2026 weder einen Preis noch eine genaue Stückzahl.
Quelle Titelbild: Pexels / Quentin Martinez