
Nachhaltig Reisen – So gelingt der bewusste Urlaub
2019 haben wir hier über bewusstes Reisen geschrieben. Was davon trägt heute noch und was hat sich seitdem wirklich bewegt? Ein Blick zurück mit Zahlen, die 2025 belegt sind.
Du willst reisen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen mit ins Gepäck zu packen. Die gute Nachricht: Bewusster Urlaub ist 2025 leichter geworden, weil die Zahlen klarer und die Alternativen besser sind. Wir haben unseren Beitrag von 2019 noch einmal aufgemacht und mit dem abgeglichen, was heute belegt ist.
- Blick zurück: Im Oktober 2019 haben wir uns mit Nachhaltig Reisen beschäftigt und wagen hier einen neuen Blick darauf.
- Slow Travel ist kein Verzicht, sondern eine andere Art von Komfort: Zeit, Ruhe und Zwischenstopps statt Hetze.
- Die Unterkunft entscheidet mit: Klimaanlage und große Pools sind die stillen Stromfresser.
- Wenn doch geflogen wird, kostet ein ehrlicher CO2-Ausgleich bei atmosfair rund 30 Euro pro Tonne (Stand 2025).
2019 war die Frage noch fast tabu: Darf ich überhaupt noch fliegen? Sechs Jahre später ist die Debatte nüchterner geworden. Es geht nicht um Verzicht oder schlechtes Gewissen, sondern um bessere Entscheidungen. Und die fangen damit an, dass man die Zahlen kennt.
Was sich seit 2019 verändert hat
Damals war „Flugscham“ das Wort der Stunde, ein Begriff, der mehr über das Gefühl als über die Lösung sagte. Heute steht weniger das Schämen im Vordergrund als die Frage, welche Option für eine konkrete Strecke wirklich Sinn ergibt. Die Bahn ist auf vielen innerdeutschen und europäischen Verbindungen schneller und komfortabler geworden, Nachtzüge sind zurück im Fahrplan, und Buchungsportale zeigen den CO2-Abdruck einer Reise inzwischen oft direkt im Vergleich an.
Gleichzeitig ist die Transparenz gestiegen. Kompensationsanbieter legen ihre Berechnungsgrundlagen offen, Hotels werben mit überprüfbaren Zertifikaten statt vager Versprechen, und Begriffe wie Slow Travel oder Mikroabenteuer haben sich von der Nische in den Mainstream bewegt. Was 2019 noch nach Verzicht klang, fühlt sich heute eher nach einer bewussten Wahl an. Genau darum lohnt sich der Blick zurück: Die Tipps von damals stimmen weiterhin, nur die Werkzeuge dahinter sind besser geworden.
Die nähere Umgebung ist unterschätzt
Vor lauter Fernweh vergessen viele, was direkt vor der Haustür liegt. Eine Hütte im heimischen Wald, ein langes Wochenende in einer Stadt zwei Bahnstunden entfernt, ein Museum, das man nie besucht hat: Das braucht weniger Anreise, weniger Emissionen und oft mehr Aufmerksamkeit für den Ort selbst. Mikroabenteuer in der eigenen Region sind seit der Pandemie kein Notnagel mehr, sondern ein eigenes Genre des Reisens. Der schönste Nebeneffekt: Du kommst entspannter an, weil die Anreise selbst schon Erholung ist.
Slow Travel: Der Weg ist das Reiseziel
Bei der Wahl des Verkehrsmittels ist die Lage eindeutiger als jede Bauchentscheidung. Laut Umweltbundesamt verursacht der ICE auf einer Strecke von 1.000 Kilometern rund 36 Kilogramm CO2, der Flug über dieselbe Distanz mehr als 200 Kilogramm. Auf der Verbindung Berlin-München spart die Bahn gegenüber dem Flug rund 82 Prozent der Emissionen. Bus und Bahn schlagen das Flugzeug also nicht knapp, sondern um ein Vielfaches.
Slow Travel heißt, diesen Vorteil bewusst auszukosten. Pack dir gutes Essen und eine Flasche Wein ein, plane einen Zwischenstopp in einer Stadt, die du sonst nur vom Durchfahren kennst, und mach die Anreise zum ersten Kapitel der Reise. Langsames Vorankommen hat etwas Beruhigendes, das kein Direktflug je liefert.
Die Bahn ist nicht der Kompromiss für Reisende mit schlechtem Gewissen. Sie ist die ruhigere, oft schönere Art anzukommen.
Die richtige Unterkunft macht den Unterschied
Auch das Quartier zählt in die Bilanz. Zwei Faktoren fallen besonders ins Gewicht. Erstens die Klimaanlage: Sie gehört zu den größten Stromfressern, vor allem wenn ganze Anlagen rund um die Uhr heruntergekühlt werden. Zweitens das Wasser. In vielen südlichen Regionen herrscht chronischer Mangel, und ein großer Pool, der täglich nachgefüllt wird, ist dann alles andere als unbedenklich. Achte auf Häuser, die mit Ressourcen sparsam umgehen, statt sie als Selbstverständlichkeit zu verkaufen. Zertifizierungen wie GreenSign oder das EU-Ecolabel geben dir dabei eine erste Orientierung.

Und wenn doch geflogen wird?
Manche Reise lässt sich nicht auf die Schiene verlegen. Dann bleibt die Kompensation, und die ist heute transparenter als 2019. Anbieter wie atmosfair rechnen aus, wie viel CO2 dein Flug verursacht, und legen offen, was der Ausgleich kostet. Aktuell setzt atmosfair rund 30 Euro pro Tonne CO2 an (Stand 2025). Das Geld fließt in Klimaschutzprojekte, die doppelt nach dem Gold Standard und dem CDM-Mechanismus zertifiziert sind.
Ehrlich bleibt dabei wichtig: Kompensation macht einen Flug nicht klimaneutral, sie mildert ihn ab. Der wirksamste Hebel ist und bleibt, seltener und bewusster zu fliegen. Wer das verinnerlicht, reist nicht schlechter, sondern aufmerksamer.

Mehr Inspiration für entschleunigtes Reisen findest du in unserem Beitrag über Solo-Reisen, und konkrete Tipps für den nächsten umweltbewussten Trip haben wir in nachhaltiger Urlaub gesammelt. Wer das Reisen lieber mit Bewegung verbindet, wird bei unserem Schwestermagazin InspiredBySports fündig.
So wird Reisen nicht kleiner, sondern bewusster: weniger Pflichtprogramm, mehr Gefühl für Strecke, Ort und Zeit.
Gut zu wissen
▸Ist die Bahn wirklich so viel klimafreundlicher als das Flugzeug?
Ja, und der Unterschied ist größer als viele denken. Auf 1.000 Kilometern verursacht der ICE laut Umweltbundesamt rund 36 Kilogramm CO2, der Flug über 200 Kilogramm. Auf der Strecke Berlin-München spart die Bahn rund 82 Prozent der Emissionen.
▸Was kostet es, einen Flug über atmosfair auszugleichen?
atmosfair setzt aktuell rund 30 Euro pro Tonne CO2 an (Stand 2025). Der konkrete Betrag hängt von Distanz und Flugzeugtyp ab; der Rechner auf atmosfair.de zeigt ihn pro Flug an. Das Geld fließt in Gold-Standard-zertifizierte Klimaschutzprojekte.
▸Macht CO2-Kompensation einen Flug klimaneutral?
Nein. Kompensation gleicht Emissionen rechnerisch aus, sie verhindert sie nicht. Der wirksamste Hebel bleibt, seltener und bewusster zu fliegen und kurze Strecken auf die Schiene zu verlegen.
▸Worauf achte ich bei einer nachhaltigen Unterkunft?
Vor allem auf den Umgang mit Energie und Wasser. Dauerhaft heruntergekühlte Klimaanlagen und große Pools in wasserarmen Regionen sind die größten Belastungen. Zertifikate wie GreenSign oder das EU-Ecolabel geben eine erste Orientierung.



