
OnePlus 8 – Vom Einsteiger-Smartphone zur Premium Kult-Brand
2020 feierten wir das OnePlus 8 als Beweis, dass aus dem Underdog eine Kult-Marke geworden war. Wir haben uns angeschaut, was aus diesem Versprechen wurde.
Als das OnePlus 8 im April 2020 für 699 Euro auf den Markt kam, lasen wir es als Schlusspunkt einer Aufholjagd: aus dem Anbieter günstiger Top-Hardware war eine Marke mit eigener Anhängerschaft geworden. Fünf Jahre später lässt sich das Versprechen ehrlich prüfen. Das Gerät war stark. Die Marke dahinter hat seitdem einen Weg genommen, den damals kaum jemand kommen sah.
- OnePlus 8: Snapdragon 865, 6,55-Zoll-AMOLED, 4.300-mAh-Akku, Start 699 Euro im April 2020.
- Kamera realistisch: 48-MP-Hauptsensor, 16-MP-Ultraweitwinkel, 2-MP-Makro. Kein Teleobjektiv, das gab es nur im 8 Pro.
- Das große Versprechen war die Marke, nicht das Datenblatt: Underdog wird Premium.
- 2021 wurde OnePlus offiziell zur OPPO-Submarke, die Eigenständigkeit verschwand schrittweise.
- 2026 baut OnePlus das internationale Geschäft zurück und konzentriert sich auf China.

Was das OnePlus 8 damals richtig machte
Matt-glänzend schwarz, in Glacial Green oder im schimmernden Interstellar Glow: das OnePlus 8 sah teurer aus, als es war. Die Glasrückseite, die abgerundeten Kanten und die fast randlosen Displaykanten machten ein Gerät, das in der Hand nach Oberklasse griff. Das 6,55-Zoll-AMOLED-Display löste mit 2.400 x 1.080 Pixeln auf, lief mit 90 Hertz und wurde von DisplayMate mit der Bestnote A+ bewertet. In direkter Sonne hielt es Kontraste, wo günstigere Smartphones abbauten.
Unter der Haube steckte der Snapdragon 865, dazu 8 oder 12 Gigabyte RAM und 128 oder 256 Gigabyte Speicher. Spiele, Multitasking, 4K-Videoschnitt: das Gerät kam nicht ins Schwitzen. Der 4.300-mAh-Akku war auf dem Papier durchschnittlich, hielt aber länger als Konkurrenten mit größeren Zellen, und das Warp-Charge-30T-Netzteil füllte ihn in gut einer Stunde von null auf hundert. 5G und Wi-Fi 6 waren 2020 noch kein Standard, hier aber bereits an Bord.
Das OnePlus 8 verkaufte kein Datenblatt, es verkaufte ein Gefühl von Zugehörigkeit. Genau das war 2020 sein größter Trick und seine größte Schwäche zugleich.
Die Kamera: das, was wir damals zu optimistisch gelesen haben
Hier braucht es eine Korrektur an der eigenen Begeisterung von 2020. Das OnePlus 8 hatte drei rückwärtige Sensoren, aber kein Teleobjektiv: einen 48-MP-Hauptsensor auf Sony-IMX586-Basis, einen 16-MP-Ultraweitwinkel mit 116-Grad-Sichtfeld und ein 2-MP-Makro, das in der Praxis kaum jemand vermisste, weil es kaum jemand nutzte. Den dreifachen optischen und den weitreichenden Hybridzoom gab es nur im teureren OnePlus 8 Pro. Wer mit dem 8 fotografierte, bekam bei Tageslicht sehr gute Bilder und nachts ordentliche, kam aber an die Kameraspitze von Samsung und Apple jener Generation nicht heran.
Videos nahm das Gerät in bis zu 4K mit 60 Bildern pro Sekunde auf, die Frontkamera löste mit 16 MP auf. Für den Alltag reichte das mehr als gut. Die Lücke zum Pro-Modell war genau der Punkt, an dem OnePlus seine Premium-Erzählung von der tatsächlichen Hardware trennte.
Ladezeit, Speicher und Anschluss
Bei der Ausdauer setzte OnePlus auf das eigene Warp-Charge-System statt auf kabelloses Laden, das beim 8 fehlte und für ein Gerät dieser Preisklasse 2020 durchaus auffiel. Dafür war der Akku in gut einer Stunde wieder voll, was im Alltag mehr wert ist als die letzten Prozent Kapazität. Der Speicher ließ sich nicht per Karte erweitern, mit 128 oder 256 Gigabyte ab Werk vermisste man den Slot in der Praxis aber selten.
Beim Funk war das OnePlus 8 seiner Zeit voraus: 5G war 2020 in Deutschland gerade im Aufbau, Wi-Fi 6 in den wenigsten Haushalten angekommen. Beides war hier bereits an Bord. Wer das Gerät kaufte, zahlte also auch für Zukunftssicherheit, die sich erst über die folgenden Jahre auszahlte. Genau dieses Argument trug die Premium-Erzählung der Marke: nicht das billigste Smartphone, aber eines, das mehr Jahre durchhalten sollte.
Vom Flaggschiff-Killer zur Submarke
Das eigentliche Versprechen des OnePlus 8 war nie nur Technik. Es war die Idee einer Marke, die mit dem Motto Never Settle eine treue Community aufgebaut hatte, die nicht mehr zur Konkurrenz wechselt. 2020 schien dieser Plan aufzugehen. Was dann kam, war eine andere Geschichte. 2021 wurde OnePlus offiziell zur Submarke von OPPO, Entwicklung, Logistik und Service wurden zusammengelegt. OxygenOS, das schlanke Betriebssystem, das die Fanbasis liebte, näherte sich technisch immer stärker dem ColorOS des Mutterkonzerns an.
2025 verlor OnePlus in Indien laut Marktbeobachtern rund 30 Prozent Marktanteil im Jahresvergleich, während andere Hersteller im Premiumsegment zulegten. In China dagegen legte die Marke im selben Jahr deutlich zu, ein Hinweis darauf, wohin der Schwerpunkt sich verschob. Anfang 2026 kamen Berichte auf, wonach OnePlus sein internationales Geschäft ab dem Frühjahr zurückfährt und sich auf den chinesischen Markt konzentriert. Aus der globalen Kult-Marke, die wir 2020 gefeiert haben, wurde ein Akteur, der sich auf seinen Heimatmarkt zurückzieht.
Das OnePlus 8 bleibt davon unberührt ein gutes Gerät seiner Zeit. Wer es noch nutzt, hat ein solides Smartphone in der Hand. Die Lehre liegt woanders: Eine Marke lässt sich schneller aufbauen als halten. Das Versprechen Never Settle hat OnePlus an seine eigenen Kunden nicht eingelöst.
Kurz geklärt
▸Hatte das OnePlus 8 ein Teleobjektiv?
Nein. Das OnePlus 8 hatte einen 48-MP-Hauptsensor, einen 16-MP-Ultraweitwinkel und ein 2-MP-Makro. Den dreifachen optischen Zoom gab es ausschließlich im teureren OnePlus 8 Pro.
▸Was hat das OnePlus 8 bei Marktstart gekostet?
699 Euro für die Variante mit 8 Gigabyte RAM und 128 Gigabyte Speicher, 799 Euro für die größere Ausstattung mit 12 Gigabyte RAM und 256 Gigabyte Speicher. Marktstart war April 2020.
▸Ist OnePlus noch eine eigenständige Marke?
Seit 2021 ist OnePlus offiziell eine Submarke von OPPO. 2026 wurde berichtet, dass das internationale Geschäft zurückgefahren wird und der Fokus auf China liegt. Die Eigenständigkeit, die das Gerät 2020 verkaufte, gibt es so nicht mehr.
▸Lohnt sich das OnePlus 8 heute noch?
Als Zweitgerät oder Einstieg ja, für wenig Geld auf dem Gebrauchtmarkt. Der Snapdragon 865 trägt den Alltag weiterhin, beim Software-Support solltest du den aktuellen Stand prüfen, bevor du zugreifst.
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