//TRAVELPariser Café-Terrasse mit Korbstühlen und Gästen in der Sonne
11. September 2019 // 13:15 Uhr

ONE WEEKEND IN… PARIS

InspiredByLuxury·Aus dem Archiv, neu aufgelegt

Im Herbst 2019 haben wir dir Paris jenseits von Eiffelturm und Champs-Élysées gezeigt. Ein Wochenende für Insider, nicht für Postkarten. Was davon trägt heute noch? Wir haben den Guide nachgeprüft.

Im Herbst 2019 haben wir dir ein Wochenende in Paris empfohlen, das ohne Eiffelturm-Selfie und ohne Champs-Élysées auskommt. Funktioniert dieser Plan sechs Jahre später noch? Kurz gesagt: ja, der größte Teil davon. Panthéon, Katakomben, Canal Saint-Martin und die Friedhofs-Spaziergänge sind so zeitlos wie eh und je. Eine Adresse hat sich verabschiedet, dafür ist eine neue dazugekommen. Hier ist der aktualisierte Insider-Guide für zwei Nächte in der Stadt, die man nie wirklich fertig gesehen hat.

Boarding

  • Freitag: Panthéon statt Notre-Dame. 206 Stufen auf die Kuppel-Kolonnade, 360-Grad-Blick fast ohne Schlange.
  • Samstag: Katakomben am Vormittag, Spaziergang am Canal Saint-Martin, abends Cocktails im Comptoir Général.
  • Sonntag: Frühstück im Marais, danach der Père-Lachaise und ein literarisches Dinner am Odéon.
  • Geändert seit 2019: Das Perchoir auf dem BHV ist Geschichte, an seiner Stelle liegt heute eine neue Rooftop-Adresse.
  • Bleib flexibel: Panthéon-Kuppel und Katakomben haben begrenzte Plätze, online vorbuchen lohnt sich.
Pariser Café-Terrasse mit Korbstühlen und Gästen in der Sonne

Paris, je t’aime. Ja, die Stadt der Liebe zieht jährlich Millionen Paare an, und der Eiffelturm bleibt der Pflichttermin. Aber wenn du schon die Champs-Élysées rauf und runter gelaufen bist, das obligatorische Bild vor dem Eisengittermast hast und das Antlitz der Stadt vom Sacré-Cœur aus bewundert hast, wird es Zeit, Paris anders zu erleben. Mit Baguette, Rotwein und Käse zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Dieser Drei-Tage-Plan führt dich dorthin, wo die Pariser selbst hingehen.

Freitag: Sightseeing für Insider

Nicht, dass Notre-Dame nicht schön wäre. Aber die beeindruckende Aura der gotischen Kathedrale zwischen Hunderten staunenden, fotografierenden Touristen vollends zu genießen, fällt schwer. Warum also nicht auf das Panthéon gleich um die Ecke ausweichen? Das prächtige Gebäude auf dem Hügel der heiligen Genoveva im fünften Arrondissement ist die nationale Ruhmeshalle Frankreichs und Grabstätte ihrer größten Köpfe. In der Krypta liegen Voltaire und Jean-Jacques Rousseau, Victor Hugo und Émile Zola, Marie und Pierre Curie. Seit 2018 ruht hier auch die Widerstandskämpferin und Politikerin Simone Veil, eine der wenigen Frauen, die diese Ehre erhielten.

Der krönende Abschluss ist der Aufstieg auf die Kuppel. Die Kolonnade wurde restauriert und ist wieder geöffnet: 206 Stufen, mehrere Verschnaufpausen unterwegs, und oben ein 360-Grad-Panorama vom Eiffelturm über Montparnasse bis zum Sacré-Cœur. Das Beste daran: Den Blick hast du meist fast für dich allein, während sich die Massen vor der Kathedrale drängen. Wer sich danach stärken muss, tut das auf der bunten, belebten Rue Mouffetard, ebenfalls im Quartier Latin.

Den schönsten Blick auf Paris hast du nicht dort, wo die Massen stehen, sondern eine Querstraße weiter.

Und wenn du vom Ausblick nicht genug bekommst: 2019 führte unser Weg am Abend auf das Perchoir auf dem Dach des Kaufhauses BHV im vierten Arrondissement. Diese Rooftop-Bar gibt es so nicht mehr, an ihrer Stelle liegt heute eine neue Dachterrasse mit südamerikanischem Konzept und demselben spektakulären Rundumblick. Die Aussicht ist geblieben, die Cocktails sind weiterhin nicht billig, aber der Blick über die Dächer lohnt jeden Euro.

Samstag: Die andere Seite von Paris

Der Samstag startet im Pariser Untergrund: in den Katakomben (Metro: Denfert-Rochereau). Eine groteske, aber faszinierende Attraktion. Von den über 200 Kilometern ehemaliger Steinbruchgänge unter der Stadt sind rund anderthalb Kilometer begehbar, und sie ziehen immer mehr abenteuerlustige Besucher an. Aus gutem Grund: Hier lagern die kunstvoll aufgeschichteten Gebeine von etwa sechs Millionen Parisern, die ab Ende des 18. Jahrhunderts aus den überfüllten Stadtfriedhöfen hierher umgebettet wurden. Es ist konstant 14 Grad kühl, rund 20 Meter unter der Erde, und die ganze Runde dauert etwa 45 bis 60 Minuten. Tipp: Vorab online buchen, die Tagesplätze sind begrenzt und die Schlange ohne Ticket lang.

Wer sich von diesem Memento mori erholen will, tut das bei einem Spaziergang am Canal Saint-Martin im zehnten Arrondissement. Der gut viereinhalb Kilometer lange Kanal wurde 1825 eröffnet, auf Anordnung Napoleons und finanziert über eine Weinsteuer, und feiert damit dieser Tage seinen 200. Geburtstag. Neun Schleusen, gusseiserne Fußgängerbrücken, Platanen am Ufer: An sonnigen Wochenenden picknickt hier halb Paris. Ein echter Insider-Spot, der längst keiner mehr ist, aber genau deshalb so viel Stadtleben zeigt.

Am Abend ist Party angesagt. Ebenfalls im zehnten Arrondissement, versteckt in einem Hinterhof, liegt die Tanz- und Cocktailbar Le Comptoir Général. Lass dich von der manchmal langen Schlange nicht abschrecken: Drinnen erwarten dich frisch gemixte Drinks und entspannte Vibes in einem ehemaligen Stallgebäude mit afro-karibischem Flair. Wer vorher Hunger hat, isst im kleinen, feinen Restaurant nebenan.

Sonntag: Entspannung pur

So ein Städtetrip strengt an, deshalb ist am Sonntag Entspannung angesagt. Kulinarisch verwöhnt wird man in Paris an jeder Ecke, aber ein besonders schönes Frühstück mit Croissants, Café au lait, weich gekochten Eiern und hausgemachter Marmelade gibt es im Café Charlot im Marais (drittes Arrondissement). Wer es internationaler mag, schaut bei Bob’s Bake Shop in der Halle Pajol nahe dem Gare du Nord vorbei: frisch gepresste Säfte, großartige Bagels und Zimtschnecken.

Nach diesem ausgedehnten Mahl bist du gestärkt für einen Spaziergang über den Parkfriedhof Père-Lachaise. Klingt im ersten Moment ungewöhnlich, einen Friedhof zu besichtigen, aber abseits des Großstadtdschungels lohnt sich der Besuch: Die Grabstätten von Frédéric Chopin, Édith Piaf und Jim Morrison gehören zu den meistbesuchten der Welt, dazwischen liegen verwunschene Alleen und alte Bäume. Der kulinarische Schlusspunkt findet sich im Restaurant Les Éditeurs am Carrefour de l’Odéon. Zwischen Bücherregalen und Lesesesseln lässt sich eine moderne Variante der klassischen französischen Küche genießen.

Egal, wie oft du schon hier warst: Paris verzaubert jedes Mal aufs Neue. Wenn dich die Lust auf europäische Städtetrips gepackt hat, dann ist unser Wochenende in Neapel der nächste logische Schritt, oder du folgst uns ins unterschätzte Ljubljana. Wer lieber mit dem Auto unterwegs ist, findet in unseren sieben Geheimtipps für den nächsten Roadtrip noch mehr Inspiration.

Gut zu wissen

Welches Pariser Wahrzeichen lohnt sich ohne Touristenmassen?

Das Panthéon im fünften Arrondissement. Drinnen ruhen Voltaire, Rousseau, Victor Hugo und Marie Curie, oben wartet nach 206 Stufen ein 360-Grad-Panorama über die Stadt, das du meist fast für dich allein hast.

Sind die Pariser Katakomben einen Besuch wert?

Wenn du etwas Morbides nicht scheust, unbedingt. Rund anderthalb Kilometer Gänge sind begehbar, ausgekleidet mit den Gebeinen von etwa sechs Millionen Menschen. Es ist konstant 14 Grad kühl, die Runde dauert 45 bis 60 Minuten, und die Tagesplätze sind begrenzt, also vorab online buchen.

Gibt es das Perchoir auf dem BHV noch?

Die ursprüngliche Rooftop-Bar ist geschlossen. An gleicher Stelle liegt heute eine neue Dachterrasse mit südamerikanischem Konzept, der Rundumblick über die Pariser Dächer ist derselbe geblieben.

Wo frühstückt man in Paris am schönsten?

Klassisch französisch im Café Charlot im Marais, mit Croissants und Café au lait. Internationaler wird es bei Bob’s Bake Shop in der Halle Pajol nahe dem Gare du Nord, mit Bagels, Zimtschnecken und frisch gepressten Säften.

Bildquelle: Pexels / Shvets Anna
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