//LIVINGGedecktes Esszimmer mit Rotwein, Kerze und Pflanze - ein schick angerichteter Abend zuhause
2. Februar 2021 // 13:52 Uhr

#stayathome: 4 Aktivitäten gegen Langeweile

InspiredByLuxury·Aus dem Archiv, neu aufgelegt

Im Frühjahr 2020 saß das halbe Land zuhause fest und suchte nach Ideen gegen die Langeweile. Wir haben damals vier davon empfohlen. Welche davon heute noch taugt – und welche nur in den Lockdown gehörte.

Im März 2020 war Ausgehen keine Option, und wir haben hier vier Wege empfohlen, dem Lagerkoller zu entkommen: schick essen in der eigenen Küche, Wohnzimmerkonzerte auf Instagram, digitales Training und virtuelles Reisen per Videochat. Fünf Jahre später ist klar, was davon eine echte Idee war und was nur die Notlösung einer Ausnahmezeit. Drei der vier Sachen machen wir nämlich immer noch. Eine haben wir nie wieder angefasst.

Grundriss

  • Schick zuhause essen war 2020 ein Trostpflaster und ist heute ein Ritual – das Dinner daheim hat den Lockdown überlebt.
  • Wohnzimmerkonzerte sind aus der Not entstanden, aber Streaming-Sets gehören längst zum festen Repertoire vieler Künstler.
  • Home-Workouts sind geblieben, auch wenn die Studios wieder offen sind. Anbieter wie Eisbachfit aus München trainieren heute wieder draußen statt per Zoom.
  • Virtuelles Reisen per Videochat war charmant gemeint, hat aber niemanden überzeugt. Das eine Ding, das wir nicht vermissen.
Gedecktes Esszimmer mit Rotwein, Kerze und Pflanze - ein schick angerichteter Abend zuhause

Vier Ideen, ein Lockdown, ganz unterschiedliche Halbwertszeiten. Wir gehen sie der Reihe nach durch – und sagen ehrlich, was wir heute davon halten.

Was vom schicken Dinner zuhause geblieben ist

2020 fühlte es sich nach Rebellion an: Wenn das Lieblingslokal zu hat, deckt man eben selbst auf. Kerzen auf den Tisch, das gute Geschirr raus, eine Flasche aufmachen, die man sonst aufgehoben hätte. Wir nannten das damals augenzwinkernd das „Ristorante Quarantena“.

Das Erstaunliche: Das Ritual ist geblieben, lange nachdem die Restaurants wieder geöffnet haben. Ein bewusst angerichteter Abend zuhause ist kein Notnagel mehr, sondern eine eigene Disziplin. Es geht nicht darum, das Restaurant zu imitieren, sondern um etwas, das ein Lokal nicht bieten kann: die eigene Musik, kein Zeitlimit, der Wein aus dem eigenen Keller. Drei Gänge müssen es nicht sein. Eine gute Pasta, ordentlich gemacht, auf einem Tisch der nach Abend aussieht, reicht völlig.

Das Dinner daheim war 2020 ein Trostpflaster. Heute ist es eine Disziplin – und besser als die meisten Reservierungen.

Wer alleine wohnt, für den war die Variante per Videochat damals die Rettung. Auch das funktioniert noch, wenn auch weniger aus Zwang als aus Lust: zwei Leute, zwei Küchen, dasselbe Rezept, ein offener Call. Das hat etwas, was kein Liefermenü ersetzt.

Wohnzimmerkonzerte: aus der Not wurde ein Format

Am 29. März 2020 lief das zweite #wirbleibenzuhause-Festival – zehn Stunden Livemusik auf Instagram, ein Künstler pro halbe Stunde, von Antje Schomaker am Mittag bis Dermot Kennedy am Abend. Dazwischen Nico Santos, Max Giesinger, Johannes Oerding, Clueso und Rea Garvey. Konzerthallen waren geschlossen, also spielten die Musiker aus dem eigenen Wohnzimmer in die ganze Welt.

Das war damals ein Behelf. Geblieben ist aber die Erkenntnis, dass ein Stream nicht nur Ersatz sein muss. Viele Künstler haben das Wohnzimmerformat behalten, weil es eine Nähe erzeugt, die in einer ausverkauften Halle gar nicht möglich ist. Kein Bombast, keine Lichtshow, nur Stimme und Instrument. Das schaut man sich auch dann an, wenn man jederzeit ein echtes Ticket kaufen könnte.

Vom digitalen Studio zurück nach draußen

Als die Fitnessstudios schlossen, verlegten viele Trainer ihre Kurse kurzerhand ins Netz. Das Münchner Team von Eisbachfit zum Beispiel streamte sein Programm während der #stayathome-Phase live per Zoom. Andere Coaches posteten täglich Bodyweight-Workouts, also Übungen, für die man nur das eigene Körpergewicht braucht.

Heute trainiert Eisbachfit wieder dort, wo der Name herkommt: draußen, am Haus der Kunst, am Tucherpark und am Schyrenbad, weiterhin angebunden an Urban Sports Club und vergleichbare Plattformen. Der Zoom-Stream war ein Kapitel, kein Dauerzustand. Was aber geblieben ist, ist das Home-Workout an sich. Wer einmal gemerkt hat, dass ein wirksames Training keine Hantelbank und keinen Studiovertrag braucht, geht nicht mehr automatisch zurück. Zwei kurze Einheiten pro Woche im Wohnzimmer schlagen den Studiovertrag, den man eh nie einlöst.

Virtuelles Reisen: die eine Idee, die wir nicht vermissen

Und dann war da die Sache mit dem virtuellen Reisen. Der Tipp 2020: einen Paris-Hintergrund in den Zoom-Call laden, einen Earl Grey aufsetzen und sich mit Freunden für eine Stunde nach London oder Paris träumen. Die virtuellen Hintergründe gibt es bei Zoom übrigens bis heute, inzwischen sogar KI-generiert.

Nur: Niemand hat das wirklich gemacht. Ein Foto vom Eiffelturm hinter dem Kopf ersetzt keine Reise, es betont nur, dass man gerade nicht reisen kann. Von den vier Ideen ist das die einzige, die mit dem Lockdown verschwunden ist und nicht zurückkam. Manche Notlösungen sind eben genau das – und das ist völlig in Ordnung.

Was bleibt, ist die eigentliche Lehre dieser Wochen: Ein guter Abend hängt weniger am Ort als an der Absicht. Den Tisch schön decken, gut essen, sich bewegen, Musik hören, die einem etwas bedeutet. Das geht zuhause genauso. Mehr Ideen für das Zuhause als Lebensraum findest du in unserem Stück über das Schlafzimmer als Zentrum der Erholung, und wer den Dinner-Gedanken weiterspinnen will, liest unsere Anleitung für ein Sommer-Dinner ohne großen Kochaufwand. Wie aus den Wohnzimmerkonzerten von damals ein bleibendes Streaming-Format wurde, hat unser Schwestermagazin in The Show Must Go On bei InspiredByBeatz nachgezeichnet.

Kurz geklärt

Lohnt sich ein schickes Dinner zuhause auch ohne Anlass?

Gerade dann. Der Reiz liegt nicht im besonderen Tag, sondern darin, einen gewöhnlichen Abend bewusst zu gestalten. Ein gedeckter Tisch, gutes Licht und ein Gericht, das du mit Ruhe kochst, machen aus einem Dienstag ein kleines Ereignis. Das hat 2020 funktioniert und funktioniert heute genauso.

Gibt es die Wohnzimmerkonzerte aus der Pandemie noch?

Die großen Sammelfestivals wie #wirbleibenzuhause waren an die Lockdown-Zeit gebunden. Das Format selbst lebt aber weiter: Viele Künstler streamen weiterhin intime Sets aus dem Wohnzimmer oder Studio, oft parallel zu ihren Touren. Es ist vom Notbehelf zu einem eigenen Kanal geworden.

Brauche ich für ein Home-Workout teure Geräte?

Nein. Die meisten der damaligen Online-Kurse setzten auf Bodyweight-Training, also Übungen mit dem eigenen Körpergewicht. Zwei kurze Einheiten pro Woche reichen, um einen Effekt zu spüren. Geräte sind ein Extra, keine Voraussetzung.

Funktionieren die virtuellen Zoom-Hintergründe noch?

Ja, die Funktion existiert weiterhin und Zoom hat sie sogar um KI-generierte Hintergründe erweitert. Praktisch für Videocalls bleibt sie, als Reise-Ersatz hat sie aber nie überzeugt – das war schon 2020 eher ein Gag als ein Erlebnis.

Bildquelle: Pexels / kaboompics
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