//LIFESTYLE#stayathome 2.0 - So übersteht ihr auch den zweiten Lockdown
15. Dezember 2020 // 13:41 Uhr

#stayathome 2.0 – So übersteht ihr auch den zweiten Lockdown

InspiredByLuxury·Aus dem Archiv, neu aufgelegt

Im Dezember 2020 saßen wir im zweiten Lockdown und haben dir Ideen gegen die Decke auf dem Kopf gegeben. Fünf Jahre später schauen wir zurück: Was davon hat über die Pandemie hinaus getragen, und was war reines Durchhalten?

Wenn du diesen Text heute liest, ist der zweite Lockdown lange vorbei und mit ihm das Gefühl, dass vier Wochen Wohnung kein Ende nehmen. Trotzdem lohnt der Rückblick: Drei der Ideen, die wir dir im Dezember 2020 gegen die Langeweile mitgegeben haben, sind keine Notlösung geblieben, sondern eine ziemlich gute Vorlage für jede ruhige Phase, in der du mehr aus deiner Zeit machen willst.

Boarding

  • Drei Lockdown-Ideen von 2020 im Rückblick: Geschenke selbst machen, Routinen aufbauen, etwas Neues lernen.
  • Der bekannte 21-Tage-Mythos zur Gewohnheit stimmt nicht, die seriöse Studienlage nennt im Schnitt 66 Tage.
  • Was als Pandemie-Beschäftigung gedacht war, funktioniert heute als Vorlage für jede ruhige Saison.
  • Selbstgemachtes schlägt Last-Minute-Stress unterm Baum, gerade wenn du früh anfängst.
  • Eine verpasste Trainingseinheit wirft dich nicht zurück, das belegt dieselbe Studie.
#stayathome 2.0 - So übersteht ihr auch den zweiten Lockdown

Damals klang es nach Trostpreis: Wenn schon kein Restaurant, kein Kino und kein Wochenende in Hamburg möglich war, dann eben Heimwerken, Journaling und Yoga im Wohnzimmer. Aus der Distanz von fünf Jahren sieht das anders aus. Die Aktivitäten, die uns durch den Winter 2020 getragen haben, waren keine Verlegenheitslösung. Sie waren ein kleiner Kurs in einem Thema, das sonst im vollen Alltag untergeht: bewusst entscheiden, womit du deine freie Zeit füllst.

Geschenke selbst machen: der Tipp, der jeden Dezember trägt

Die erste Idee von 2020 war simpel. Statt Wände anzustarren, solltest du die Wochen vor Weihnachten nutzen, um Geschenke vorzubereiten, am liebsten selbst gemacht. Das war im Lockdown praktisch, weil die Geschäfte ohnehin geschlossen hatten. Es ist heute praktisch, weil es das Beste aus zwei Welten verbindet: Du sparst dir den Last-Minute-Stress, und ein Geschenk mit eigener Arbeit darin sagt mehr als ein schnell gekaufter Gutschein.

Der Unterschied zwischen damals und heute ist nur das Setting. 2020 hattest du keine andere Wahl, als zuhause kreativ zu werden. Jetzt ist es eine bewusste Entscheidung gegen die Hektik der letzten Dezembertage. Eingelegtes, ein gebundenes Fotoalbum, eine Playlist mit Notizen zu jedem Song: Das kostet Zeit, aber genau die hast du im Dezember selten am Stück. Wer früh anfängt, schenkt entspannter.

Was 2020 nach Notlösung aussah, war in Wahrheit ein Kurs in einem seltenen Luxus: selbst entscheiden, womit du deine Zeit füllst.

Neue Routinen: warum 21 Tage ein Mythos sind

Die zweite Idee war, eine neue Gewohnheit aufzubauen. Im Originaltext stand der bekannte Satz, dass das Gehirn 21 Tage braucht, um ein Verhalten zu lernen, und 66 Tage, bis es zum Automatismus wird. Diesen Teil müssen wir korrigieren, denn die 21-Tage-Regel ist ein populärer Irrtum. Sie geht auf eine Beobachtung des Schönheitschirurgen Maxwell Maltz aus dem Jahr 1960 zurück, der notierte, dass seine Patienten rund drei Wochen brauchten, um sich an ihr verändertes Spiegelbild zu gewöhnen. Daraus wurde im Lauf der Jahrzehnte ein angeblich harter Wert für jede Gewohnheit, ohne dass ihn jemand geprüft hätte.

Die seriöse Zahl liefert eine Studie der Psychologin Phillippa Lally vom University College London. Ihr Team begleitete 96 Menschen zwölf Wochen lang beim Aufbau einer neuen Alltagsgewohnheit. Das Ergebnis: Im Mittel dauerte es 66 Tage, bis ein Verhalten sich automatisch anfühlte, mit einer großen Spanne von 18 bis 254 Tagen. Einfache Gewohnheiten wie ein Glas Wasser zur Mahlzeit festigten sich schneller, anspruchsvolle wie tägliches Training brauchten deutlich länger. Vier Lockdown-Wochen reichten also nicht, um eine Routine wirklich zu verankern. Sie reichten aber locker, um den Anfang zu machen, und der ist erfahrungsgemäß der schwerste Teil.

Ein Detail aus derselben Studie nimmt den Druck raus: Ein einzelner ausgelassener Tag warf die Teilnehmer kaum zurück. Du musst also nicht perfekt durchziehen. Du musst nur immer wieder weitermachen, auch nach einer Lücke.

Etwas Neues lernen: aus dem Stand in vier Wochen

Die dritte Idee war die ehrgeizigste. Handstand, Zeichnen, zehn Kilometer am Stück laufen: Wähle eine Fähigkeit, die du immer mal können wolltest, und fang an. 2020 war die Logik, dass vier Wochen ohne Termine und Ablenkung genug Übungszeit liefern. Das stimmt bis heute, auch ohne Pandemie. Der eigentliche Engpass beim Lernen ist selten das Talent, sondern die Stunden, die du regelmäßig investierst.

Wer in vier Wochen täglich übt, sammelt eine erstaunliche Menge Übung an, gerade bei Dingen wie Zeichnen oder einer neuen Sprache, wo Fortschritt sich aus vielen kleinen Einheiten ergibt. Das Versprechen aus dem Originaltext, dass du in vier Wochen stolz auf dich sein wirst, halten wir aufrecht. Nur die Erwartung sollte realistisch bleiben: vier Wochen machen dich nicht zum Meister, aber sie bringen dich vom Nullpunkt weg, und das ist oft genau die Hürde, an der die guten Vorsätze sonst scheitern.

Was vom Lockdown bleibt

Niemand vermisst den zweiten Lockdown. Was bleibt, ist eine Einsicht, die ohne ihn schwer zu fassen gewesen wäre. Eine ruhige Phase ohne volles Programm ist kein verlorener Abschnitt, sondern Raum für genau die Dinge, die im Alltag immer hintenanstehen. Geschenke mit Bedeutung, eine Routine, die dir guttut, eine Fähigkeit, die du dir selbst beibringst. Du brauchst dafür keine Pandemie. Ein verregnetes Wochenende, eine stille Woche zwischen den Jahren oder ein bewusst freigehaltener Abend tun es auch.

Kurz geklärt

Stimmt die 21-Tage-Regel für neue Gewohnheiten?

Nein. Die Zahl geht auf eine Beobachtung des Chirurgen Maxwell Maltz von 1960 zurück und ist nie wissenschaftlich belegt worden. Die Studie von Phillippa Lally am University College London nennt im Schnitt 66 Tage, mit einer Spanne von 18 bis 254 Tagen je nach Person und Gewohnheit.

Sind die Lockdown-Tipps von 2020 heute noch sinnvoll?

Ja, sogar besser als damals. Was 2020 eine Notlösung gegen die Decke auf dem Kopf war, funktioniert heute als bewusste Vorlage für jede ruhige Phase: ein freies Wochenende, die Tage zwischen den Jahren oder ein bewusst leerer Abend.

Wie fange ich eine neue Routine an, ohne sie nach einer Woche aufzugeben?

Klein anfangen und Lücken einplanen. Dieselbe UCL-Studie zeigt, dass ein einzelner ausgelassener Tag dich kaum zurückwirft. Entscheidend ist nicht die perfekte Serie, sondern dass du nach einer Pause wieder weitermachst.

Lohnt sich Selbstgemachtes als Geschenk wirklich?

Wenn du früh genug anfängst, ja. Du sparst dir den Last-Minute-Stress im Dezember, und ein Geschenk mit eigener Arbeit darin wirkt persönlicher als ein schnell gekaufter Gutschein. Der einzige Haken ist die Zeit, und genau die hast du in einer ruhigen Phase.

Mehr Ideen fürs Zuhause findest du in unserem ersten Teil, #stayathome: 4 Aktivitäten gegen Langeweile, und wenn du es etwas ruhiger angehen willst, in Wellness zu Hause. Wer den Vorsatz Sport ernst meint, findet bei unserem Schwestermagazin InspiredBySports die passende Begleitung fürs Training daheim.

Bildquelle: Unsplash / Juja Han
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