//STYLEKollagen als Nahrungsergänzung - Was steckt dahinter?
19. April 2021 // 11:10 Uhr

Kollagen als Nahrungsergänzung: Was die Studien wirklich zeigen

InspiredByLuxury·Aus dem Archiv, neu aufgelegt

2021 haben wir den Kollagen-Hype rund um Glow/25 vorgestellt, als das Berliner Pulver gerade zum Beauty-Liebling wurde. Fünf Jahre später ist die Marke ein dreistelliger Millionen-Umsatz, doch die Studienlage bleibt zwiespältig. Wir ordnen ein, was Kollagen kann und was Werbeversprechen bleibt.

Im April 2021 haben wir dir Glow/25 vorgestellt, als Kollagen gerade vom Nischenthema zum Beauty-Liebling wurde. Heute ist die Berliner Marke ein Phänomen mit dreistelligem Millionen-Umsatz und einer Community von zehntausenden Stammkundinnen. Höchste Zeit für einen ehrlichen Blick: Was macht Kollagen im Körper, was sagen die Studien und wo hört der Beweis auf und fängt das Marketing an?

Quick Fitting

  • Kollagen ist das häufigste Strukturprotein im Körper, ab etwa Mitte 20 baut die Eigenproduktion langsam ab.
  • Als Pulver oder Kapsel zerlegt der Körper Kollagen in Aminosäuren, ein direkter Transport in die Hautzellen ist nicht belegt.
  • Einzelne Studien zeigen kleine Effekte auf Faltentiefe und Elastizität, die Verbraucherzentrale stuft Schönheits-Werbeaussagen aber als unzulässig ein.
  • Glow/25 wurde 2021 in Berlin gegründet und gehört heute zu den größten Kollagen-Anbietern im DACH-Raum.
  • Wer es probiert, sollte es als mögliches Extra sehen, nicht als garantierten Jungbrunnen.
Kollagen als Nahrungsergänzung - Was steckt dahinter?

Kollagen ist kein Modewort, sondern Biochemie. Das Protein bildet das Gerüst, das Haut, Sehnen, Knorpel, Knochen und Bindegewebe zusammenhält und ihnen Festigkeit und Spannkraft gibt. Es besteht zu großen Teilen aus den Aminosäuren Glycin, Prolin, Hydroxyprolin und Arginin. Mit den Jahren produziert der Körper davon weniger: Schon ab Mitte 20 sinkt die Neubildung, und die Folgen werden Jahrzehnte später als feinere Linien und nachlassende Hautelastizität sichtbar. Genau an diesem Punkt setzt die Idee der Nahrungsergänzung an, dem Körper das Protein von außen zuzuführen.

Was im Körper wirklich passiert

Hier wird es ehrlich kompliziert. Wenn du Kollagen-Hydrolysat trinkst oder schluckst, landet kein fertiges Hautprotein in deinem Gesicht. Der Darm zerlegt es zuerst in kurze Aminosäureketten und einzelne Bausteine, die der Körper dann nach eigenem Bedarf verteilt, in Muskeln, Knochen, Bindegewebe oder eben in die Haut. Die gute Nachricht: Diese Bausteine werden nachweislich aufgenommen. Die unbequeme Nachricht: Ob sie gezielt in den Hautzellen ankommen und dort sichtbar für straffere Haut sorgen, ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.

Die Studienlage ist gemischt und das gehört zur Wahrheit dazu. Eine viel zitierte Untersuchung von Proksch und Kollegen aus dem Jahr 2014 fand nach zwölf Wochen täglicher Einnahme von Kollagenpeptiden eine messbare Verringerung der Faltentiefe und eine stärkere Hautmatrix. Andere Arbeiten deuten in eine ähnliche Richtung. Gleichzeitig betonen unabhängige Stellen wie die Verbraucherzentrale, dass viele dieser Effekte klein sind, häufig herstellernah finanziert wurden und die Frage offen bleibt, ob du den Unterschied mit bloßem Auge überhaupt erkennst.

Kollagen ist kein Jungbrunnen aus der Dose, aber auch kein reiner Marketing-Bluff. Die Wahrheit liegt im messbaren, aber bescheidenen Mittelfeld.

Rechtlich ist die Sache klar geregelt: Aussagen wie „für ein strafferes Hautbild“ oder „wirkt von innen heraus“ gelten als unzulässige gesundheitsbezogene Werbung für Lebensmittel. Hersteller dürfen so nicht werben, auch wenn solche Versprechen in Influencer-Posts immer wieder durchschimmern. Wer also einen garantierten Anti-Aging-Effekt erwartet, läuft Gefahr, enttäuscht zu werden. Wer es als unterstützendes Extra zu einer guten Ernährung sieht, geht entspannter an die Sache heran.

Glow/25: Vom Start-up zum Kollagen-Phänomen

Als wir 2021 über Glow/25 berichteten, war die Marke frisch gegründet. Inzwischen ist sie ein eigenes Kapitel im deutschen Beauty-Handel. Aus dem klassischen Direct-to-Consumer-Start auf der eigenen Plattform und über Marktplätze ist eine Marke mit hoher Wiederkaufrate und einer großen, loyalen Community geworden, die in der Branche längst als Vorzeigebeispiel für Kundenbindung gilt. Der Umsatz bewegt sich nach Branchenberichten im dreistelligen Millionenbereich.

Das Sortiment ist über die Jahre breiter geworden. Geblieben sind die beiden Klassiker, mit denen alles begann.

Pulver oder Kapsel: die beiden Klassiker

Das Kollagen-Pulver kommt als neutrales Hydrolysat, gewonnen aus zertifizierter Weidehaltung und Grasfütterung. Als Hydrolysat sind die Ketten bereits vorgespalten, was die Bioverfügbarkeit verbessert. In der Praxis rührst du ein bis zwei Esslöffel in Shake, Smoothie, Kaffee oder Suppe, der neutrale Geschmack macht das alltagstauglich. Die Kollagen-Kapseln sind die kompakte Alternative für unterwegs und kombinieren Kollagenpeptide mit Hyaluronsäure, Granatapfel-Extrakt und Vitamin C. Vitamin C ist dabei kein Zufall: Der Körper braucht es für die eigene Kollagen-Synthese. Empfohlen werden über den Tag verteilt einige Kapseln zu den Mahlzeiten.

Welche Variante besser passt, ist eine Frage des Alltags, nicht der Wirkung. Das Pulver ist günstiger pro Portion und flexibel dosierbar, die Kapseln punkten mit Bequemlichkeit. Beide ersetzen keine ausgewogene Ernährung, eiweißreiche Kost, ausreichend Schlaf und konsequenter Sonnenschutz bleiben die Basis für gesunde Haut. Wie du deine Haut von außen schützt, haben wir im Ratgeber zu Sonnencreme und UV-Schutz aufgeschlüsselt, und warum die Ernährung dabei mehr leistet als jedes Pulver, zeigt unser Beitrag Eat the Rainbow.

Lohnt sich das für dich?

Ehrliche Antwort: Es kommt darauf an, was du erwartest. Kollagen ist gut verträglich, die Bausteine werden aufgenommen, und einzelne Studien zeigen kleine positive Effekte auf Haut, Gelenke und Bindegewebe. Ein Wundermittel, das Falten verschwinden lässt, ist es nicht, und niemand darf das so versprechen. Wenn du neugierig bist und das Budget hast, kannst du es über einige Wochen testen und selbst beurteilen. Wer auf eindeutige Beweise wartet, wartet bei Kollagen noch eine Weile.

Kurz geklärt

Wirkt Kollagen aus Pulver oder Kapsel wirklich gegen Falten?

Die Bausteine werden vom Körper aufgenommen, das ist belegt. Ob sie sichtbar Falten reduzieren, ist umstritten. Einzelne Studien zeigen kleine Effekte, unabhängige Stellen wie die Verbraucherzentrale bewerten den Beweis als dünn. Schönheits-Werbeaussagen für Lebensmittel sind in Deutschland deshalb unzulässig.

Pulver oder Kapseln, was ist besser?

Beide liefern dieselben Kollagenpeptide. Das Pulver ist flexibel dosierbar und meist günstiger pro Portion, die Kapseln sind bequemer für unterwegs. Die Entscheidung ist eine Frage des Alltags, nicht der Wirkung.

Ab wann lässt die körpereigene Kollagen-Produktion nach?

Schon ab etwa Mitte 20 produziert der Körper langsam weniger Kollagen. Sichtbar wird das meist erst Jahre später durch feinere Linien und nachlassende Spannkraft der Haut.

Warum ist in den Kapseln auch Vitamin C?

Vitamin C ist ein notwendiger Baustein für die körpereigene Kollagen-Synthese. Die Kombination soll die natürliche Bildung unterstützen, deshalb taucht es in vielen Beauty-Präparaten als Begleitstoff auf.

Ist Glow/25 eine seriöse Marke?

Glow/25 wurde 2021 in Berlin gegründet und ist heute einer der größten Kollagen-Anbieter im deutschsprachigen Raum mit großer Stammkundschaft. Die Produkte sind verträglich, die Marketing-Versprechen rund um Schönheitseffekte solltest du wie bei allen Anbietern dieser Kategorie kritisch einordnen.

Bildquelle: youDRESSED / Glow/25 (Produktbild)
Weiterlesen

Mehr aus //STYLE

Spitzen-Kaschmir: Was der Faden verrät
//STYLE

Spitzen-Kaschmir: Was der Faden verrät

21. Juli 2026
Mystery Set: Fassung, die man nicht sieht
//STYLE

Mystery Set: Fassung, die man nicht sieht

20. Juli 2026
Rohdenim: Die Jeans, die sich an dich erinnert
//STYLE

Rohdenim: Die Jeans, die sich an dich erinnert

10. Juli 2026