
Mocktails: Vom Food-Trend 2018 zur festen Größe an der Bar
2018 haben wir Mocktails als kommenden Food-Trend angekündigt. Acht Jahre später bestellst du sie ganz selbstverständlich, und vier Rezepte von damals funktionieren immer noch.
2018 stand auf unserer Trend-Liste ein Versprechen: Der alkoholfreie Cocktail verlässt die Nische und wird zum festen Teil jeder guten Barkarte. Acht Jahre später ist das keine Prognose mehr, sondern Alltag. Wer heute in München, Berlin oder Hamburg an die Bar geht, bekommt eine eigene Mocktail-Seite gereicht, manchmal länger als die mit Promille. Was damals nach mutiger Wette klang, ist Standard geworden, und genau deshalb lohnt sich der Blick zurück.
- Mocktails sind 2025/26 Mainstream: Studien zufolge wollen rund 55 Prozent der Menschen weltweit ihren Alkoholkonsum reduzieren, in Deutschland geben 24 Prozent an, im letzten Jahr weniger getrunken zu haben.
- Der globale Mocktail-Markt liegt 2025 bei umgerechnet rund 7,8 Milliarden Euro und soll sich bis 2035 fast verdoppeln.
- Drei unserer Rezepte von 2018 funktionieren immer noch: Rosmarin-Blaubeere Smash, Virgin Gurken Gimlet und Spiced Tonic.
- Neu seit damals: funktionale Mocktails mit Adaptogenen, Ingwer oder Kurkuma und ein wachsendes Angebot fertiger alkoholfreier Spirituosen.
- Seedlip, 2015 von Ben Branson gestartet, hat den alkoholfreien Aperitif salonfähig gemacht und gehört seit 2019 zum Diageo-Konzern.

Damals haben wir geschrieben, die Liste nicht-alkoholischer Drinks in Bars werde immer länger. Heute ist sie an vielen Orten Teil des Konzepts. Der Wandel hat einen Namen: Sober Curious. Gemeint ist nicht Verzicht aus Zwang, sondern bewusster Genuss ohne den nächsten Tag zu opfern. Gerade die jüngeren Gäste treiben das. Laut der Shell Jugendstudie achten über 80 Prozent der Jugendlichen bewusst auf ihre Gesundheit, und das zeigt sich im Bestellverhalten an der Bar.
Warum aus dem Trend von 2018 eine Bewegung wurde
Zahlen helfen, das Tempo einzuordnen. Im Januar 2024 lag der Absatz alkoholischer Getränke in Deutschland laut Statistischem Bundesamt rund ein Viertel unter dem Vorjahresmonat, getrieben vom Dry January. Spannender ist, was danach passiert: Eine Mehrheit der Befragten will auch außerhalb der Januar-Aktion alkoholfreie Alternativen in Bars und Restaurants bestellen. Der Verzicht bleibt also nicht auf einen Aktionsmonat beschränkt, er wird zur Gewohnheit.
Wirtschaftlich ist daraus ein eigener Markt geworden. Schätzungen verschiedener Marktforscher sehen das globale Volumen für Mocktails 2025 bei umgerechnet etwa 7,8 Milliarden Euro, mit einem jährlichen Wachstum um die 5 bis 6 Prozent. Bis 2035 könnte sich der Markt damit fast verdoppeln. Hinter diesen Zahlen steckt vor allem ein Premium-Effekt: Alkoholfrei ist heute keine Notlösung mehr, sondern ein eigenes Genuss-Segment mit eigenem Preisschild. Bars investieren in alkoholfreie Karten, weil die Marge stimmt und die Nachfrage da ist.
2018 war der Mocktail eine mutige Wette. 2026 ist es die Frage, warum eine gute Bar keine vernünftige alkoholfreie Auswahl hat.
Die Rezepte von damals, die immer noch funktionieren
Das Schöne an einem guten Mocktail: Er altert nicht. Diese drei Klassiker aus unserer Liste von 2018 stehst du heute noch zusammen, mit Zutaten, die in jedem gut sortierten Supermarkt liegen.
Rosmarin-Blaubeere Smash
Du brauchst eine Handvoll Blaubeeren, einen Zweig Rosmarin, frischen Zitronensaft, Sprudelwasser und etwas Honig. Blaubeeren und Rosmarin mit dem Honig am Glasboden leicht zerstoßen, dann Zitronensaft und Wasser angießen. Auf Eis servieren. Der Rosmarin bringt eine herb-würzige Note, die den Drink über simple Limo hinaushebt.
Virgin Gurken Gimlet
Sehr dünn geschnittene Gurkenscheiben, Club Soda, Limettensaft und ein Schuss Sirup. Alles vermischen, mit Eis und einer Limettenscheibe servieren. Die Gurke macht den Unterschied: kühl, klar und perfekt für warme Abende auf dem Balkon.
Spiced Tonic
Dieser Drink basiert auf der alkoholfreien Spirituose Seedlip, aufgegossen mit Tonic Water und garniert mit Zitrone oder Gurke. Die ehrlichste Alternative zum Gin Tonic, weil die Bitterkeit des Tonics dem Drink Tiefe gibt, die reiner Saft nie erreicht.
Was seit 2018 dazugekommen ist
Zwei Entwicklungen haben die Mocktail-Welt seit unserem ersten Artikel verändert. Erstens die funktionalen Drinks: Mocktails mit Adaptogenen, Ingwer, Kurkuma oder Probiotika versprechen neben Geschmack einen Wellness-Effekt. Ob jeder dieser Versprechen wissenschaftlich hält, sei dahingestellt, der Geschmack stimmt aber oft, und der Ingwer-Kick ist real. Wer den Effekt ohne Bar-Aufwand mag, findet bei uns die Ingwer-Orange-Shots als schnelle Variante für zuhause.
Zweitens die fertigen alkoholfreien Spirituosen. Seedlip war hier der Vorreiter. Gründer Ben Branson stieß auf das Buch The Art of Distillation des Engländers John French aus dem Jahr 1651, in dem bereits alkoholfreie Destillate beschrieben wurden, und entwickelte daraus 2015 seine eigene Marke. 2019 stieg der Getränkekonzern Diageo ein, was zeigt, wie ernst die Branche das Segment inzwischen nimmt. Heute steht Seedlip neben Dutzenden Marken im Regal, von Aperitif-Alternativen bis zu alkoholfreiem Wermut.
Wenn du den Genuss-Gedanken weiterdrehen willst: Unsere klassischen Sommer-Cocktails mit ungewöhnlichen Rezepten lassen sich fast alle alkoholfrei umbauen, oft schmecken sie ohne den Schnaps sogar runder. Und wer den Verzicht aus sportlicher Sicht denkt, für den ist Alkohol vor allem ein Recovery-Killer: Beim Schwestermagazin InspiredBySports liest du in der Ernährungs-Guide für Sportler, warum die Regeneration ohne Alkohol messbar besser läuft.
Lohnt sich der Aufwand zuhause?
Kurz gesagt: ja, wenn du es ernst meinst. Ein guter Mocktail lebt von Säure, Bitterkeit und einer aromatischen Komponente, sonst bleibt es Limonade. Frischer Zitrus- oder Limettensaft statt Konzentrat, ein gutes Tonic und ein Kräuterzweig machen aus einem faden Glas einen Drink, den du gern in der Hand hältst. Eis nicht vergessen, es verdünnt nicht nur, es kühlt und rundet die Aromen. Der Rest ist Spielwiese.
Gut zu wissen
▸Was ist der Unterschied zwischen Mocktail und Limonade?
Ein Mocktail ist als alkoholfreie Variante eines Cocktails konzipiert. Er arbeitet mit Säure, Bitterkeit und Kräutern oder Gewürzen und ahmt die Komplexität eines klassischen Drinks nach. Limonade ist meist nur süß. Der Spiced Tonic mit Seedlip etwa schmeckt deutlich bitterer und erwachsener als jede Brause.
▸Ist Mocktail nur ein kurzlebiger Trend?
Nein. Was 2018 als Trend galt, ist 2025/26 fester Teil der Bar-Kultur. Marktforscher sehen das globale Volumen bei umgerechnet rund 7,8 Milliarden Euro mit stabilem Wachstum, und in Deutschland will eine Mehrheit der Gäste auch außerhalb des Dry January alkoholfreie Alternativen bestellen.
▸Welche alkoholfreie Spirituose ist ein guter Einstieg?
Seedlip gilt als Klassiker und funktioniert gut mit Tonic. Inzwischen gibt es zahlreiche Alternativen, von alkoholfreiem Gin über Aperitif-Varianten bis zu Wermut-Ersatz. Für den Anfang reicht eine Flasche und ein gutes Tonic, der Rest kommt mit dem Probieren.
▸Sind Mocktails wirklich gesünder?
Ohne Alkohol fallen leere Kalorien aus Spirituosen und der Kater weg, das ist klar. Funktionale Mocktails werben zusätzlich mit Zutaten wie Ingwer oder Adaptogenen. Beim Zucker solltest du aufpassen: Ein süßer Sirup-Mocktail kann kalorisch durchaus mit einem Cocktail mithalten. Frische Zutaten und wenig Süße sind der bessere Weg.



