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26. Juli 2022 // 10:26 Uhr

Wenn das Metaverse das nächste große Reiseziel wird

InspiredByLuxury·Aus dem Archiv, neu aufgelegt

2022 fragten wir, ob das Metaverse das Reisen ablöst. Drei Jahre und ein zweistelliger Milliardenverlust später ist klar, wer wirklich gewonnen hat: nicht der Avatar, sondern die KI.

Wer 2022 über das Metaverse als Reiseziel schrieb, dachte an Avatare am virtuellen Strand. Die ehrliche Antwort drei Jahre später: Das Metaverse hat das Reisen nicht ersetzt, es ist als Reiseziel sogar weitgehend gescheitert. Was die Branche wirklich umkrempelt, ist die KI, und VR ist zur Vorschau geworden, nicht zum Ersatz. Dieser Beitrag stammt aus unserem Archiv. Wir haben ihn nicht gelöscht, sondern an der Realität gemessen. Denn die Frage von damals lässt sich heute beantworten, und die Antwort ist spannender als die ursprüngliche Prognose.

Boarding

  • Metas Metaverse-Wette ist krachend geplatzt: Reality Labs hat bis Ende 2025 kumuliert rund 78 Milliarden Euro verbrannt, Horizon Worlds kam nie über 200.000 aktive Nutzer im Monat.
  • Das Wort „Metaverse“ hat Meta im Management selbst aus dem Wortschatz gestrichen und voll auf KI umgeschwenkt.
  • Virtuelle Reise-Erlebnisse sind trotzdem nicht tot: als Vorschau-Ebene wachsen sie, der Markt soll von rund 5 Milliarden Euro 2021 auf gut 22 Milliarden bis 2027 klettern.
  • Der echte Disruptor für Reisebüros heißt nicht Avatar, sondern generative KI: 2025 planten bereits 15 Prozent der Reisenden ihren Trip mit KI-Tools.
  • Reise als Luxus bleibt physisch. Was du am Strand fühlst, rendert kein Headset.

Was 2022 versprochen wurde

Die Idee klang groß: Ein Headset auf, und schon stehst du als Avatar vor dem Taj Mahal, schlenderst durch eine Stadt, die du dir physisch nie leisten könntest, und triffst andere Reisende, die genauso wenig am Flughafen waren wie du. Das Metaverse sollte unerreichbare Orte zugänglich machen und das teure, komplizierte Reisen demokratisieren. Mark Zuckerberg taufte seinen Konzern 2021 sogar in Meta um, um die Wette sichtbar zu machen.

Die Logik dahinter war nicht dumm. Reisebüros schrumpften, Pauschalreisen wurden teurer, die Pandemie hatte gerade gezeigt, wie schnell physisches Reisen unmöglich werden kann. Eine digitale Parallelwelt als Ausweg, das ergab auf dem Papier Sinn. Nur hat die Realität andere Pläne gehabt.

Was wirklich passiert ist

Die Zahlen sind brutal. Horizon Worlds, Metas zentrale Metaverse-Plattform, erreichte kurz nach dem Start 2022 weniger als 200.000 monatlich aktive Nutzer und erholte sich nie davon. Die Sparte Reality Labs hat bis Ende 2025 kumuliert rund 78 Milliarden Euro verbrannt, allein 2025 waren es etwa 18 Milliarden. Spätestens ab der Quartalsbilanz im Herbst 2024 nahm das Management das Wort „Metaverse“ gar nicht mehr in den Mund. Im März 2026 kündigte Meta sogar an, die VR-Version von Horizon Worlds einzustellen, ruderte zwei Tage später teilweise zurück, ließ aber keinen Zweifel: Die Entwicklung wandert weg vom Headset.

Junge Frau mit VR-Headset in einem hellen Loft, statt am echten Reiseziel
Die Vision von 2022: Urlaub im Headset, vom Sofa aus. Geblieben ist die Realität, dass VR vor allem zur Vorschau taugt.

Stattdessen liegt das Geld jetzt woanders. Die Ray-Ban-Smartglasses von Meta verkauften sich 2025 über sieben Millionen Mal und verdreifachten den Absatz. Das ist die Hardware, die durchstartet, ein leichtes Alltagsgerät mit KI-Assistent, kein klobiges Reise-Headset. Die Vision vom Urlaub im Avatar-Körper hat keiner dieser Erfolge gebraucht.

Das Metaverse sollte das Reisen ersetzen. Geblieben ist eine Brille, die dir sagt, wo das gute Restaurant ist.

Wo VR im Reisen tatsächlich angekommen ist

Hier wird es interessant, denn nicht alles war Hype. Virtuelle Reise-Erlebnisse sind nicht verschwunden, sie haben nur ihren Platz gefunden: als Vorschau, nicht als Ersatz. Der Markt für virtuellen Tourismus lag 2021 bei rund 5 Milliarden Euro und soll bis 2027 auf gut 22 Milliarden wachsen. Plattformen wie Booking.com und Expedia bauen immersive Zimmer-Rundgänge in ihre Buchungsstrecke ein, manche Anbieter modellieren digitale Zwillinge ganzer Resorts. Hotels, die solche VR-Vorschauen anbieten, berichten von deutlich mehr Online-Reservierungen.

Der Unterschied zur Erzählung von 2022 ist entscheidend. Niemand bucht ein Headset statt eines Flugs. Aber immer mehr Menschen schauen sich das Zimmer vorher in 3D an, bevor sie wirklich hinfliegen. VR ist zum Schaufenster geworden, nicht zum Reiseziel. Das ist weniger spektakulär als die alte Vision, aber es funktioniert.

Der eigentliche Disruptor: KI

Die Prognose von 2022 hatte einen Punkt richtig: Das klassische Reisebüro gerät unter Druck. Nur kommt der Druck nicht aus dem Metaverse, sondern aus der KI. 2025 nutzten bereits 15 Prozent der Reisenden generative KI für die Reiseplanung, ein Jahr zuvor waren es zehn. Chatbots und KI-Assistenten bauen personalisierte Routen, vergleichen Preise in Sekunden und beantworten Fragen, für die man früher einen Beratungstermin gebraucht hätte.

Das ist die Ironie der Geschichte. Die Technologie, die das Reisen wirklich verändert, war 2022 noch gar nicht auf dem Radar. Wenige Wochen nach dem Höhepunkt des Metaverse-Hypes startete ChatGPT, und seitdem fließt das Kapital der gesamten Branche dorthin. Wer heute fragt, was Reisebüros bedroht, muss nicht ins Headset schauen, sondern in den Chat.

Was vom Reisen bleibt

Bei aller Technik gilt eine Sache unverändert: Was Luxus-Reisen ausmacht, lässt sich nicht rendern. Die kühle Bergluft am Morgen, der Geruch eines fremden Marktes, das Gefühl, wirklich woanders zu sein, dafür gibt es kein Pixel. VR kann dir zeigen, wie ein Ort aussieht. Fühlen musst du ihn selbst. Genau deshalb wirkt die Idee, das Reisen abzuschaffen, heute naiver als 2022.

Die gesündere Lesart ist eine Balance. Plane mit KI, schau dir das Hotel vorher virtuell an, spar dir die Enttäuschung vor Ort. Und dann geh raus, leg das Gerät weg und reise echt. Die Auszeit vom Bildschirm ist nicht das Problem, das Reisen lösen muss. Sie ist der Grund, warum wir überhaupt reisen.

Wer tiefer in entschleunigtes, echtes Reisen einsteigen will, findet hier eine Gegenbewegung zur Dauer-Konnektivität: Stille als Luxus: drei Refugien abseits der Route. Und wer lieber allein loszieht statt im Avatar-Schwarm, liest weiter bei Solo-Reisen: Warum Alleinreisen mehr als nur ein Trend ist. Dass virtuelle Welten dort am ehesten funktionieren, wo es ums Erlebnis und nicht ums Ankommen geht, zeigt die Musikszene: Techno 2026: Modular, KI, Stream im Vergleich.

Gut zu wissen

Ist das Metaverse als Reiseziel jetzt gescheitert?

Als Ersatz für echtes Reisen ja. Metas zentrale Plattform Horizon Worlds kam nie über 200.000 aktive Nutzer im Monat, die Sparte Reality Labs hat bis Ende 2025 rund 78 Milliarden Euro verbrannt, und Meta hat den Begriff „Metaverse“ intern aufgegeben. Als Vorschau- und Erlebnis-Ebene lebt VR aber weiter.

Kann ich heute schon virtuell verreisen?

Vorab anschauen, ja. Booking.com und Expedia bieten immersive 3D-Rundgänge durch Hotelzimmer, manche Resorts haben digitale Zwillinge. Das ersetzt die Reise nicht, hilft aber bei der Entscheidung und senkt das Risiko böser Überraschungen vor Ort.

Sterben Reisebüros wegen der Technik aus?

Der Druck ist real, kommt aber von KI, nicht vom Metaverse. 2025 planten schon 15 Prozent der Reisenden mit generativen KI-Tools. Die klassische Beratung verschiebt sich Richtung Chatbot und Vergleichsplattform, persönliche Beratung für komplexe Luxusreisen behält aber ihren Wert.

Lohnt sich ein VR-Headset fürs Reisen?

Für Vorab-Recherche nett, als Reiseersatz nein. Der durchschlagende Hardware-Erfolg waren 2025 nicht Headsets, sondern KI-Brillen wie die Ray-Ban-Smartglasses von Meta mit über sieben Millionen verkauften Exemplaren. Leichtes Alltagsgerät schlägt klobiges Tauch-Headset.

Bildquelle: Bildquelle Titelbild: youdressed.com / Archiv. Symbolbild zum Thema Metaverse und Reisen. Inline-Bild: Pexels / Vitaly Gariev

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