
Modulare Möbel: Was aus den vier Konzepten von 2020 wurde
2020 haben wir vier Konzepte modularer Möbel vorgestellt, von Cubit über Fantin bis Muuto und Sebra. Fünf Jahre später ziehen wir Bilanz: Welche Idee hat sich durchgesetzt, was ist daraus geworden, und worauf solltest du heute beim Kauf achten?
2020 haben wir an dieser Stelle gefragt, ob modulare Möbel die Antwort auf ein Leben sind, das sich ständig neu sortiert. Fünf Jahre später ist die Antwort klar: ja. Aus einem Nischenthema für Designfans ist ein gefragtes Wohnkonzept geworden. Modular heißt, dass du dein Möbelstück erweiterst, verkleinerst und neu zusammensetzt, statt es beim nächsten Umzug wegzuwerfen. Wir schauen, was aus den vier Konzepten von damals wurde und worauf es heute ankommt.
- Modular schlägt starr: Regale, Küchen, Sofas und Betten, die mitwachsen und beim Umzug mitkommen, statt auf dem Sperrmüll zu landen.
- Vier Klassiker im Check: Cubit (Würfelregal), Fantin (Metallküche), Muuto (skandinavisches Sofa), Sebra (mitwachsendes Kinderbett) gibt es alle noch.
- Nachhaltigkeit als Kaufgrund: Langlebigkeit und Wiederverwertbarkeit sind heute ein echtes Verkaufsargument, kein Beiwerk.
- Worauf achten: Auf nachkaufbare Module, robuste Materialien und Zertifikate wie FSC, damit das System dich wirklich Jahre begleitet.

Wir leben mobil. Ein neuer Job in einer anderen Stadt, die endlich gefundene Traumwohnung oder Familienzuwachs: Das Leben sortiert sich schneller um, als die meisten Möbel mithalten. Blöd nur, dass das Sofa im neuen Grundriss plötzlich falsch steht und das Regal eine Wand zu lang ist. Nicht selten landen solche Stücke dann auf dem Sperrmüll. Nachhaltig ist das nicht, und günstig auf Dauer auch nicht.
Modulare Möbel drehen dieses Verhältnis um. Statt ein fertiges Stück zu kaufen, das nur in eine bestimmte Wohnung passt, kombinierst du einzelne Module zu dem, was du gerade brauchst. Zieht du um, ordnest du neu an. Wird die Familie größer, kaufst du Teile nach. Am bekanntesten ist das Prinzip bei Regalen, längst gibt es aber auch Küchen, Sofas und Betten, die dieser Logik folgen. Dass das Konzept heute so gut funktioniert, hat einen handfesten Grund: kleinere Wohnungen, Homeoffice und der Wunsch nach Flexibilität treiben laut Branchenbeobachtern die Nachfrage nach multifunktionalen Möbeln. Der Möbelmarkt in Deutschland lag 2024 bei rund 23 Milliarden Euro, und nachhaltige, langlebige Produkte sind ein wesentlicher Wachstumstreiber.
Warum gerade jetzt modular?
Der Reiz modularer Möbel liegt nicht nur im Umzug. Es ist ein anderer Umgang mit Besitz. Du investierst einmal in ein gutes System und passt es über Jahre an, statt alle paar Jahre komplett neu zu kaufen. Genau das trifft den Nerv der Zeit: Verbraucher fragen heute gezielt nach recycelbaren Materialien, zertifizierten Lieferketten und Designs, die länger halten als eine Wohnungsphase. Produkte mit anerkannten Öko-Labeln wie dem FSC-Siegel oder dem Blauen Engel haben dabei einen messbaren Vorteil an der Kasse.
Ein modulares Möbelstück ist nicht für eine Wohnung gemacht, sondern für ein Leben, das sich ändert.
Hinzu kommt ein ästhetischer Punkt. Modulare Systeme zwingen dich, bewusst zu kuratieren. Du entscheidest, welche Fächer offen bleiben, wo eine Tür hinkommt, welche Farbe ein Korpus bekommt. Das Ergebnis ist seltener von der Stange und häufiger ein Unikat. Die folgenden vier Hersteller zeigen, wie unterschiedlich sich diese Idee umsetzen lässt.
Cubit – die flexiblen Regalboxen
Fangen wir mit einem Klassiker an. Kaum ein anderer Name steht so für modulare Regalsysteme wie Cubit, eine Marke der ostwestfälischen Mymito GmbH, gegründet von Innenarchitektin Minou Farkhondeh und Thomas Reichel. Seit der Vorstellung 2006 hat das kubische Regalsystem die Designwelt überzeugt. Die Idee ist radikal einfach: frei anzuordnende Würfel, die du nach deinen Regeln stapelst. So wird jedes aufgebaute Cubit-Regal zu einem Einzelstück. Das System umfasst heute mehr als 30 Regalmodule in über 20 Farben sowie Echtholzfurniere, von schmalen Beistelltischen bis zur raumhohen Wand.
Cubit ist seinem Prinzip treu geblieben und hat es ausgebaut. Seit 2024 fertigt Mymito in eigener Produktion in Ostwestfalen auch Polstermöbel. Das Versprechen bleibt dasselbe wie vor knapp zwei Jahrzehnten: ein Regal ohne Regeln, das mit dir umzieht und mitwächst.
Fantin – Küchen, die jeden Umzug überstehen
Fantin stellt längst nicht nur Küchen her, der italienische Hersteller fertigt seit 1968 Möbel aus Metall. Doch die modulare Küche der Frame-Kollektion ist etwas Besonderes. Entworfen von Art Director Salvatore Indriolo, besteht sie aus zwei oder drei Modulen aus vier Millimeter starkem Stahl. Das macht sie praktisch unverwüstlich. Genau so ist sie gedacht: Alles, was keinen festen Wasser- oder Stromanschluss braucht, lässt sich verschieben, erweitern und beim Umzug einfach mitnehmen.
Damit aus der Küche kein kaltes Industrieobjekt wird, setzt Fantin auf Farbe. Die Frame-Palette umfasst rund 40 Töne, von zurückhaltendem Grau und Schwarz bis zu Rosé und kräftigem Gelbgrün. Passende Sideboards, Tische und Regale erweitern die Küche bei Bedarf in den Wohnraum. Wer einmal in so ein System investiert, kauft im Grunde Möbel fürs Leben.
Muuto – ein Sofa ganz nach deinen Wünschen
Muuto kommt aus Kopenhagen und steht für skandinavische Gemütlichkeit. Der Name leitet sich vom finnischen „muutos“ ab, was so viel wie neue Perspektive bedeutet. Das Sofa Connect, gestaltet vom Designduo Anderssen & Voll, vereint reduziertes Design mit klaren, modernen Formen. Das Besondere ist die kompromisslose Flexibilität: Du entscheidest, welche Module du aus dem Baukasten wählst, und kannst später ohne Probleme weitere Teile hinzufügen. Wenn die WG-Bude zur Familienwohnung wird, wächst das Sofa einfach mit.
Dass die Marke seit über zwei Jahrzehnten Bestand hat, ist kein Zufall. 2017 übernahm der US-Konzern Knoll, heute Teil von MillerKnoll, das Unternehmen. Muuto wird weiterhin eigenständig aus Kopenhagen geführt und arbeitet mit Designtalenten aus ganz Skandinavien. Wer skandinavisch wohnen will, ohne auf Flexibilität zu verzichten, findet hier eine der überzeugendsten Antworten. Mehr zum Look liest du in unserem Guide zum Scandi-Style.
Sebra – ein Bett, das mitwächst
Vor diesem Problem stehen wohl alle Eltern kleiner Kinder: Der Nachwuchs wächst so schnell, dass Kleidung und Möbel ständig zu klein werden. Für eines dieser Probleme hat die dänische Marke Sebra eine elegante Lösung. Das Sebra-Bett startet klein und rundum vergittert, perfekt für Babys. Später senkst du die Liegefläche ab, nimmst die Gitterseiten heraus, und aus dem Babybett wird ein Juniorbett, das ein Kind bis etwa sieben Jahre begleitet, und das ganz ohne zusätzliches Zubehör.
Hinter dem schlichten Design steckt Substanz. Das Bett ist aus FSC-zertifiziertem Buchenholz gefertigt, mit kindersicheren Lacken behandelt und erfüllt die europäische Sicherheitsnorm EN 716. In Dänemark wird es häufig über Generationen weitergegeben, was mehr über die Qualität sagt als jedes Werbeversprechen. Ein gutes Beispiel dafür, dass modulare Möbel und Nachhaltigkeit zusammengehören.
Was bleibt von der Idee?
Fünf Jahre nach unserem ersten Blick auf das Thema lässt sich festhalten: Modular war keine Modeerscheinung. Alle vier vorgestellten Konzepte gibt es noch, und das Prinzip ist populärer denn je geworden, weil es zwei Wünsche gleichzeitig bedient. Du wohnst flexibel und du wohnst nachhaltiger. Wenn du selbst über den Einstieg nachdenkst, lohnt der Blick auf drei Dinge: Lassen sich Module dauerhaft nachkaufen, sind die Materialien robust genug für mehrere Wohnungsphasen, und gibt es Zertifikate wie FSC, die für verantwortungsvolle Herkunft stehen? Wer hier genau hinschaut, kauft nicht nur ein Möbelstück, sondern ein System, das viele Jahre hält. Wie du dein Zuhause insgesamt bewusster einrichtest, zeigen wir dir in unserem Ratgeber, wie du deine Wohnung nachhaltig und ökologisch einrichtest.
Kurz geklärt
▸Was sind modulare Möbel überhaupt?
Modulare Möbel bestehen aus einzelnen Bausteinen, die du beliebig erweitern, verkleinern und neu anordnen kannst. Statt ein fertiges Stück zu kaufen, kombinierst du Module zu dem, was du gerade brauchst, und passt das System an, wenn sich deine Wohnsituation ändert.
▸Sind modulare Möbel wirklich nachhaltiger?
In der Regel ja, sofern du auf Qualität achtest. Weil du beim Umzug nicht neu kaufst, sondern umbaust, und Module über Jahre nachkaufen kannst, entsteht weniger Abfall. Achte auf langlebige Materialien und Zertifikate wie FSC oder den Blauen Engel.
▸Lohnt sich der höhere Preis modularer Systeme?
Häufig schon. Gute modulare Möbel kosten zunächst mehr als ein Standardregal, begleiten dich aber oft über mehrere Wohnungen und Lebensphasen. Auf die Nutzungsdauer gerechnet ist das oft günstiger als wiederholtes Neukaufen.
▸Für welche Räume eignen sich modulare Möbel?
Im Grunde für jeden Raum. Am verbreitetsten sind Regalsysteme wie von Cubit, es gibt aber auch modulare Küchen (Fantin), Sofas (Muuto) und Kinderbetten (Sebra). Besonders in kleinen Wohnungen und im Homeoffice spielen sie ihre Flexibilität aus.



