//STYLEMinimalistischer Kleiderstange mit Mode in neutralen Tönen vor heller Wand
6. September 2020 // 08:33 Uhr

Kaufen, verkaufen, tauschen – die beliebtesten online Mode-Tauschbörsen

InspiredByLuxury·Aus dem Archiv, neu aufgelegt

2020 haben wir dir die besten Mode-Tauschbörsen empfohlen. Fünf Jahre später trägt keine davon mehr ihren alten Namen. Wir ziehen Bilanz und sagen, wo du heute verkaufst.

Im September 2020 haben wir dir gezeigt, wo du deinen Kleiderschrank zu Geld machst: Kleiderkreisel, Mädchen Flohmarkt, Zadaa. Fünf Jahre später existiert keine dieser drei Plattformen mehr unter dem Namen, den wir damals empfohlen haben. Kleiderkreisel heißt heute Vinted und ist mit 19 Millionen Nutzern in Deutschland Marktführer. Mädchen Flohmarkt hat eine Insolvenz hinter sich. Zadaa wurde aufgekauft. Hier ist, wo du heute wirklich verkaufst, tauschst und kaufst, und worauf du dabei achten solltest.

Quick Fitting

  • Aus Kleiderkreisel wurde Ende 2020 Vinted. Heute die größte Secondhand-Plattform im deutschsprachigen Raum, für Privatverkäufer ohne Verkaufsgebühr.
  • Mädchen Flohmarkt ging 2023 in die Insolvenz und wird seither saniert. Die Verbraucherzentrale rät zur Vorsicht beim Verkaufen.
  • Zadaa wurde Anfang 2025 vom finnischen Start-up Bought übernommen und in dessen App überführt. Die alte Zadaa-Welt gibt es so nicht mehr.
  • Verkaufen lohnt sich finanziell selten als Hauptmotiv. Der eigentliche Gewinn liegt darin, dass ein gutes Stück weitergetragen statt weggeworfen wird.
  • Achte auf Gebührenstruktur, Käuferschutz und Bewertungen, bevor du dich auf eine Plattform festlegst.
Minimalistischer Kleiderstange mit Mode in neutralen Tönen vor heller Wand

Was aus Kleiderkreisel wurde: Vinted

Kleiderkreisel war 2020 der Klassiker, und genau das ist das Problem mit Empfehlungen aus dem Modebereich: Sie altern schnell. Schon im November 2020, wenige Wochen nach unserem ursprünglichen Beitrag, kündigte das Mutterunternehmen an, die deutschen Marken Kleiderkreisel und Mamikreisel im internationalen Namen Vinted aufgehen zu lassen. Die Marke Kleiderkreisel war 2009 in Deutschland gestartet, überall sonst lief dieselbe Community von Anfang an als Vinted. Profile, Bewertungen, Follower und Versandeinstellungen wurden für bestehende Nutzer übernommen, der Umzug lief schrittweise.

Der Mechanismus, den wir 2020 beschrieben haben, gilt im Kern weiter: Du legst ein Profil an, stellst deine Stücke mit Foto, Beschreibung und Wunschpreis ein, und verhandelst bei Bedarf. Was sich geändert hat, ist die Größenordnung. Vinted zählt heute rund 80 Millionen Mitglieder in 18 Märkten, Deutschland ist mit etwa 19 Millionen Nutzern der zweitgrößte Markt nach Frankreich. Für dich heißt das vor allem eines: Reichweite. Ein gut fotografiertes Stück findet hier schneller einen Käufer als irgendwo sonst.

Der wichtigste Unterschied zu Marktplätzen wie eBay: Für Privatverkäufer fallen bei Vinted keine Einstell- und keine Verkaufsgebühren an. Du behältst, was du einnimmst. Bezahlt wird über die Käuferseite. Käufer entrichten eine kleine Servicegebühr und einen Käuferschutz von rund fünf Prozent des Artikelpreises. Genau dieser Käuferschutz war zuletzt Gegenstand eines Rechtsstreits: Das Kammergericht Berlin untersagte Vinted, die kostenpflichtige Käuferschutzgebühr bei der Bestellung voreinzustellen. Seit März 2025 gibt es in Deutschland zudem einen Verkäuferschutz mit automatischem Versandschutz bis 100 Euro bei Verlust durch DHL, Hermes oder GLS.

Aus dem Klassiker von 2020 ist der Marktführer von heute geworden, nur unter anderem Namen. Wer Kleiderkreisel sucht, landet bei Vinted.

Mädchen Flohmarkt: einst Designer-Adresse, heute Vorsicht

Für Designerstücke und Vintageschätze war Mädchen Flohmarkt 2020 die feinere Adresse. Das Prinzip war kuratierter als bei der Masse: einstellen mit guten Fotos und Beschreibung, dazu eine Provision von zehn Prozent auf den Verkaufspreis. Wer keine Lust auf das Selbsteinstellen hatte, konnte den Concierge Service nutzen, der gegen 40 Prozent des Verkaufspreises die Arbeit übernahm. Das Versprechen: handverlesene Secondhand-Mode statt Wühltisch.

Dieses Versprechen hat gelitten. Im Sommer 2023 meldete Mädchen Flohmarkt nach über 15 Jahren am Markt Insolvenz an, das Amtsgericht Stuttgart eröffnete das Verfahren zum 1. August 2023. Über 37.000 Gläubiger standen auf der Liste, viele davon Privatverkäufer, die auf ihr Geld warteten. Die MFG Recommerce GmbH übernahm den Betrieb im Zuge der Sanierung, Co-Gründerin Maria Spilka verließ das Unternehmen nach 13 Jahren. Die Plattform existiert weiter, doch die Verbraucherzentrale verzeichnete auch nach der Übernahme erneut Beschwerden und rät dazu, dort mit Bedacht zu verkaufen. Wenn du ein wertvolles Designerstück loswerden willst, prüfe vorher genau, wie die Auszahlung aktuell geregelt ist.

Zadaa: vom Newcomer zum Übernahmekandidaten

Zadaa war 2020 der frische Wind aus Skandinavien. Die App vernetzte Modeliebhaber nach Kleidergröße und Stil, das Verkaufen lief unkompliziert über Foto und Wunschpreis. Rund 500.000 Nutzer in Finnland, Dänemark und Deutschland kamen zusammen. Im Wachstum gegen die großen Player tat sich Zadaa allerdings schwer. Anfang 2025 übernahm das finnische Start-up Bought das Unternehmen und überführte die Zadaa-Welt in seine eigene App. Bestehende Profile und Angebote lassen sich mit wenigen Klicks übertragen. Als eigenständige Marke, wie wir sie 2020 vorgestellt haben, ist Zadaa damit Geschichte.

Was wir aus fünf Jahren gelernt haben

Die eigentliche Lektion liegt nicht im Plattform-Karussell, sondern in der Erwartung. Wer Secondhand-Verkauf als verlässliche Geldquelle plant, wird selten glücklich. Der Markt ist hart umkämpft, die erzielbaren Preise sind oft niedriger als gehofft, und der Aufwand fürs Fotografieren, Beschreiben und Verschicken ist real. Der bessere Grund, mitzumachen, ist ein anderer: Ein gutes Stück verdient ein zweites Leben statt eines Platzes im Müll. Mode ist Haltung, nicht Wegwerfware.

Praktisch heißt das: Setze auf eine Plattform mit Reichweite und sauberem Käuferschutz, fotografiere ehrlich und bei Tageslicht, und beschreibe Mängel offen. Achte auf die Bewertungen deines Gegenübers, sie sagen mehr über einen reibungslosen Handel aus als jedes Profilbild. Und kalkuliere die Gebührenstruktur ein, bevor du den Preis festlegst. Dann macht das Ausmisten Freude, statt sich nach Arbeit anzufühlen.

Kurz geklärt

Gibt es Kleiderkreisel noch?

Nicht mehr unter diesem Namen. Ende 2020 wurde Kleiderkreisel in die internationale Marke Vinted überführt. Bestehende Konten, Bewertungen und Follower wurden übernommen. Wer früher Kleiderkreisel genutzt hat, findet seine Welt heute bei Vinted wieder.

Welche Plattform lohnt sich heute am ehesten?

Für die meisten Privatverkäufer ist Vinted die erste Wahl, weil die Reichweite am größten ist und für Verkäufer keine Einstell- oder Verkaufsgebühren anfallen. Bei Designerstücken kann sich ein spezialisierter Anbieter lohnen, dann aber mit Blick auf die aktuelle Gebühren- und Auszahlungslage.

Kann ich mit Secondhand-Verkauf wirklich Geld verdienen?

Etwas, ja. Reich wird man dabei nicht. Die erzielbaren Preise liegen oft unter dem Wunschwert, und Fotografieren, Beschreiben und Versenden kosten Zeit. Der größere Gewinn ist nachhaltiger: Du gibst guter Mode ein zweites Leben und entlastest deinen Schrank.

Worauf sollte ich beim Verkaufen achten?

Auf drei Dinge: die Gebührenstruktur der Plattform, einen funktionierenden Käufer- und Verkäuferschutz und die Bewertungen deines Handelspartners. Gute Fotos bei Tageslicht und eine ehrliche Beschreibung inklusive Mängeln ersparen dir Ärger und Rücksendungen.

Wer den Schrank ausmistet, denkt selten nur ans Geld. Mehr dazu, wie sich ein bewussterer Alltag ohne Verzicht gestalten lässt, liest du in unserem Beitrag So gestaltest du deinen Alltag ein Stück nachhaltiger. Und wenn du wissen willst, wie weit nachhaltige Mode handwerklich gehen kann, lohnt der Blick auf nachhaltige Luxus-Jeans und die Ansätze hinter modernem Denim.

Bildquelle: Pexels / Kaboompics
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