//TRAVELElektroboot auf dem glasklaren Königssee zwischen den Steilhängen des Berchtesgadener Landes
22. August 2019 // 14:12 Uhr

Paradisische Urlaubsorte in Deutschland

InspiredByLuxury·Aus dem Archiv, neu aufgelegt

2019 haben wir vier deutsche Naturorte empfohlen, für die du kein Flugzeug brauchst. Sechs Jahre später ziehen wir Bilanz: Was halten Blautopf, Boddenlandschaft, Königssee und Externsteine heute noch, und was hat sich verändert?

Du musst nicht ans andere Ende der Welt fliegen, um etwas zu sehen, das dich umhaut. Vier Orte in Deutschland beweisen das: eine türkisblaue Karstquelle auf der Schwäbischen Alb, eine fast menschenleere Ostseeküste mit 60.000 Kranichen im Herbst, ein Alpensee mit Trinkwasserqualität und eine Felsformation, die älter ist als die Alpen. 2019 haben wir sie empfohlen. Hier kommt der Realitätscheck.

Boarding

  • Blautopf, Baden-Württemberg: 22 Meter tiefe Karstquelle, leuchtet je nach Licht türkis bis tiefblau. Seit 15. Januar 2025 wieder offen, das Areal wird bis voraussichtlich 2028 saniert.
  • Vorpommersche Boddenlandschaft, Mecklenburg-Vorpommern: Drittgrößter Nationalpark Deutschlands (786 km²), naturbelassene Strände, im Oktober rasten hier rund 60.000 Kraniche.
  • Königssee, Bayern: Fjordartiger Alpensee mit Trinkwasserqualität. Befahren nur mit Elektrobooten, und das schon seit 1909.
  • Externsteine, Nordrhein-Westfalen: Dreizehn Sandsteinfelsen, bis zu 40 Meter hoch, rund 130 Millionen Jahre alt. Eine halbe Million Besucher pro Jahr.
  • Anreise mit der Bahn oder dem Auto, kein Flug nötig. Ideal für ein langes Wochenende.
Elektroboot auf dem glasklaren Königssee zwischen den Steilhängen des Berchtesgadener Landes

Urlaub machen, ohne die Umwelt zu belasten: Dieser Wunsch ist 2019 nicht neu gewesen, und er ist es heute erst recht nicht. Ziele in der Nähe gewinnen, je teurer und unbequemer das Fliegen wird. Die gute Nachricht: Du musst dafür keine Abstriche machen. Die vier Orte, die wir dir damals ans Herz gelegt haben, gehören noch immer zu den schönsten Naturkulissen des Landes. Wir haben nachgesehen, was aus ihnen geworden ist.

Blautopf: Karibik auf der Schwäbischen Alb

Karibisches Blau in Baden-Württemberg? Genau das findest du in der Karstquelle von Blaubeuren am Rand der Schwäbischen Alb. Der Blautopf ist mit 22 Metern Tiefe die zweitgrößte Einzelquelle Deutschlands, und das Wasser leuchtet je nach Sonnenstand von hellem Türkis bis zu tiefem Blau. Der Effekt ist kein Trick, sondern Physik: Die feinen Kalkteilchen im Wasser streuen das Licht so, dass vor allem der blaue Anteil zurückgeworfen wird.

Früher hat man sich das anders erklärt. Eine Sage besagt, täglich werde ein Fass Tinte in die Quelle geschüttet. Und weil niemand mit dem Bleilot den Grund erreichte, galt der Topf als bodenlos: Eine Nixe, so hieß es, stahl jedes Mal das Gewicht. Heute wissen Taucher es besser. Am Grund liegt der Zugang zur Blautopfhöhle, dem größten erforschten Höhlensystem der Schwäbischen Alb. Rund elf Kilometer haben Forscher bisher vermessen, darunter eine Halle namens Mörikedom, 30 Meter hoch und 125 Meter lang.

Was sich seit unserem ersten Besuch geändert hat: Der Blautopf war zeitweise gesperrt und ist seit dem 15. Januar 2025 wieder für alle zugänglich. Parallel läuft eine umfangreiche Sanierung des Areals, die voraussichtlich bis 2028 dauert. Beim bundesweiten Voting zum Naturwunder des Jahres 2025 landete die Quelle auf Platz zwei. Du kommst also weiterhin hin, solltest dich aber auf Baustellenbetrieb rundherum einstellen.

Die zweitgrößte Quelle Deutschlands leuchtet türkis, weil Kalkteilchen das Licht streuen. Keine Tinte, keine Nixe: nur Physik.

Vorpommersche Boddenlandschaft: Stille mit 60.000 Kranichen

Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft findest du etwas, das in Deutschland selten geworden ist: naturbelassene Strände mit Dünen, umgeben von Wäldern, ohne Strandkorbreihen und Promenade. Mit 786 Quadratkilometern ist es der drittgrößte Nationalpark des Landes. Der Darßwald gilt als größter Küstenurwald Deutschlands, und der rund 14 Kilometer lange Weststrand zwischen Ahrenshoop und der Nordspitze der Halbinsel ist eine der wenigen Küsten, an denen die Natur das Sagen hat.

Wild ist es hier im Wortsinn. Rehe, Hirsche und mit Glück sogar Robben kreuzen deinen Weg. Den größten Auftritt aber liefern die Kraniche: Jeden Herbst rasten rund 60.000 von ihnen in den flachen Bodden und auf den ungestörten Inseln, bevor sie weiter nach Süden ziehen. Die Region zählt damit zu den wichtigsten Kranichrastplätzen Mitteleuropas. Wenn du das Schauspiel sehen willst, ist Oktober die richtige Zeit, am besten in den früheren oder späteren Stunden, wenn die Vögel zwischen Schlafplatz und Futterfläche pendeln.

Königssee: Ein Fjord mitten in Bayern

Bayern ist bekannt für seine Alpenseen. Der Königssee im Berchtesgadener Land ist trotzdem ein Ausnahmefall. Sein glasklares, grünes Wasser liegt wie ein Fjord eingebettet zwischen steil aufsteigenden Felswänden. Richtig spektakulär wird es vom Boot aus, und genau hier liegt die Besonderheit: Befahren wird der See nur mit Elektrobooten, und das nicht erst seit der Klimadebatte, sondern bereits seit 1909.

Der Grund ist einfach und konsequent: Es wird kein Abwasser in den See geleitet, der Königssee hat Trinkwasserqualität und gilt als einer der saubersten Seen Deutschlands. Die Flotte umfasst inzwischen 18 dieser leisen Elektroboote. Eine große Rundfahrt von der Seelände bis zur Endstation Salet dauert rund eine Stunde pro Richtung. Wer während der Fahrt gut zuhört, erlebt das berühmte Echo: An der Echowand spielt ein Bootsführer traditionell ein paar Töne auf der Trompete, die mehrfach von den Felsen zurückkommen.

Auf dem Königssee fahren seit 1909 nur Elektroboote. Das Wasser hat Trinkwasserqualität, eine Entscheidung, die anderswo erst die Klimadebatte erzwingt.

Externsteine: Älter als die Alpen

Die Externsteine im Teutoburger Wald sind ein echtes Naturwunder, und sie haben einen beachtlichen Altersvorsprung. Der harte Osning-Sandstein bildete sich vor rund 130 Millionen Jahren am Rand eines Urmeeres. Erst als sich später der Teutoburger Wald auffaltete, wurden die flach liegenden Schichten senkrecht aufgestellt. Heute ragen dreizehn graue, zerklüftete Felsen bis zu 40 Meter hoch in die Höhe. Damit sind die Steine deutlich älter als die Alpen, die geologisch gesehen erst später entstanden.

Wer die Felsen über eine der beiden Treppen erklimmt, blickt weit über den Teutoburger Wald. Rund eine halbe Million Menschen kommen jährlich hierher, was den Ort zugleich zu einem der bekanntesten Kultur- und Naturdenkmäler Deutschlands macht. Die Besteigung kostet einen kleinen Eintritt, für Erwachsene rund 4 Euro (Stand 2025). Ein Tipp: Früh am Morgen oder unter der Woche hast du die beste Chance, die Treppen ohne Schlange zu nehmen.

Gut zu wissen

Warum leuchtet der Blautopf blau?

Im Quellwasser schweben feinste Kalkteilchen. Sie streuen das einfallende Licht so, dass der blaue Anteil zurückgeworfen wird, während rotes Licht geschluckt wird. Je nach Sonnenstand wirkt das Wasser deshalb türkis bis tiefblau. Mit der früheren Sage von der Tinte hat das nichts zu tun.

Kann man den Blautopf 2025 besuchen?

Ja. Der Blautopf ist seit dem 15. Januar 2025 wieder für Besucher geöffnet. Rundherum läuft allerdings eine Sanierung des Areals, die voraussichtlich bis 2028 andauert. Mit Bauarbeiten in der Nähe solltest du also rechnen.

Wann sieht man die Kraniche in der Boddenlandschaft?

Die beste Zeit ist der Herbst, vor allem der Oktober. Dann rasten rund 60.000 Kraniche in den flachen Bodden, bevor sie weiterziehen. Am eindrucksvollsten ist es morgens und abends, wenn die Vögel zwischen Schlaf- und Futterplätzen wechseln.

Darf man auf dem Königssee mit dem eigenen Boot fahren?

Nein. Der See wird ausschließlich mit den 18 Elektrobooten der Schifffahrt befahren, und das seit 1909. Damit bleibt das Wasser sauber genug, um Trinkwasserqualität zu halten. Die große Rundfahrt bis zur Endstation Salet dauert etwa eine Stunde pro Richtung.

Wie alt sind die Externsteine?

Der Osning-Sandstein der Externsteine bildete sich vor rund 130 Millionen Jahren. Die Felsen sind damit deutlich älter als die Alpen. Aufgestellt wurden die ehemals flach liegenden Schichten erst, als sich der Teutoburger Wald auffaltete.

Vier Orte, kein Flugzeug, und jeder davon hält auch sechs Jahre nach unserer ersten Empfehlung, was er verspricht. Wenn du mehr Wasser willst, lohnt sich unser Ranking der fünf schönsten Seen in Deutschland. Und wer lieber abseits der bekannten Routen unterwegs ist, findet in den unentdeckten Perlen Europas weitere Ideen für den nächsten Roadtrip. Und weil zwei dieser Orte vor allem zu Fuß zu erleben sind, hier noch ein Lesetipp: Was Wandern wirklich mit deinem Körper macht, erklären die Kolleginnen und Kollegen von InspiredBySports in Wandern im Frühling: Dein Körper auf dem Trail.

Bildquelle: Pexels / Red Nguyen
Weiterlesen

Mehr aus //TRAVEL

Albergo Diffuso: Schlafen im ganzen Dorf
//TRAVEL

Albergo Diffuso: Schlafen im ganzen Dorf

21. Juli 2026
Das Grandhotel in seiner stillsten Zeit
//TRAVEL

Das Grandhotel in seiner stillsten Zeit

12. Juli 2026
Einschlafen in Wien, aufwachen in Rom
//TRAVEL

Einschlafen in Wien, aufwachen in Rom

11. Juli 2026