//DRIVECol de Turini: Kehren der D2566 in den Alpes-Maritimes
7. Juni 2026 // 17:20 Uhr

Col de Turini: Die Kehre der Legenden

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1.607 Meter über dem Meer liegt ein Pass, den die Rallye Monte-Carlo unsterblich gemacht hat. Warum er im Sommer eine ganz andere, leisere Größe hat.

Es gibt Straßen, die man fährt. Und es gibt Straßen, deren Namen man ausspricht wie den eines alten Bekannten. Der Col de Turini gehört zur zweiten Sorte. 1.607 Meter hoch, mitten in den Alpes-Maritimes, verbindet er das Vésubie-Tal mit Sospel. Für Rallye-Fans ist er der Ort, an dem die Nacht zur Bühne wird. Aus der Distanz betrachtet ist er im Sommer etwas anderes: eine Passstraße, die ihre Legende leiser trägt.

Boxenstopp

  • 1.607 Meter Passhöhe in den Alpes-Maritimes, zwischen Vésubie- und Bévéra-Tal
  • Legendäre Sonderprüfung der Rallye Monte-Carlo, gegründet 1911
  • Der Beiname der Nachtprüfung: Nuit des longs couteaux
  • Westrampe ab Lantosque: 15,3 Kilometer mit 7,2 Prozent Durchschnittssteigung

Ein Pass zwischen zwei Tälern

Geografisch ist der Turini eine Verbindung, keine Sackgasse. Er liegt vollständig im Arrondissement Nizza und bildet die Hauptachse zwischen den Tälern der Vésubie und der Bévéra. Von La Bollène-Vésubie führt er hinauf und nach Sospel wieder hinab. Wer ihn von Lantosque aus angeht, fährt 15,3 Kilometer mit durchschnittlich 7,2 Prozent Steigung, in der Spitze neun Prozent. Von Sospel sind es 24,1 Kilometer und 1.237 Höhenmeter, milder im Schnitt, aber länger im Atem.

Das sind Zahlen, die man beim Fahren vergisst und im Rückspiegel wieder findet. Aus den Kehren heraus wird das kleine Dorf Moulinet sichtbar, dann verschwindet es, dann taucht es tiefer wieder auf. So arbeitet dieser Berg: Er zeigt dir dasselbe Motiv aus immer neuen Winkeln, bis du aufhörst, das Ziel zu suchen. Dann fängst du an, die Bewegung zu genießen.

Die Nacht, die den Namen gemacht hat

Berühmt wurde der Turini durch die Rallye Monte-Carlo. Sie wurde 1911 auf Initiative von Fürst Albert I. ins Leben gerufen, damals starteten 23 Autos von elf verschiedenen Orten Europas nach Monaco. Das technische Herzstück wurde bald diese Passstraße. Die nächtliche Turini-Prüfung trägt bis heute den Beinamen Nuit des longs couteaux, die Nacht der langen Messer. Gemeint sind die Fernlichtkegel, die sich durch die Dunkelheit schneiden, während Zuschauer an den Kehren stehen und den Klang vor dem Licht hören.

Man muss diese Erzählung von der Gegenwart trennen. Bei der jüngsten Ausgabe des Weltmeisterschaftslaufs lief der Abschnitt als Wertungsfahrt zwischen La Bollène-Vésubie und Moulinet, jeweils 23,45 Kilometer lang, gefahren bei Tageslicht. Die klassische Nachtpassage über den Turini gehört inzwischen vor allem zur historischen Rallye, deren Final-Etappe kurz vor Mitternacht am Pass startete. Die Legende und der aktuelle Kalender sind nicht dasselbe. Beides zusammen macht den Mythos.

Der Turini ist kein schneller Berg. Er ist ein präziser. Wer ihn respektiert, kommt schneller oben an, als wer ihn bezwingen will.

Der Sommer gehört den Genießern

Im Juli fährt hier keine Rallye. Und genau das ist der Reiz. Die öffentliche Passstraße gehört dann denen, die für die Kurven kommen, nicht für die Bestzeit. Die Westrampe ab Lantosque mit ihren 7,2 Prozent hat einen sportlichen Charakter, den man auch ohne Startnummer spürt. Der Berg nimmt dich mit, im Sommer wie im Winter, nur ohne das Adrenalin der Uhr.

Dramatische Serpentinen einer Alpen-Passstraße im Herbstlicht
Im Sommer wird die Passstraße zur Choreografie aus Kehren, die niemand gegen die Uhr fahren muss. Foto: Pexels.

Wer die Route abends angeht, bekommt dazu ein Licht, das die Kehren weich macht. Der Süden liegt in Reichweite, die Luft wird milder, je tiefer man kommt. Es ist genau diese Mischung aus alpiner Höhe und mediterraner Nähe, die den Turini von jedem gewöhnlichen Pass unterscheidet.

Warum sich der Umweg immer lohnt

Der Turini ist einer jener Orte, an denen Geschichte und Gegenwart am selben Asphalt kleben. Die großen Namen der Rallye-Historie sind hier oben gefahren, die Serpentinen sehen im Prinzip noch aus wie damals. Wer im Sommer hochfährt, fährt buchstäblich durch eine Erinnerung, ohne dabei in Nostalgie zu erstarren.

Kurvige Passstraße über der Baumgrenze in den Bergen
Warum sich der Umweg lohnt: Die Auffahrt selbst wird zum Ziel, nicht der Pass am Ende. Foto: Pexels.

Das ist der Kern des Ganzen. Ein Pass wie dieser braucht kein Event, um besonders zu sein. Er braucht nur eine Straße, die den Berg richtig liest. Dazu ein Auto, das man nicht bis zum Limit tritt, um zu verstehen, warum die Fahrer diese Kehren geliebt haben.

Die Legende bleibt in der Nacht. Die Fahrt gehört dem Tag.

Die Details

Wie hoch ist der Col de Turini?

Der Pass liegt auf 1.607 Metern in den Alpes-Maritimes und verbindet das Vésubie-Tal bei La Bollène-Vésubie mit Sospel im Bévéra-Tal. Er liegt vollständig im Arrondissement Nizza.

Warum ist der Turini bei der Rallye Monte-Carlo so berühmt?

Die nächtliche Sonderprüfung über den Pass trägt den Beinamen Nuit des longs couteaux, wegen der Fernlichtkegel, die sich durch die Dunkelheit schneiden. Sie gilt als technisches Herzstück der Rallye, die 1911 gegründet wurde.

Kann man den Pass im Sommer fahren?

Ja. Die öffentliche Passstraße ist im Sommer frei befahrbar, ohne Rallye-Betrieb. Die Westrampe ab Lantosque misst 15,3 Kilometer mit durchschnittlich 7,2 Prozent Steigung, die Anfahrt von Sospel 24,1 Kilometer mit 1.237 Höhenmetern.

Bildquelle: Titelbild und Beitragsbilder Pexels.
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