//TRAVELVerschneites Alpendorf Lech am Arlberg mit Holzchalets vor bewaldeten Berghängen
24. Februar 2020 // 08:48 Uhr

Mit diesen Tipps wird euer Winterurlaub nachhaltiger

InspiredByLuxury·Aus dem Archiv, neu aufgelegt

2020 haben wir gefragt, ob es so etwas wie einen nachhaltigen Skiurlaub überhaupt gibt. Fünf Winter später ziehen wir Bilanz – und zeigen dir, was an deiner Anreise wirklich zählt.

youDRESSED RedaktionEin nachhaltigerer Winterurlaub steht und fällt mit einer einzigen Entscheidung: wie du anreist. Rund drei Viertel der Emissionen eines Skiurlaubs entstehen auf dem Weg in die Berge, nicht am Lift. Wer die Bahn nimmt, ein verkehrsberuhigtes Bergdorf wählt und abseits der großen Pistenparks unterwegs ist, senkt seinen Fußabdruck deutlich, ohne auf den Winter zu verzichten.

Boarding

  • Die Anreise ist der größte Hebel: Studien der ETH Zürich schreiben ihr rund drei Viertel der CO2-Bilanz eines Skiurlaubs zu.
  • Rund 84 Prozent der Alpengäste kommen mit dem eigenen Auto – genau hier liegt das Einsparpotenzial.
  • Die Bahn verursacht im Fernverkehr nur einen Bruchteil der Auto-Emissionen pro Kopf (etwa 31 statt rund 140 Gramm CO2 je Personenkilometer).
  • Verkehrsberuhigte Orte und autofreie Mobilitätsgarantien gibt es bei Netzwerken wie Alpine Pearls.
  • Skitouren und Schneeschuhwandern sind die naturverträglichere Alternative – solange du dich an Schutzzonen und Beschilderung hältst.
Verschneites Alpendorf Lech am Arlberg mit Holzchalets vor bewaldeten Berghängen

Im Februar 2020 haben wir an dieser Stelle gefragt, ob ein Winterurlaub in den Alpen und ein gutes ökologisches Gewissen überhaupt zusammenpassen. Die Skigebiete wurden damals immer größer, die Schneekanonen liefen länger, und der Zweifel an der Verträglichkeit von Natur und Skitourismus wuchs. Was hat sich seither getan? Die kurze Antwort: Die Technik am Berg ist effizienter geworden, der entscheidende Punkt liegt aber noch immer vor der Talstation. Es ist die Anreise.

Das klingt zunächst unspektakulär, ist aber gut belegt. Forschende der ETH Zürich haben für einen einwöchigen Skiurlaub durchgerechnet, woher die Emissionen kommen: rund drei Viertel entfallen auf die An- und Abreise, etwa ein Fünftel auf die Unterkunft und nur ein kleiner Rest auf das Skifahren selbst. Liftanlagen und Schneekanonen ziehen zwar Strom, fallen in der Gesamtbilanz pro Gast aber weniger ins Gewicht als die Fahrt in die Berge. Wer also etwas ändern will, beginnt nicht beim Verzicht auf die Piste, sondern bei der Verkehrsmittelwahl.

Warum die Anreise der größte Hebel ist

Die Alpen ziehen Jahr für Jahr Dutzende Millionen Wintergäste an, und die große Mehrheit kommt mit dem eigenen Wagen. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 84 Prozent der Alpenurlauber mit dem Auto anreisen. Genau dieser Anteil macht den Unterschied: Ein durchschnittlicher Pkw stößt im Schnitt um die 140 Gramm CO2 pro Kilometer aus, im Fernverkehr der Bahn sind es nach Daten des Umweltbundesamts nur rund 31 Gramm je Personenkilometer. Auf einer typischen Anfahrt von ein paar Hundert Kilometern summiert sich das zu einem Vielfachen.

Du musst nicht aufs Skifahren verzichten, um nachhaltiger Winterurlaub zu machen. Du musst nur anders ankommen.

Das Argument gegen die Bahn ist meist dasselbe: das Gepäck. Skier, Stöcke, Schuhe, Helm – das trägt sich schlecht durch überfüllte Bahnhöfe. Hier hat sich seit 2020 einiges getan. Viele Skiregionen sind heute mit durchgehenden Verbindungen und Nachtzügen erreichbar, einzelne Bahnen bieten Gepäckservice oder Skidepots direkt an der Talstation. Wer einmal entspannt im Abteil sitzt, während draußen die verschneiten Täler vorbeiziehen, statt auf der gestauten Autobahn zu stehen, versteht schnell, dass der Weg ein Teil des Urlaubs sein kann.

Wo der Ort schon die halbe Miete ist

Es gibt Orte, die einem die nachhaltige Entscheidung leicht machen. Das Netzwerk Alpine Pearls ist seit 2006 ein Zusammenschluss von Alpendörfern, die sanften Tourismus zur Bedingung gemacht haben: verkehrsberuhigte Ortskerne, ökologisch betriebene Unterkünfte und eine Mobilitätsgarantie, mit der Gäste vor Ort ganz ohne eigenes Auto auskommen. Heute zählen vor allem Orte in Österreich, Italien und Slowenien dazu – das Netzwerk hat sich seit unserem ersten Bericht spürbar verändert, der Anspruch ist geblieben. Wer dort bucht, reist im Idealfall mit der Bahn an und wird am Bahnhof abgeholt, statt sich ein Leihauto zu nehmen.

Der Reiz solcher Dörfer liegt nicht nur in der Bilanz. Ein verschneiter Ortskern ohne durchrauschenden Verkehr klingt anders. Man hört den Schnee unter den Schuhen, das Läuten einer Pferdekutsche, die Stille zwischen zwei Liedern aus dem Café. Das ist die Art von Winter, die man sich beim Blättern in alten Postkarten vorstellt – und sie ist näher, als man denkt.

Abseits des großen Trubels

Wer dem Skizirkus ganz entkommen will, findet im Aufstieg aus eigener Kraft eine wachsende Szene. Tourenski und Schneeschuhwandern sind seit Jahren beliebter geworden, und beides braucht weder Lift noch Beschneiung. Naturverträglich sind sie aber nur unter Bedingungen. Setz dich gründlich mit den Gefahren auseinander, vor allem mit der Lawinenlage, und halte dich konsequent an Beschilderung und Wildruhezonen. In Schutzgebieten und an Wildtier-Einständen haben Wintersportler nichts verloren – gestörte Tiere verbrennen im Winter lebenswichtige Energiereserven. Und es bleibt der Klassiker: Nimm deinen Müll wieder mit.

Ganz ohne Eingriff in die Natur ist ein Winterurlaub in den Alpen nicht zu haben. Aber zwischen einem Wochenende im Pistenpark mit eigener Anfahrt und ein paar ruhigen Tagen in einem autofreien Bergdorf mit Bahnanreise liegen Welten – ökologisch wie atmosphärisch. Die gute Nachricht aus fünf Jahren Abstand: Die nachhaltigere Variante ist heute leichter zu buchen als 2020, und sie fühlt sich selten nach Verzicht an.

Mehr zum bewussten Verreisen findest du in unserem Ratgeber Nachhaltiger Urlaub: Tipps und Tricks für umweltbewusstes Reisen. Wer den Winter lieber stilvoll als sportlich angeht, wird bei unseren zauberhaften Berghotels für den Winter-Trip fündig.

Gut zu wissen

Wie viel CO2 spart die Bahn gegenüber dem Auto wirklich?

Im Fernverkehr stößt die Bahn nach Daten des Umweltbundesamts rund 31 Gramm CO2 pro Personenkilometer aus, ein durchschnittlicher Pkw etwa 140 Gramm. Pro Kopf fährst du mit der Bahn also mit einem Bruchteil der Emissionen – je nach Auslastung und Strecke spart das grob zwei Drittel bis drei Viertel.

Macht es überhaupt Sinn, am Lift zu sparen?

Kaum. Studien der ETH Zürich rechnen dem Skifahren selbst nur einen kleinen einstelligen Prozentanteil der Urlaubsbilanz zu. Der große Hebel ist die Anreise mit rund drei Vierteln der Emissionen, danach die Unterkunft. Wer wirklich etwas bewegen will, fährt mit der Bahn an, statt aufs Skifahren zu verzichten.

Was ist Alpine Pearls?

Ein 2006 gegründetes Netzwerk von Alpendörfern, die sich sanftem Tourismus verschrieben haben: verkehrsberuhigte Ortskerne, umweltfreundliche Angebote und eine Mobilitätsgarantie ohne eigenes Auto. Die Mitgliederliste hat sich über die Jahre verändert, aktiv sind heute vor allem Orte in Österreich, Italien und Slowenien.

Sind Skitouren und Schneeschuhwandern wirklich nachhaltiger?

Im Prinzip ja, weil sie ohne Lift und Beschneiung auskommen. Naturverträglich sind sie aber nur, wenn du dich an Beschilderung und Wildruhezonen hältst, Schutzgebiete meidest und keinen Müll zurücklässt. Aufgeschreckte Wildtiere verlieren im Winter wertvolle Energie.

Bildquelle: Pexels / Tobi & Chris
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