//LIVINGRostroter Samtsofa vor moosgruener Wand mit Messinglampe, anti-minimalistisches Wohn-Setting im Geist von Gucci Decor
19. Oktober 2017 // 14:25 Uhr

Kleide deine Wohnung in Luxus: Die neue Gucci Living Kollektion

InspiredByLuxury·Aus dem Archiv, neu aufgelegt

Im Herbst 2017 zog Gucci mit der Decor-Kollektion in die Wohnzimmer ein: Samtsessel mit Tierprints, Porzellan von Richard Ginori, Duftkerzen in vier Noten. Wir haben damals berichtet und ziehen jetzt Bilanz, was aus dem mutigsten Wohn-Experiment der Maison geworden ist.

Im Herbst 2017 hat Gucci angefangen, nicht nur seine Trägerinnen einzukleiden, sondern auch deren Wohnungen. Gucci Décor hieß die Kollektion, mit der Alessandro Michele Samtsessel, Porzellan und Duftkerzen in die Maison holte. Wir haben damals darüber geschrieben. Heute, fast acht Jahre später, lohnt der zweite Blick: Die Linie gibt es bei Gucci immer noch, der Designer dahinter ist längst woanders, und der Geschmack, den Décor damals vorweggenommen hat, ist heute Mainstream. Hier ist, was geblieben ist.

Grundriss

  • Gucci Décor startete im September 2017 als erste eigene Wohn-Linie der Maison, kuratiert von Alessandro Michele.
  • Das Porzellan kommt von Richard Ginori, der Florentiner Manufaktur von 1735, die Gucci 2013 übernommen hat.
  • Statt Minimalismus: Tierprints, Samt, Jacquard, vier eigene Duftnoten. Bewusst gegen den Strich gebürstet.
  • Michele ist 2022 gegangen, nach ihm kamen Sabato De Sarno und seit Juli 2025 Demna. Die Décor-Linie hat alle drei überlebt.
Rostroter Samtsofa vor moosgruener Wand mit Messinglampe, anti-minimalistisches Wohn-Setting im Geist von Gucci Decor

Akzente statt Einheitslook: Was Gucci Décor 2017 war

Die Idee war so simpel wie radikal: Was Michele mit der Mode gemacht hatte, sollte auch fürs Zuhause gelten. Keine durchgestylte Suite von der Stange, sondern einzelne Stücke, die man dazustellt. Ein Polstersessel mit Blumenmuster und silbernen Details. Metallstühle, deren Polster Motten, Bienen und Katzen zeigen. Kissen mit Quasten, vorne Samt mit Tierprint, hinten Jacquard. Es ging nie darum, ein Zimmer komplett in Gucci zu hüllen. Es ging um den einen Gegenstand, der den Rest interessant macht.

Das war 2017 eine Ansage. Der Wohntrend hieß damals skandinavisch, hell, reduziert, am liebsten ein Sofa in Greige und ein Eichentisch dazu. Michele stellte sich quer. Tapeten mit dichtem Flora-und-Fauna-Dekor, Wandschirme, dunkle Farben, Muster auf Muster. Décor war nicht als guter Geschmack im Sinne der Wohnzeitschriften gedacht, sondern als Haltung. Die Stücke bekamen in den Boutiquen nicht einmal eine eigene Verkaufsfläche, sondern standen zwischen den Kleiderständern. Genau so wollte Michele es: Wohnen ist eine weitere Art, sich in Gucci zu kleiden.

Wer es leiser mochte, fand die kleineren Stücke: Geschirr, Kerzenständer, Räucherstäbchenhalter und Duftkerzen in vier eigens entwickelten Noten. Die Holzstühle der Linie brauchten in der Fertigung rund zehn Stunden pro Exemplar. Das ist der Punkt, den man bei einem Modehaus, das Wohnaccessoires verkauft, leicht übersieht: Hier stand echtes Handwerk dahinter, kein aufgedrucktes Logo auf Importware. Eine Kerze ist schnell verkauft, ein Stuhl, an dem jemand zehn Stunden arbeitet, ist eine andere Aussage.

Das Herzstück war das Porzellan. Es kommt nicht aus irgendeiner Lizenzfabrik, sondern von Richard Ginori, gegründet 1735 in Doccia bei Florenz. Marchese Carlo Andrea Ginori legte den Grundstein, und die Manufaktur überstand fast drei Jahrhunderte, bevor sie 2013 in die Insolvenz rutschte. Gucci war das einzige Unternehmen, das ein ernsthaftes Angebot machte: rund 13 Millionen Euro, dazu die Zusage, den Großteil der mehr als 300 Beschäftigten zu halten. Michele wurde dort künstlerischer Leiter und legte Archiv-Dekore neu auf, ein zweiter Job neben der Mode.

Das ist mehr als eine Fußnote. Es erklärt, warum Décor nie nach Merchandising aussah. Wenn du einen Gucci-Teller in der Hand hältst, hältst du fast 300 Jahre Florentiner Porzellangeschichte, weiterverarbeitet in derselben Manufaktur, die schon für europäische Höfe gebrannt hat. Das ist der Unterschied zwischen einem Möbel-Logo und einer Manufaktur. Und es ist der Grund, warum die Décor-Keramik bis heute zu den glaubwürdigsten Stücken der ganzen Linie zählt.

Gucci Décor war nie als Komplett-Look gedacht, sondern als der eine Gegenstand, der ein Zimmer kippen lässt. Genau das macht ihn bis heute brauchbar.

Was wurde aus Gucci Décor?

Die kurze Antwort: Es gibt die Linie noch. Auf gucci.com findest du weiterhin Kerzen, Tabletts, Kissen, Geschirr und Decken unter dem Décor-Label. Die lange Antwort ist interessanter, weil sich rundherum fast alles verändert hat.

Alessandro Michele, der Mann hinter dem ganzen Konzept, hat Gucci Ende 2022 verlassen. Heute verantwortet er die Kreativrichtung bei Valentino. Auf ihn folgte Sabato De Sarno, der die Maison auf ruhigere, cleanere Linie trimmte und damit das maximalistische Erbe seines Vorgängers bewusst zurückfuhr. De Sarno blieb nicht lange: Anfang 2025 verließ er das Haus, noch vor seiner geplanten Show in Mailand. Seit Juli 2025 führt Demna die Kreativrichtung, der zuvor Balenciaga geprägt hatte. Seine erste Gucci-Kampagne mit dem Titel La Famiglia lief Anfang 2026.

Drei Handschriften in weniger als vier Jahren, und Décor hat alle überstanden. Das sagt mehr über die Idee als jede Verkaufszahl: Ein einzelnes, mutiges Wohn-Stück ist offenbar krisenfester als eine komplette Designsprache. Was Michele 2017 als Spielerei am Rand der Boutique startete, ohne eigene Verkaufsfläche, verteilt zwischen den Kleiderständern, ist die ruhige Konstante geblieben.

Wie du den Décor-Look nach Hause holst

Du musst keinen Gucci-Sessel kaufen, um den Gedanken dahinter zu verstehen. Der Décor-Look funktioniert über drei Hebel. Erstens: Samt in einer satten Farbe, Rostrot, Flaschengrün, Petrol. Eine einzige Polsterfläche reicht, um einen Raum aus dem Beige-Koma zu holen. Der Kontrast zwischen warmem Samt und einer dunklen Wandfarbe macht die halbe Arbeit. Zweitens: ein Tierprint oder ein floraler Jacquard als Kissen oder Bezug, sparsam dosiert, ein Stück, nicht fünf. Der Fehler, den die meisten machen, ist die Menge. Décor war nie laut durch Masse, sondern durch ein einzelnes lautes Stück in einer ruhigen Umgebung. Drittens: ein Duft. Die Idee, einen Raum über eine Kerze zu definieren, war 2017 noch nicht selbstverständlich, heute ist sie es.

Der Reiz dieser Methode: Sie kostet einen Bruchteil und trifft denselben Nerv. Ein gut gewählter Samtsessel vom Vintage-Händler, eine Kerze mit Charakter, ein Teller, der eine Geschichte hat, ergeben dasselbe Gefühl wie die Boutique-Version, nur ohne die vierstellige Rechnung. Décor hat nie behauptet, dass man das Original braucht. Es hat eine Erlaubnis ausgesprochen: Du darfst dein Zuhause interessant machen, statt es nur aufzuräumen.

Spannend ist, dass der Geschmack Michele recht gegeben hat. Der bewusst überladene, gemischte Look, den Décor vorwegnahm, ist als Eklektizismus zum Wohntrend geworden. Was 2017 als typisch Michele galt, steht heute in jedem zweiten Interior-Feed. Und selbst die Gegenbewegung, das Apartment, das nichts beweisen muss, lebt vom selben Prinzip: ein einziges starkes Stück statt zehn beliebiger. Décor war früh dran. Das ist die eigentliche Pointe dieser Kollektion.

Kurz geklärt

Gibt es Gucci Décor heute noch zu kaufen?

Ja. Die Décor-Linie ist weiterhin Teil des Sortiments und über gucci.com sowie ausgewählte Boutiquen erhältlich. Das Angebot umfasst unter anderem Duftkerzen, Tabletts, Kissen, Geschirr und Decken. Einzelne Stücke aus der ersten 2017er-Kollektion sind heute Sammlerware.

Wer hat Gucci Décor entworfen und wer führt Gucci heute?

Die Linie geht auf Alessandro Michele zurück, der Gucci von 2015 bis Ende 2022 leitete. Nach ihm übernahm Sabato De Sarno, der das Haus Anfang 2025 verließ. Seit Juli 2025 verantwortet Demna die Kreativrichtung. Michele arbeitet heute für Valentino.

Woher kommt das Gucci-Porzellan?

Von Richard Ginori, einer Porzellanmanufaktur, die 1735 in Doccia bei Florenz gegründet wurde. Gucci hat das insolvente Unternehmen 2013 übernommen und in die Kering-Gruppe eingegliedert. Das ist der Grund, warum die Décor-Keramik handwerklich auf einem anderen Niveau steht als typische Modehaus-Lizenzware.

Bildquelle: Pexels / Lisett Kruusimäe
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