
Bold & Beautiful: Die besten Looks der Met Gala
Im Corona-Jahr 2020 fiel die Met Gala aus, und wir haben damals an die wildesten Auftritte des Jahres davor erinnert. Sechs Jahre später läuft das Spektakel längst wieder die Treppe hoch. Zeit für eine ehrliche Bilanz: Welche Looks von 2019 haben gehalten?
Die drei Looks, die von der Camp-Met-Gala 2019 wirklich geblieben sind, kommen von Billy Porter, Lady Gaga und Jared Leto. Im Mai 2020 fiel das Original-Spektakel der Pandemie zum Opfer und wich auf einen Vogue-Livestream aus. Wir haben damals zurückgeschaut. Heute, nach der Ausgabe vom 4. Mai 2026 unter dem Motto „Costume Art“, lässt sich sagen, welche Auftritte den Test der Zeit bestanden haben und welche eher der Moment trug. Das ist unsere Bilanz.
- Die Met Gala steigt am ersten Montag im Mai im Metropolitan Museum of Art in New York. 2020 wurde sie wegen Corona abgesagt, 2026 lief sie unter „Costume Art“ wieder.
- Das Jahr 2019 stand unter dem Motto „Camp: Notes on Fashion“, angelehnt an Susan Sontags Essay von 1964. Camp heißt: bewusst zu viel, mit einem Augenzwinkern.
- Billy Porter kam in einem goldenen Catsuit, getragen auf einer Sänfte von sechs Männern. Der Auftritt, nicht seine Oscar-Robe, ist das Bild, das geblieben ist.
- Lady Gaga zog sich auf dem Teppich durch vier Looks von Brandon Maxwell. Jared Leto trug eine Nachbildung seines eigenen Kopfes von Gucci.
- Was wir mitnehmen: Camp war kein Kostümfest, sondern der Moment, in dem die Männermode auf dem roten Teppich endgültig die Regeln verlor.

Mit dem roten Teppich konnten wir lange wenig anfangen. Zu viel Pose, zu wenig Haltung. Eine Ausnahme gibt es trotzdem: die Met Gala am ersten Montag im Mai. An keinem anderen Abend traut sich die Modewelt so weit aus der Deckung. 2020 fiel das Ganze flach, das Museum stellte stattdessen einen Livestream auf den Vogue-Kanal. Damals haben wir die Looks des Vorjahres noch einmal hervorgeholt. Jetzt, nach mehreren regulären Ausgaben und der Gala 2026, ziehen wir Bilanz.
Was ist die Met Gala, und warum war 2019 so besonders?
Die Met Gala ist die Eröffnungsfeier der jährlichen Modeausstellung des Costume Institute am Metropolitan Museum of Art. Einmal im Jahr wird die breite Freitreppe an der Fifth Avenue zum Laufsteg, und genau dort entstehen die Bilder, die danach um die Welt gehen. Was den Abend von jeder anderen Gala unterscheidet, ist der Dresscode. Er gibt ein Thema vor, und an dem messen sich die Gäste. Starke Jahrgänge waren „Heavenly Bodies: Fashion and the Catholic Imagination“ (2018) und „China: Through the Looking Glass“ (2015).
2019 lautete das Motto „Camp: Notes on Fashion“, ein direkter Bezug auf Susan Sontags Essay „Notes on Camp“ von 1964. Camp meint eine Ästhetik, die das Übertriebene feiert, das Künstliche, das bewusst Zuviel. Ironie als Stil, nicht als Spott. Das war eine offene Einladung, und kaum ein Thema hat die Gäste so weit getrieben. Genau deshalb stammen unsere Lieblingsmomente bis heute aus diesem Jahr. Wer sich für Mode als Haltung interessiert, findet bei der Berlin Fashion Week die nähere, weniger glamouröse Variante desselben Spiels.
Billy Porter: der Auftritt, nicht das Kleid
Eine Best-of-Liste der Met Gala ohne Billy Porter ist keine. Sein Auftritt 2019 ist das Bild, das vom Camp-Jahr geblieben ist: Porter kam in einem goldenen Catsuit mit zehn Fuß langen Flügeln, getragen auf einer goldverzierten Sänfte von sechs Männern in goldenen Hosen. Eine Anspielung auf den ägyptischen Sonnenkult, inszeniert als Ankunft eines Gottes. Wer den Moment sucht, in dem Männermode auf dem roten Teppich endgültig keine Regeln mehr kannte, findet ihn hier.
Ein kurzer Faktencheck, weil das gern durcheinandergeht: Die schwarze Smoking-Robe, das halb Anzug, halb Abendkleid von Christian Siriano, trug Porter nicht bei der Met Gala, sondern bei den Oscars Anfang 2019. Beide Auftritte gehören zusammen, sie markieren dasselbe Jahr, in dem Porter die Grenze zwischen Herren- und Damengarderobe systematisch ignorierte. Aber das Met-Gala-Bild ist der goldene Engel auf der Sänfte. Das ist der Look, der hängen geblieben ist, und zu Recht.
Camp war 2019 kein Kostümfest. Es war der Moment, in dem die Männermode auf dem roten Teppich die letzten Regeln verlor.
Lady Gaga: ein Look reichte ihr nicht
Wenn es um Inszenierung geht, kommt man an Lady Gaga nicht vorbei. 2019 erschien sie nicht in einem, nicht in zwei, sondern in vier Looks von Designer Brandon Maxwell. Und zwar nacheinander, mitten auf dem Teppich. Sie startete in einem riesigen pinkfarbenen Mantelkleid, das von Assistenten und einem Wagen voller Champagner begleitet wurde, schälte sich dann in ein schwarzes Korsettkleid, danach in ein engeres Schwarz und landete am Ende in pinker Unterwäsche. Eine kleine Bühnenshow als Ankunft. Camp in Reinform: Es ging nicht darum, schön anzukommen, sondern darum, etwas zu erzählen.
Jared Leto: der Mann mit dem eigenen Kopf
Den Auftritt, den man am schwersten wieder vergisst, lieferte Jared Leto. Er trug eine rote, kristallbesetzte Robe von Gucci und unter dem Arm eine täuschend echte Nachbildung seines eigenen Kopfes, ebenfalls von Gucci. Die Idee griff einen Moment der Gucci-Schau Herbst/Winter 2018 auf, bei der Modelle nachgebildete Köpfe trugen. Skurril, leicht verstörend, exakt das, was Camp meint, wenn es das Künstliche feiert. Mehr Statement als Geschmack, und genau das war der Punkt.
Was bleibt von all dem? Camp 2019 wirkt aus heutiger Sicht weniger wie ein Verkleidungsabend und mehr wie eine Wegmarke. Was dort zugespitzt auf der Treppe stand, ist inzwischen im Mainstream angekommen: dass Mode kein Geschlecht hat, dass ein Auftritt eine Aussage sein darf, dass Übertreibung eine eigene Form von Präzision ist. Die Gala 2026 lief unter „Costume Art“ mit dem Dresscode „Fashion is Art“. Anders gesagt: Die Frage, ob Mode mehr sein kann als Stoff, stellt das Museum bis heute. 2019 hat eine Handvoll Gäste sie besonders laut beantwortet. Wie der Weg vom Laufsteg in den eigenen Kleiderschrank aussieht, zeigen wir dir übrigens an anderer Stelle. Und falls dich eher die Frage reizt, wie weit man ein Statement mit Schmuck treiben kann, lohnt ein Blick auf unsere Schmucktrends.
Kurz geklärt
▸Wann findet die Met Gala statt?
Traditionell am ersten Montag im Mai, im Metropolitan Museum of Art in New York. 2020 fiel sie wegen der Corona-Pandemie aus, 2026 lief sie am 4. Mai unter dem Motto „Costume Art“.
▸Was bedeutet das Met-Gala-Thema „Camp“ von 2019?
Camp bezeichnet eine Ästhetik des bewussten Zuviel, des Künstlichen und Ironischen. Der Begriff geht auf Susan Sontags Essay „Notes on Camp“ von 1964 zurück. Das Gala-Motto hieß „Camp: Notes on Fashion“.
▸Was war Billy Porters Look bei der Met Gala 2019?
Ein goldener Catsuit mit langen Flügeln, getragen auf einer Sänfte von sechs Männern. Seine bekannte schwarze Smoking-Robe von Christian Siriano trug er dagegen bei den Oscars 2019, nicht bei der Met Gala.
▸In wie vielen Looks erschien Lady Gaga 2019?
In vier, alle von Brandon Maxwell. Sie schälte sich auf dem roten Teppich nacheinander aus jedem Look, vom großen pinkfarbenen Mantelkleid bis zur pinken Unterwäsche.



