//CULTUREIKEA PRÄSENTIERT „MARKERAD“ MIT VIRGIL ABLOH
6. Dezember 2018 // 16:07 Uhr

IKEA PRÄSENTIERT „MARKERAD“ MIT VIRGIL ABLOH

InspiredByLuxury·Aus dem Archiv, neu aufgelegt

2018 kündigte IKEA eine Kollektion mit dem damals gefragtesten Designer der Welt an. Was wurde aus „Markerad“ von Virgil Abloh? Heute ist sie ein Sammlerstück mit vierstelligen Wiederverkaufspreisen.

Im Dezember 2018 haben wir hier zum ersten Mal über „Markerad“ geschrieben, die Kollektion von Virgil Abloh für IKEA. Damals gab es Instagram-Teaser, einen Pop-up in Paris und ein vages Versprechen: bezahlbares Design für alle, irgendwann 2019. Die Kollektion kam tatsächlich. Heute, mit dem Wissen um Ablohs frühen Tod und einen Sammlermarkt mit vierstelligen Preisen, lohnt der zweite Blick.

Prolog

  • „Markerad“ erschien am 1. November 2019, weltweit gestaffelt, mit 15 bis 17 Teilen je nach Markt.
  • Pro Person durftest du nur ein Exemplar jedes Stücks kaufen, IKEA limitierte den Run bewusst.
  • Die Einstiegspreise lagen tief: die blaue Tasche bei rund 18 Euro, der „Temporary“-Wanduhr bei 34,99 Euro.
  • Heute sind Rugs und das hinterleuchtete „Mona Lisa“-Bild Sammlerstücke, einzelne Teppiche wechseln vierstellig den Besitzer.
  • Virgil Abloh starb im November 2021, was die Kollektion zusätzlich aufgeladen hat.
IKEA PRÄSENTIERT „MARKERAD“ MIT VIRGIL ABLOH

Wer Virgil Abloh war, als das Projekt startete

Eine Korrektur vorweg: In unserem ersten Text stand, Abloh sei „der Louis-Vuitton-Designer“. Das stimmte nur halb. Abloh war Gründer von Off-White, und seit März 2018 künstlerischer Leiter der Herrenmode bei Louis Vuitton. Daneben hatte er als kreativer Kopf an der Seite von Kanye West gearbeitet, DJ-Sets gespielt und Möbel entworfen. Er war kein klassischer Industriedesigner, sondern jemand, der Codes aus Streetwear, Kunst und Konsum neu zusammensetzte. Genau diese Haltung erklärt, warum eine IKEA-Tasche unter seinem Namen plötzlich anders gelesen wurde als die blaue „Frakta“ für 70 Cent.

IKEA holte sich damit nicht nur einen Namen, sondern eine Methode. Abloh arbeitete gern mit Anführungszeichen: Auf seinen Off-White-Stücken stand „SHOELACES“ auf den Schnürsenkeln, „SCULPTURE“ auf einer Skulptur. In „Markerad“ tauchte dasselbe Prinzip wieder auf, ein Teppich mit dem aufgedruckten Wort „WET GRASS“, eine Wanduhr namens „Temporary“, eine Einkaufstasche mit dem Schriftzug „SCULPTURE“.

Was in der Kollektion steckte

Unser erster Text zählte Teppiche, schlichte Stühle und eine Vitrine auf. Das war richtig, aber unvollständig. Die finale Kollektion umfasste je nach Land 15 bis 17 Objekte: einen Glasvitrinen-Schrank aus hellem Holz, einen „Doric“-Beistelltisch mit Säulenfuß, eine Daybed, eine Wanduhr, eine Werkzeugkiste, mehrere Teppiche und das beleuchtete „Mona Lisa“-Wandbild als USB-Backlit-Objekt. Dazu die neu interpretierte Einkaufstasche, Ablohs Antwort auf die ikonische IKEA-„Frakta“.

Der Clou war der Preis. „Markerad“ blieb in der IKEA-Logik bezahlbar. Die Tasche kostete rund 18 Euro, die Uhr 34,99 Euro, der große „Wet Grass“-Teppich lag im oberen zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Bereich. Designer-Aura zum Möbelhaus-Tarif, das war der Pitch, und er funktionierte.

Abloh nannte „Markerad“ ein Möbelstück für die erste eigene Wohnung. Gemeint war Design, das man sich mit 20 leisten kann, nicht erst mit 50.

Vom Möbelhaus auf den Sammlermarkt

Genau hier kippte die Geschichte in eine Richtung, die 2018 niemand voraussah. Weil IKEA pro Kunde nur ein Exemplar herausgab und „Markerad“ nicht nachproduziert wurde, traf bezahlbares Design auf künstliche Knappheit. Schon am Verkaufstag verlangten Wiederverkäufer für die „Temporary“-Uhr das Dreifache des Ladenpreises.

Heute ist die Lücke zwischen Regalpreis und Marktwert groß. Auf Resale-Plattformen wie StockX liegt der „Receipt“-Teppich bei rund 350 Euro, der „Wet Grass“-Teppich erzielte zuletzt um die 800 Euro, ein schwarzer Variantenteppich wechselte für umgerechnet rund 1.600 Euro den Besitzer. Das beleuchtete „Mona Lisa“-Bild wird mit hohen Aufschlägen gehandelt. Einzelne Stücke sind sogar bei Auktionshäusern wie Bonhams aufgetaucht, der „Receipt“- und der „Wet Grass“-Teppich aus 2019 als Lots in einer Designauktion. Eine IKEA-Tasche, die als Kunstobjekt versteigert wird, das ist die eigentliche Pointe von „Markerad“.

Verstärkt hat das alles Ablohs Tod im November 2021. Mit gerade einmal 41 Jahren starb er an einer seltenen Krebserkrankung, die er jahrelang privat gehalten hatte. Jedes signierte Konzept, jede Kollaboration bekam danach eine andere Schwere. „Markerad“ war eines der wenigen Projekte, das seine Idee von Design für alle mit einem konkreten, bezahlbaren Produkt einlöste. Dass ausgerechnet diese Stücke heute teuer gehandelt werden, ist die Ironie, mit der Abloh selbst vermutlich gut leben konnte.

Bemerkenswert ist auch, was „Markerad“ über IKEA selbst verriet. Das Haus hatte schon vorher mit Gestaltern und Studios kooperiert, doch „Markerad“ war der erste Drop, der sich wie ein Hype-Release anfühlte, inklusive Wartelisten, Warteschlangen vor den Stores und einem Verkaufsstart, der online in Minuten leer war. IKEA hatte damit verstanden, dass die jüngere Zielgruppe ihre Wohnung wie ihren Kleiderschrank kuratiert. Ein Sofa kann ein Statement sein, ein Teppich ein Sammlerobjekt. Spätere Kollaborationen mit Namen aus Mode und Design knüpften an genau diese Lektion an. „Markerad“ war der Beweis, dass ein bezahlbares Möbelhaus und Begehrlichkeit kein Widerspruch sind.

Was bleibt

„Markerad“ war mehr als ein PR-Coup für ein schwedisches Möbelhaus. Die Kollektion hat vorgeführt, wie schnell Massenware zum Statusobjekt wird, wenn Name, Knappheit und eine glaubwürdige Designsprache zusammenkommen. Für IKEA war es der Beweis, dass Designer-Kollaborationen funktionieren, eine Linie, die das Haus seither mit Künstlern und Studios fortgesetzt hat. Für Sammler ist es ein Lehrstück darüber, dass der nächste Klassiker manchmal im Regal zwischen Billy und Kallax steht. Wenn du damals zugegriffen hast, herzlichen Glückwunsch. Wenn nicht, bleibt der Trost, dass die Idee dahinter zugänglicher war als ihr heutiger Preis.

Mehr zu solchen Momenten, in denen Mass-Market und Luxus aufeinandertreffen, liest du in unserem Rückblick auf die Kollaboration von Adidas und Prada. Und falls du den IKEA-Designhunger noch nicht gestillt hast, schau dir die vom Weltraum inspirierte IKEA-Kollektion an.

Kurz geklärt

Wann ist die IKEA-Kollektion „Markerad“ erschienen?

Die Kollektion startete am 1. November 2019. Der Verkauf war weltweit gestaffelt und auf ein Exemplar pro Stück und Kunde begrenzt.

Wie viel hat „Markerad“ ursprünglich gekostet?

Die Preise blieben im IKEA-Rahmen. Die Einkaufstasche lag bei rund 18 Euro, die „Temporary“-Wanduhr bei 34,99 Euro, die Teppiche im oberen zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Bereich.

Warum ist die Kollektion heute so wertvoll?

IKEA hat „Markerad“ limitiert und nicht nachproduziert. Diese Knappheit, Ablohs Bekanntheit und sein Tod 2021 haben die Wiederverkaufspreise nach oben getrieben. Einzelne Teppiche werden vierstellig gehandelt, manche Stücke landeten bei Auktionshäusern.

Wer war Virgil Abloh?

Abloh war Gründer von Off-White und ab 2018 künstlerischer Leiter der Louis-Vuitton-Herrenmode. Er verband Streetwear, Kunst und Konsumkultur und starb im November 2021 mit 41 Jahren.

Bildquelle: youDRESSED Archiv
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