
Die neue Ikea-Kollektion: inspiriert vom Weltraum
2018 berichteten wir über „Rumtid“, Ikeas vom Weltraum inspirierte Studie fürs kleine Wohnen. Sieben Jahre später schauen wir, was aus der Idee wurde und warum sie heute mehr Sinn ergibt als damals.
Als Ikea 2018 die Studie „Rumtid“ vorstellte, klang das nach PR-Gag: Möbel, inspiriert von einer Marssimulation in der Wüste von Utah. Heute, mit explodierenden Mietpreisen und immer kleineren Stadtwohnungen, liest sich das Konzept wie eine ziemlich genaue Vorhersage. Hier kommt, was hinter „Rumtid“ steckte und was davon Realität wurde.
- „Rumtid“ heißt auf Schwedisch sinngemäß „Raumzeit“ und war Ikeas Designstudie zum Leben auf engstem Raum.
- Die Inspiration kam aus echter Forschung: einem Besuch der Mars Desert Research Station in Utah und von Kapsel-Hotels in Tokio.
- Vier Themen-Drops standen im Zentrum: Zeit, Raum, Wasser und Luft.
- Kernstück war ein modulares Röhren-System aus recyceltem Furnierholz, dazu ein neu gedachter Luftreiniger und ein Indoor-Terrarium.
- Die Kollektion war als limitierter Launch ab 2020 geplant. Wer heute klein wohnt, erkennt fast jede Idee in aktuellen Ikea-Serien wieder.

Was „Rumtid“ wirklich war
Der Name sagt schon alles: „Rumtid“ setzt sich aus den schwedischen Wörtern für Raum und Zeit zusammen. Es war keine fertige Verkaufsserie, sondern eine offene Designstudie. Ikea wollte herausfinden, wie Menschen in 30 Jahren wohnen, wenn Städte dichter, Wohnungen kleiner und Ressourcen knapper werden. Statt im Showroom zu spekulieren, schickte das hauseigene Innovationslabor Space10 die Designer dorthin, wo Enge bereits Alltag ist.
Eine Station davon war die Mars Desert Research Station in Utah, eine Forschungsanlage der Mars Society, in der Teams unter marsähnlichen Bedingungen leben und arbeiten. Genau hier liegt der wichtigste Unterschied zur damaligen Berichterstattung: Die NASA hat keine Ikea-Möbel mitentworfen. Die Designer holten sich vor Ort Eindrücke davon, wie man auf wenigen Quadratmetern funktional und trotzdem menschlich wohnt. Die zweite Inspirationsquelle lag näher am Alltag: die berühmten Kapsel-Hotels in Tokio, in denen Enge seit Jahrzehnten clever organisiert wird.
Nicht der Mars war das Thema, sondern die Frage, wie sich Enge in etwas verwandeln lässt, in dem man gerne lebt.
Vier Drops: Zeit, Raum, Wasser, Luft
„Rumtid“ war in vier Bereiche aufgeteilt, jeder mit einem eigenen Grundbedürfnis des Wohnens. Zeit drehte sich um Lichtlösungen, die den Tagesrhythmus stützen, wenn ein Fenster fehlt oder nach Norden zeigt. Raum war das modulare Möbelsystem, das Herzstück der Studie. Wasser beschäftigte sich mit Anbau und Versorgung auf kleinster Fläche, sichtbar im Indoor-Terrarium. Luft brachte einen neu gedachten Luftreiniger, der wie ein Einrichtungsobjekt aussieht statt wie ein Gerät.
Das modulare System war der eigentliche Clou. Es bestand aus leichten Röhren aus recyceltem Furnierholz, das zu Hohlkörpern gerollt wird. Die Röhren lassen sich auf verschiedene Längen schneiden und zusammenklemmen, ohne Werkzeug und ohne dass dabei nennenswert Abfall entsteht. Aus denselben Bauteilen werden Sofa, Bett, Regal oder Kleiderschrank. Wer umzieht oder seinen Grundriss ändert, baut um statt neu zu kaufen.
Was davon Realität wurde
Der große, gleichzeitige Verkaufsstart blieb aus. „Rumtid“ war von Anfang an als Studie gedacht, nicht als Katalog-Serie, und so wanderten die Ideen nach und nach in reale Produkte. Der Gedanke modularer, mitwachsender Möbel taucht heute in mehreren Ikea-Serien auf. Recyceltes und sortenrein trennbares Material ist vom Versprechen zum Standard geworden. Und Luftreiniger, die nicht wie Technik aussehen, gehören längst zum Sortiment.
Genau das macht den Rückblick interessant. 2018 wirkte „Rumtid“ wie eine schicke Spielerei mit Weltraum-Etikett. 2025 ist die Ausgangslage real: Wohnfläche pro Person sinkt in den Ballungsräumen, Mieten steigen, und Nachhaltigkeit ist kein Marketing-Zusatz mehr, sondern Kaufkriterium. Die Studie hat weniger den Mars vorhergesagt als die deutsche Großstadtwohnung.
Was du dir abschauen kannst
Du musst nicht auf eine Neuauflage warten, um die Logik von „Rumtid“ zu nutzen. Drei Prinzipien funktionieren in jeder kleinen Wohnung: Erstens Möbel, die mehr als eine Aufgabe erfüllen, statt für jede Funktion ein eigenes Teil. Zweitens Licht als Stimmungswerkzeug, nicht nur als Helligkeit, gerade in dunklen Altbau-Ecken. Drittens Material, das du später wieder trennen und weiterverwenden kannst. Das ist kein Verzicht, sondern die Definition von gutem kleinen Wohnen.
Mehr zu modularen Systemen und woher die vier Konzepte kamen, liest du in Modulare Möbel: Was aus den vier Konzepten von 2020 wurde. Und wenn dich der Recycling-Gedanke hinter den Furnierholz-Röhren reizt, lohnt ein Blick auf Upcycling: Aus alt mach neu.
Kurz geklärt
▸Hat die NASA die Ikea-Möbel mitentworfen?
Nein. Die Ikea-Designer besuchten für ihre Recherche die Mars Desert Research Station in Utah, eine Forschungsanlage der Mars Society, in der unter marsähnlichen Bedingungen gelebt wird. Aus diesen Eindrücken entstand die Studie. Eine gemeinsame Produktentwicklung mit der NASA gab es nicht.
▸Was bedeutet der Name „Rumtid“?
„Rumtid“ kommt aus dem Schwedischen und steht sinngemäß für „Raumzeit“, also Raum und Zeit zusammengedacht. Beides waren die Leitthemen der Studie über das Wohnen auf engstem Raum.
▸Kann ich „Rumtid“ heute noch kaufen?
Nicht als geschlossene Serie. Der große Launch fand so nie statt, die Konzepte sind aber nach und nach in reguläre Ikea-Produkte eingeflossen. Modulare Möbel, recycelte Materialien und designorientierte Luftreiniger findest du heute regulär im Sortiment.
▸Warum ist das Konzept heute relevanter als 2018?
Weil die Rahmenbedingungen eingetreten sind: kleinere Stadtwohnungen, höhere Mieten und ein klarer Anspruch an nachhaltige Materialien. Was 2018 wie Zukunftsmusik klang, beschreibt heute den Alltag in vielen deutschen Großstädten.



