
Kleiderschrank ausmisten: So leicht geht es
2020 haben wir dir gezeigt, wie du deinen Kleiderschrank ausmistest. Fünf Jahre und einen Greenpeace-Bericht später holen wir den Leitfaden zurück – und prüfen, was heute wirklich zählt.
Kleiderschrank ausmisten heißt nicht wegwerfen, sondern auswählen. Du sortierst nach Kategorie, behältst nur, was passt und dir gefällt, und gibst den Rest bewusst weiter – an Tauschbörse, Second-Hand-Laden oder eine seriöse Spende. Drei Schritte, ein freier Kopf am Morgen. Wir haben den Leitfaden von 2020 überprüft und an einem entscheidenden Punkt korrigiert.
- Blick zurück: Im April 2020 haben wir uns mit Kleiderschrank ausmisten beschäftigt und wagen hier einen neuen Blick darauf.
- Nach Kategorie stapeln (Hosen, Blusen, Röcke), damit du siehst, was du wirklich hast.
- Behalte, was passt und sitzt. Was du seit einem Jahr nicht getragen hast, trägst du auch in drei Jahren nicht.
- Weitergeben mit Plan: Tauschbörse, Second-Hand oder geprüfte Spendenstelle – nicht in den Restmüll.
- Eine Basis aus gut kombinierbaren Teilen schlägt einen vollen Schrank.
Im Frühjahr 2020 haben wir dir erklärt, wie das Ausmisten gelingt. Der Anlass ist geblieben, die Zahlen sind sogar deutlicher geworden. Eine Greenpeace-Umfrage zeigt: In deutschen Schränken hängen rund fünf Milliarden Kleidungsstücke, gut ein Drittel davon – etwa zwei Milliarden Teile – wird selten oder nie getragen. Pro Person sind das im Schnitt 90 Stücke, von denen rund 36 höchstens zweimal getragen werden. Nur knapp 40 Prozent landen regelmäßig am Körper. Das ist die Korrektur zu unserem alten Text, der die Verhältnisse noch andersherum las.
Der Schrank ist also voll, und trotzdem hast du nichts anzuziehen. Das liegt nicht an dir, sondern am System: schnelle Mode, niedrige Preise, ein neuer Trend alle paar Wochen. Greenpeace hat noch etwas Bemerkenswertes gemessen. Kleidung fliegt schneller raus als früher. Hosen werden heute fast doppelt so oft schon nach weniger als einem Jahr aussortiert wie 2015, bei Jacken und Mänteln hat sich der Anteil sogar vervierfacht. Ausmisten ist damit kein Aufräumtrick mehr, sondern die Gegenbewegung zu einem Konsum, der aus dem Takt geraten ist.
Schritt 1: Erst die Regeln, dann die Bügel
Der häufigste Fehler: einfach loslegen. Du stehst vor dem offenen Schrank, ziehst Teile raus, legst sie wieder zurück und nach einer Stunde sieht alles aus wie vorher, nur müde. Dreh die Reihenfolge um. Bevor du irgendetwas anfasst, legst du deine Kriterien fest.
Frag dich, welche Kleidung dein Leben wirklich verlangt. Wie viele Tage pro Woche arbeitest du im Büro, wie oft brauchst du etwas Festliches, wie viel Zeit verbringst du tatsächlich in Sportsachen? Daraus ergibt sich dein Bedarf – und der ist fast immer kleiner, als der Schrank glauben macht. Schreib drei, vier klare Regeln auf. Zum Beispiel: bleibt nur, was in den letzten zwölf Monaten an meinem Körper war, was ohne Zwicken sitzt und was sich mit mindestens zwei anderen Teilen kombinieren lässt. Jedes Stück muss später durch dieses Raster.
Schritt 2: Stapeln, entscheiden, weitergeben
Was wir heute nicht tragen, tragen wir auch in drei Jahren nicht. Diese eine Erkenntnis spart dir den halben Schrank.
Jetzt wird es körperlich. Räum den Schrank komplett aus und sortier nach Kategorie: ein Stapel Hosen, ein Stapel Blusen, einer für Röcke, einer für Strick. Erst wenn alles vor dir liegt, siehst du die Wahrheit – sieben fast identische schwarze Oberteile, drei Jeans, die seit Jahren auf den richtigen Moment warten. Diese Übersicht ist die halbe Arbeit.

Dann gehst du Stapel für Stapel durch dein Raster. Passt, sitzt, kombinierbar? Bleibt. Bei allem anderen sei ehrlich. Die zu klein gewordene Jeans, das Kleid mit Etikett, der Pulli, der kratzt – die kommen nicht zurück in den Schrank. Behalte, was dich freut, und lass den Rest gehen.
Wohin damit, ist die eigentliche Frage. In den Restmüll gehört tragbare Kleidung nie. Gut erhaltene Teile verkaufst du über eine Tauschbörse oder gibst sie ins Second-Hand-Geschäft, das schont deinen Geldbeutel und verlängert die Lebensdauer. Wer spenden möchte, sollte darauf achten, wo die Sachen wirklich ankommen – seriöse Sammelstellen statt anonymer Container am Straßenrand. Was wir früher Tauschbörsen genannt haben, ist heute ein eigener Markt. Wir haben uns angeschaut, was aus den beliebtesten Online-Tauschbörsen geworden ist.
Schritt 3: Die Basis, die alles trägt

Am Ende bleibt kein leerer Schrank, sondern ein klarer. Die meisten Basics besitzt du längst. Schwarz, Weiß und Grau lassen sich blind kombinieren, das ist ihre Stärke, nicht ihre Langeweile. Mit ein paar farbigen Akzenten und einzelnen guten Stücken steht jeden Morgen ein Outfit, ohne dass du suchst.
Wenn du nachkaufst, dann gezielt. Ein Fair-Fashion-Teil oder ein gutes Stück Second-Hand hält länger und sagt mehr über dich aus als zehn schnelle Käufe. Wer beim nachhaltigen Aufbau nicht weiß, wo anfangen, findet bei den Sneaker-Labels, die fair und lässig produzieren, einen guten Einstieg. Reduzieren heißt nicht verzichten. Es heißt, dass du am Morgen wieder weißt, was du anziehst.
Kurz geklärt
▸Wie oft sollte ich meinen Kleiderschrank ausmisten?
Zweimal im Jahr reicht, am besten zum Wechsel der Saison. Dann siehst du sofort, was du die letzte Saison nicht getragen hast, und triffst die Entscheidung mit frischem Blick. Wer einmal grundlegend reduziert hat, braucht später nur kurze Korrekturen.
▸Woran erkenne ich, ob ein Teil bleiben darf?
An drei Fragen: Habe ich es in den letzten zwölf Monaten getragen? Sitzt es, ohne dass ich daran ziehe oder es kaschiere? Lässt es sich mit mindestens zwei anderen Teilen kombinieren? Dreimal Ja heißt bleiben. Bei Zögern gilt: raus.
▸Wohin mit aussortierter Kleidung?
Gut erhaltene Teile über Tauschbörsen oder Second-Hand-Läden verkaufen, das spart Ressourcen und Geld. Spenden nur an geprüfte Stellen, nicht in anonyme Container. Kaputtes gehört in den Alttextil-Container, nicht in den Restmüll.
▸Wie viele Kleidungsstücke braucht man wirklich?
Eine feste Zahl gibt es nicht, aber Greenpeace nennt den Durchschnitt von 90 Teilen pro Person, von denen rund 36 kaum getragen werden. Eine durchdachte Basis aus gut kombinierbaren Teilen kommt mit deutlich weniger aus, als die meisten Schränke fassen.



