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28. März 2019 // 16:45 Uhr

Saftkuren: Alles was ihr über den Trend wissen müsst

InspiredByLuxury·Aus dem Archiv, neu aufgelegt

2019 haben wir über den Saftkur-Hype geschrieben, als jede zweite Influencerin tagelang nur Grünsaft trank. Sechs Jahre später steht der Trend noch im Regal, nur die Versprechen sind kleiner geworden. Was davon hält und was du dir sparen kannst.

Sechs kaltgepresste Säfte am Tag, kein festes Essen, dafür das Versprechen vom gereinigten Körper: Die Saftkur war 2019 das Lifestyle-Ritual schlechthin, und sie ist bis heute nicht verschwunden. Anbieter wie Frank Juice, Kale&Me oder Pressbar verkaufen ihre Pakete weiter, die Säfte sind besser geworden, die Marketing-Sprache vorsichtiger. Der Detox-Mythos dahinter hat dagegen jeden seriösen Faktencheck verloren. Hier die ehrliche Einordnung, sechs Jahre nach dem Hype.

Amuse-Bouche

  • Eine Saftkur heißt: drei bis fünf Tage nur kaltgepresste Obst- und Gemüsesäfte, meist sechs Flaschen täglich.
  • Den Körper „entgiftet“ sie nicht. Leber, Nieren und Darm erledigen das selbst, einen messbaren Schlacken-Effekt gibt es nicht.
  • Du nimmst kurzfristig ab, weil du weniger Kalorien zu dir nimmst. Nach der Kur kommt das Gewicht oft zurück.
  • Anbieter wie Frank Juice, Kale&Me und Pressbar liefern Pakete ab rund 90 Euro für drei Tage frei Haus.
  • Sinnvoll eher als bewusster Reset und Einstieg in eine dauerhafte Umstellung, nicht als Wunderkur.
Saftkuren: Alles was ihr über den Trend wissen müsst

Was eine Saftkur überhaupt ist

Bei einer Saftkur nimmst du über mehrere Tage ausschließlich rohes Obst und Gemüse in Saftform zu dir. Üblich sind drei oder fünf Tage, an denen du etwa alle zwei Stunden einen Saft trinkst, in Summe sechs am Tag. Die Säfte sind kaltgepresst und nicht pasteurisiert, behalten also einen großen Teil ihrer Vitamine und Enzyme. Genau das war der Verkaufstrick 2019: viele Nährstoffe, kein Kauen, und das Gefühl, dem Körper etwas Gutes zu tun.

An der Substanz hat sich seither wenig geändert. Die Pakete enthalten grüne Säfte mit Sellerie, Gurke oder Spinat, dazu fruchtigere Mischungen und oft einen Ingwer-Shot. Was sich geändert hat, ist die Tonlage. Wo früher von Entgiftung die Rede war, steht heute häufiger „Auszeit“ oder „Reset“ auf dem Etikett. Das ist kein Zufall.

Der Detox-Mythos, ehrlich eingeordnet

Die Idee, dass sich im Körper „Schlacken“ sammeln, die du auswaschen musst, geht auf den Arzt Otto Buchinger vor rund hundert Jahren zurück. In der Medizin existiert der Begriff nicht. Es gibt keine Substanz, die so heißt, und es gibt keine Studie, die belegt, dass eine Saftkur den Körper entgiftet. Verbraucherzentrale, Stiftung Warentest und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sagen dazu im Kern dasselbe.

Ein gesunder Körper reinigt sich selbst. Leber, Nieren, Darm und Haut scheiden aus, was raus muss, ganz ohne Saftpaket.

Heißt konkret: Den Reinigungs-Job machen deine Organe rund um die Uhr, ob du nun Saft trinkst oder nicht. Eine Kur kann diesen Prozess nicht beschleunigen. Wer mit gesundheitlichen Heilsversprechen wirbt, verkauft dir ein Gefühl, keine messbare Wirkung. Das ist der Grund, warum die seriösen Anbieter heute vom „Reset“ sprechen statt vom Entgiften: Letzteres lässt sich nicht halten.

Abnehmen, ja, aber mit Sternchen

Auf der Waage tut sich während einer Saftkur trotzdem etwas, und das ist kein Mythos. Du verlierst Gewicht, weil du in diesen Tagen deutlich weniger Kalorien aufnimmst als sonst. Sechs Säfte ersetzen keine vollwertigen Mahlzeiten. Das Problem kommt danach: Sobald du wieder normal isst, kehrt das Gewicht häufig zurück, der bekannte Jojo-Effekt. Als Abnehm-Strategie taugt die Kur deshalb nicht.

Was sie kann: ein Startpunkt sein. Wer nach drei klaren Tagen merkt, dass weniger Zucker und mehr Gemüse guttun, nimmt daraus mehr mit als die paar Gramm auf der Waage. Genau dieser Reset-Gedanke ist der ehrlichste Grund, eine Kur überhaupt zu machen. Wenn du ohnehin an deiner Ernährung im Alltag schrauben willst, ist die Kur ein bewusster Anfang, mehr nicht.

Kaufen oder selbst pressen?

Der bequeme Weg ist das fertige Paket. Frank Juice aus München, Kale&Me aus Hamburg und Pressbar gehören zu den bekanntesten Anbietern im deutschsprachigen Raum und liefern alle weiter, sechs Jahre nach unserem ersten Artikel. Eine Drei-Tages-Kur startet je nach Anbieter bei rund 90 Euro, fünf Tage entsprechend mehr. Du bekommst die Flaschen gekühlt nach Hause, durchnummeriert, in Trinkreihenfolge.

Selbst pressen ist deutlich günstiger, kostet aber Zeit und braucht einen ordentlichen Entsafter. Wer Lust auf Farbe und Nährstoffvielfalt hat, findet in unserem Stück zu bunten Lebensmitteln gute Anhaltspunkte, welche Obst- und Gemüsesorten sich lohnen. Der Vorteil der Eigenproduktion: Du weißt genau, was drin ist, und kannst den Zucker bewusst niedrig halten.

Wenn du es machst, mach es richtig

Eine Kur fällt leichter, wenn du sie vorbereitest. Zwei bis drei Tage vorher Milchprodukte, Zucker, Fleisch, Weißmehl, Alkohol und Nikotin reduzieren, am Vortag auf Suppen, Smoothies und Gemüse umsteigen. Während der Kur gilt: mindestens zwei Liter Wasser oder Kräutertee zusätzlich zu den Säften. Bei kleinem Hunger helfen Tomaten, Gurke oder eine Handvoll ungesalzene Nüsse.

Nach der Kur ist der wichtigste Teil. Iss dich langsam wieder hoch, erst Rohkost und leichte Mahlzeiten, dann Gemüse, Salat und vollwertige Kohlenhydrate wie Vollkornreis oder Haferflocken. Wer direkt mit Pizza einsteigt, verschenkt den Effekt. Dieselbe Logik kennen übrigens auch Sportler: Erholung wirkt nur, wenn man sie nicht sofort wieder zunichtemacht. Wie viel Regeneration tatsächlich bringt, zeigt der Beitrag Regeneration im Sport auf unserem Schwestermagazin InspiredBySports.

Fazit: Die Saftkur ist kein Detox-Wunder und war es nie. Als gelegentlicher Reset, als bewusster Bruch mit schlechten Gewohnheiten oder einfach als Lust auf ein paar Tage leichte Kost ist sie völlig in Ordnung. Erwarte einen klaren Kopf und etwas weniger auf der Waage, keinen entschlackten Körper. Mit dieser Erwartung machst du nichts falsch.

Gut zu wissen

Entgiftet eine Saftkur wirklich den Körper?

Nein. Leber, Nieren, Darm und Haut reinigen den Körper laufend von selbst. Eine messbare entgiftende Wirkung von Saftkuren ist wissenschaftlich nicht belegt, der Begriff „Schlacken“ existiert in der Medizin nicht.

Nimmt man mit einer Saftkur ab?

Kurzfristig ja, weil du deutlich weniger Kalorien zu dir nimmst. Nach der Kur kehrt das Gewicht aber häufig zurück (Jojo-Effekt). Als dauerhafte Abnehm-Methode ist die Kur nicht geeignet.

Wie lange dauert eine Saftkur?

Üblich sind drei oder fünf Tage mit jeweils etwa sechs kaltgepressten Säften pro Tag, alle zwei Stunden einer. Länger als fünf Tage solltest du ohne ärztliche Begleitung nicht durchziehen.

Was kostet eine fertige Saftkur?

Bei Anbietern wie Frank Juice, Kale&Me oder Pressbar startet eine Drei-Tages-Kur bei rund 90 Euro frei Haus. Selbst pressen ist günstiger, kostet aber Zeit und einen guten Entsafter.

Für wen ist eine Saftkur nicht geeignet?

Schwangere, Stillende, Menschen mit Diabetes, Essstörungen oder chronischen Erkrankungen sollten vorher ärztlich Rücksprache halten. Für gesunde Erwachsene sind ein paar Tage in der Regel unproblematisch.

Bildquelle: Unsplash / freestocks.org
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