//LIVINGHuawei P30 - Lifestyle & Performance in einem Smartphone
26. März 2019 // 13:35 Uhr

Huawei P30 – Lifestyle & Performance in einem Smartphone

InspiredByLuxury·Aus dem Archiv, neu aufgelegt

Im Frühjahr 2019 standen wir beim Pariser Launch mit dem Huawei P30 Pro in der Hand und schrieben über die beste Smartphone-Kamera ihrer Zeit. Sieben Wochen später kappten die USA Huawei den Zugang zu Google. Was wurde aus dem Hoffnungsträger und aus Huawei?

Das Huawei P30 Pro war im März 2019 das beste Foto-Smartphone, das du kaufen konntest. Wir hatten es beim Launch in Paris in der Hand, der fünffache optische Zoom und die Nachtaufnahmen waren konkurrenzlos. Sieben Wochen später setzte die US-Regierung Huawei auf die Entity List, und der Zugang zu Google, Android-Updates und westlicher Chiptechnik war weg. Dieser Rückblick erzählt, warum genau dieses Gerät zum Wendepunkt wurde und wo Huawei heute steht.

Grundriss

  • Das P30 Pro war 2019 Kamera-Maßstab: 40-MP-Hauptsensor, 20-MP-Ultraweitwinkel, Periskop-Tele mit fünffachem optischem Zoom und Leica-Optik.
  • Es kam am 26. März 2019 auf den Markt, knapp vor dem US-Bann am 15. Mai 2019, und behielt deshalb als eines der letzten Huawei-Flaggschiffe die vollen Google-Dienste.
  • Das Mate 30 Pro im September 2019 war das erste Huawei-Flaggschiff ganz ohne Google-Apps, der Verkauf im Westen brach ein.
  • Mit dem Mate 60 Pro und einem in China gefertigten Kirin-Chip meldete sich Huawei 2023 zurück, in China steht die Marke wieder ganz vorn.
  • HarmonyOS hat Apples iOS auf dem chinesischen Markt überholt, global bleibt das eigene Betriebssystem mit einstelligem Marktanteil aber ein Nischenspieler.

Warum das P30 Pro 2019 jede Kamera abhängte

Drei Kameras beim P30, vier beim P30 Pro, alle mit Leica-Optik abgestimmt: Das war 2019 ein Statement. Die Hauptkamera löste mit 40 Megapixeln auf und sammelte über einen ungewöhnlichen RYYB-Farbfilter deutlich mehr Licht als die üblichen Sensoren. Daneben saß ein 20-MP-Ultraweitwinkel für ganze Bergketten oder die komplette Reisegruppe in einem Bild.

Das eigentliche Highlight steckte im rechteckigen Loch auf der Rückseite. Über ein Periskop-System lenkte ein Prisma das Licht um, dadurch passte ein langes Teleobjektiv in das flache Gehäuse. Ergebnis: fünffacher optischer Zoom ohne Qualitätsverlust, hybrid bis zum Zehnfachen, digital noch weiter. Während andere Smartphones beim Heranzoomen einfach das Bild beschnitten und matschig wurden, holte das P30 Pro echte Details aus der Ferne. Genau das machte den Unterschied.

Bei Nacht spielte das Gerät seine zweite Stärke aus. Der lichtstarke Sensor und der dedizierte Nachtmodus zogen Bilder aus Situationen, in denen die Konkurrenz nur Rauschen lieferte. Das P30 Pro hatte einen 4.200-mAh-Akku, ein 6,47-Zoll-OLED-Display und einen Fingerabdrucksensor unter dem Glas. Die Preise lagen bei 749 Euro für das P30, 999 Euro für das P30 Pro mit 128 GB und 1.099 Euro für die 256-GB-Variante.

Das P30 Pro war technisch der Höhepunkt von Huawei im Westen. Es war zugleich der letzte unbeschwerte Auftritt der Marke vor dem politischen Schnitt.

Sieben Wochen bis zum Schnitt: der US-Bann

Am 15. Mai 2019 setzte die US-Regierung Huawei auf die sogenannte Entity List. Damit durften amerikanische Firmen ohne Sondergenehmigung keine Geschäfte mehr mit Huawei machen. Für ein Smartphone-Unternehmen war das ein Schlag ins Herz: kein Android mit Google-Diensten, kein Play Store, keine Updates über Google, dazu Probleme mit Chips von Qualcomm und anderen US-Zulieferern.

Das Timing war für das P30 Pro fast schon ironisch. Weil es am 26. März 2019 und damit vor dem Stichtag erschien, behielt es die volle Google-Ausstattung. Bestandsgeräte liefen weiter, Sicherheits-Patches kamen noch eine Weile. Käuferinnen und Käufer des P30 mussten also kurzfristig nichts fürchten. Das Gerät wurde so zu einem der letzten Huawei-Flaggschiffe mit vollem Google-Komfort.

Der Bruch kam mit dem nächsten Modell. Das Mate 30 Pro startete im September 2019 als erstes echtes Huawei-Spitzenmodell komplett ohne Google-Apps. Wer Maps, Gmail oder den Play Store wollte, musste basteln oder verzichten. Im Westen wollten das die wenigsten. Huawei legte 2019 und 2020 noch neue Farben und eine günstigere P30 Pro New Edition nach, aber das war Pflege am Bestand, kein Neustart. Die Verkäufe außerhalb Chinas brachen ein, und Huawei verschwand fast vollständig aus den europäischen Bestsellerlisten.

Der lange Weg zurück: Kirin, Mate 60 und HarmonyOS

Statt aufzugeben, baute Huawei sein eigenes Ökosystem auf. Aus den Resten der Android-Basis entstand HarmonyOS, parallel investierte das Unternehmen massiv in eigene Chips. Lange hieß es, ohne moderne Fertigung über den niederländischen Maschinenbauer ASML und den taiwanischen Auftragsfertiger TSMC sei kein konkurrenzfähiger Prozessor möglich.

2023 kam die Überraschung. Das Mate 60 Pro startete in China mit einem Kirin-9000S-Chip, gefertigt vom chinesischen Hersteller SMIC in einem 7-Nanometer-Prozess und ohne US-Technik. Technisch lag der Chip hinter dem, was Apple und Qualcomm mit 3- und 4-Nanometer-Fertigung boten, aber er funktionierte und er war chinesisch. In China wurde das als Befreiungsschlag gefeiert, die Mate-60-Reihe verkaufte sich laut Branchenberichten über 1,6 Millionen Mal in den ersten sechs Wochen.

Im Oktober 2024 zog Huawei mit HarmonyOS NEXT nach, einer Version ganz ohne Android-Unterbau. Auf dem Heimatmarkt zahlt sich das aus: Huawei eroberte Ende 2024 wieder die Spitzenposition in China, und HarmonyOS überholte Apples iOS dort über mehrere Quartale hinweg. Global sieht die Lage anders aus. Weltweit kommt HarmonyOS nur auf einen einstelligen Marktanteil, Android und iOS teilen den Rest fast komplett unter sich auf. Huawei ist in China zurück, aber nicht in deinem deutschen Mobilfunkladen.

Was bleibt vom P30 Pro

Rückblickend war das P30 Pro mehr als ein gutes Foto-Smartphone. Es markierte den Moment, in dem ein Hersteller technisch ganz oben stand und kurz darauf von der Geopolitik abgeschnitten wurde. Die Periskop-Kamera, die das P30 Pro populär machte, ist heute Standard in den Tele-Modulen von Samsung, Apple und vielen anderen. Die Idee hat überlebt, auch wenn die Marke im Westen ins Abseits geriet.

Wenn du heute auf der Suche nach einem Premium-Smartphone bist, fällt Huawei in Deutschland faktisch raus, einfach weil Google-Dienste fehlen. Spannend bleibt die Geschichte trotzdem, weil sie zeigt, wie schnell ein Spitzenprodukt zum Sammlerstück werden kann, sobald Politik und Technik aufeinandertreffen. Wer 2019 ein P30 Pro kaufte, hielt ein kleines Stück Zeitgeschichte in der Hand.

Huawei P30 Pro Rückseite mit Leica-Vierfachkamera und Periskop-Teleobjektiv
Die Vierfachkamera des P30 Pro mit Periskop-Zoom war 2019 das Verkaufsargument.

Kurz geklärt

Hat das Huawei P30 Pro noch Google-Dienste?

Ja. Weil das P30 Pro am 26. März 2019 und damit vor dem US-Bann vom 15. Mai 2019 auf den Markt kam, behielt es die volle Google-Ausstattung mit Play Store und Android-Updates. Erst das Mate 30 Pro ab September 2019 startete ohne Google-Apps.

Warum durfte Huawei kein Android mehr nutzen?

Die US-Regierung setzte Huawei am 15. Mai 2019 auf die Entity List. Damit durften US-Firmen wie Google ohne Sondergenehmigung keine Geschäfte mehr mit Huawei machen. Die offene Basis von Android blieb nutzbar, die Google-Dienste obendrauf fielen weg.

Ist Huawei bei Smartphones wieder zurück?

In China ja. Mit dem Mate 60 Pro und einem selbst entwickelten Kirin-Chip eroberte Huawei Ende 2024 wieder die Spitze des Heimatmarkts, HarmonyOS überholte dort iOS. Weltweit bleibt das eigene Betriebssystem mit einstelligem Marktanteil aber ein Nischenangebot, in Deutschland sind die Geräte ohne Google kaum eine Alternative.

War der fünffache Zoom des P30 Pro echt oder nur Software?

Echt. Das P30 Pro nutzte ein Periskop-Teleobjektiv, bei dem ein Prisma das Licht im Gehäuse umlenkt. So passte eine lange Brennweite in das flache Smartphone und lieferte fünffachen optischen Zoom ohne Qualitätsverlust. Erst die noch stärkeren Stufen waren hybrid oder digital.

Mehr aus der Welt der Premium-Gadgets: Lies, wie sich das OnePlus 8 vom Einsteiger zur Premium-Marke entwickelte oder wie das Honor View 20 als Design-Smartphone Huaweis frühere Schwestermarke positionierte.

Bildquelle: youDressed Archiv
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