
Aufgepasst! H&M und das Londoner Label Erdem starten eine Designer-Kooperation
Ja, richtig gelesen! Was für eine Überraschung: Erdem Moralioglu ist der nächste Designer, mit dem H&M eine Kooperation startet.
2017 haben wir über die H&M-Kooperation mit Erdem berichtet. Was wurde daraus? Ein Archivmoment, in dem florale Romantik, High-Street-Verfügbarkeit und Baz Luhrmanns Bildsprache aufeinandertrafen.
- Erdem Moralioglu wurde als nächster Designer für eine H&M-Kooperation angekündigt.
- Die Kollektion sollte ab dem 2. November in ausgewählten Geschäften und auf hm.com erhältlich sein.
- Baz Luhrmann führte beim Kampagnenfilm Regie.
- Für Erdem war es die erste Männerkollektion.
- Die Entwürfe sollten seine romantische, florale Ästhetik widerspiegeln.

Designer-Kooperationen leben von einer Spannung: Sie bringen eine sonst schwer erreichbare Handschrift in einen größeren Alltag. Bei Erdem und H&M war diese Spannung besonders sauber. Erdem Moralioglu steht im alten youDRESSED-Beitrag für exquisite romantische Kleidungsstücke und florale Prints. H&M steht für Verfügbarkeit, Tempo und den kurzen Moment, in dem Mode plötzlich an sehr vielen Körpern denkbar wird.
Der Alttext kündigte die Kollektion für den 2. November an, erhältlich in ausgewählten Geschäften und auf hm.com. Das ist bei solchen Kooperationen nicht nur ein Datum. Es ist ein Startschuss. Wer sich für diese Art Mode interessiert, kennt die Mischung aus Vorfreude, Planung und der Frage, welches Teil wirklich bleibt, wenn der Hype vorbei ist. Bei Erdem lag die Antwort nahe: wahrscheinlich die Stücke, in denen seine Romantik nicht verkleidet, sondern tragbar wirkt.
Florale Prints ohne Kostümgefühl
Erdem ist interessant, weil Romantik bei ihm nicht automatisch weichgespült wirkt. Der alte Beitrag nannte seine Ästhetik romantisch, elegant, verträumt und zugleich im Hier und Jetzt. Genau diese Balance ist schwer. Florale Prints können schnell nostalgisch werden, fast zu süß. Bei Erdem steckt dahinter aber meist eine kontrollierte Strenge: dunklere Gründe, präzise Silhouetten, ein Gefühl für Drama, ohne dass jedes Kleid nach Bühne aussehen muss.
Die Kollektion sollte laut Alttext eine Neuinterpretation der Stile sein, die seine Arbeit in den vorherigen zehn Jahren geprägt hatten. Außerdem war sie von seiner Jugend inspiriert: englische Filme, Fernsehserien und Musikvideos der 90er. Das ist ein gutes Fundament, weil es nicht nur Oberfläche liefert. Kleidung bekommt mehr Tiefe, wenn sie aus Erinnerungen kommt und nicht bloß aus Trendtabellen.
Erdem zeigt, dass Romantik nicht leise sein muss. Sie muss nur gut geschnitten sein.
Baz Luhrmann als logische Wahl
Dass Baz Luhrmann den Kampagnenfilm inszenierte, passte erstaunlich gut. Der Alttext nennt „Moulin Rouge“ und „Der große Gatsby“ als Referenzen. Beide stehen für eine Bildsprache, die Opulenz nicht versteckt. Luhrmann kann Überhöhung, Bewegung, Musik und Kostüm so verbinden, dass Mode nicht wie Produktplatzierung wirkt, sondern wie Teil einer Welt. Für eine Erdem-Kollektion ist das sinnvoller als eine nüchterne Lookbook-Ästhetik.
Ein Teaser-Video gab damals einen ersten Einblick in die Zusammenarbeit. Mehr Details zu den Entwürfen waren noch geheim. Genau dieses Geheimnis gehörte zur Dramaturgie. Bei Designer-Kooperationen wird nicht nur Stoff verkauft, sondern Erwartung. Der Film, der Name, das Datum, die ersten Bilder: Alles baut die Frage auf, ob ein Stück aus dieser Welt in den eigenen Kleiderschrank passt.
Die erste Männerkollektion als zweiter Wendepunkt
Besonders bemerkenswert war Erdems Aussage, dass die Kooperation auch eine Kollektion für Herren umfasse. Für ihn war das laut altem Beitrag eine erstmalige Erfahrung. Inspiriert wurde er dabei von der Garderobe seiner Eltern aus den 60er Jahren. Das ist ein schönes Detail, weil es die Männerlinie nicht als Anhängsel erscheinen lässt. Sie bekommt eine eigene Erinnerung, einen eigenen Ursprung.
Das Zitat aus dem alten Beitrag trägt genau diesen Reiz: Erdem sprach davon, seine Arbeit auf einer neuen Ebene entdecken zu können, und nannte die Arbeit mit Baz Luhrmann spannend. Man muss solche Sätze nicht überhöhen. Sie zeigen schlicht, warum eine Kooperation für Designer interessant sein kann: Sie zwingt eine Handschrift in ein anderes Format und öffnet damit neue Räume.
Heute ist der Artikel vor allem ein sauberer Rückblick auf einen Moment, in dem High-Street und Designerromantik wieder einmal zueinanderfanden. Nicht jede Kooperation bleibt kulturell groß. Aber gute bleiben als Stilprobe lesbar. Erdem x H&M war genau das: Blumen, Film, 90er-Erinnerung und ein kurzer, sehr sichtbarer Modeaugenblick.
Warum die Kollektion nicht nur vom Preis lebte
Designer-Kooperationen werden oft auf Erreichbarkeit reduziert. Das ist verständlich, aber zu kurz. Der eigentliche Reiz liegt darin, ob eine Handschrift den Wechsel in ein anderes Preissegment übersteht. Bei Erdem war genau das die spannende Frage. Florale Romantik, englische Referenzen und eine sehr bestimmte Eleganz müssen auch dann funktionieren, wenn sie industrieller und breiter verfügbar werden.
Der alte Beitrag lässt offen, wie die einzelnen Teile aussehen würden. Das war zum Zeitpunkt der Ankündigung logisch. Aber er benennt die entscheidenden Quellen: die vergangenen zehn Jahre seiner Arbeit, seine Jugend, englische Filme, Fernsehserien und Musikvideos der 90er. Damit bekommt die Kollektion ein Gedächtnis. Sie soll nicht nur gefallen, sondern aus einem wiedererkennbaren Archiv schöpfen.
Für IBL ist das der interessanteste Punkt. Mode wird stärker, wenn sie Herkunft zeigt. Nicht laut, nicht nostalgisch, sondern durch Details, die eine Geschichte tragen. Erdems Kooperation mit H&M versprach genau das: Zugänglichkeit ohne vollständige Verdünnung.
Der Rückblick erinnert außerdem daran, dass florale Mode nicht automatisch saisonal klein gedacht werden muss. Bei Erdem sind Blumen kein niedliches Motiv, sondern ein Stilcode. Sie können dunkel, streng, filmisch und sehr erwachsen wirken. Genau deshalb passte die Kooperation besser zu H&M, als eine reine „Designer macht günstige Kleider“-Lesart vermuten lässt.
Wenn du solche Kooperationen heute bewertest, lohnt sich dieselbe Frage: Erkennt man die Handschrift noch, wenn das Produkt breiter verfügbar wird? Beim angekündigten Erdem-Projekt lag die Hoffnung genau darin.
Kurz geklärt
▸Wann sollte die Erdem x H&M Kollektion erscheinen?
Der alte Beitrag nennt den 2. November als Start in ausgewählten Geschäften und auf hm.com.
▸Wer führte beim Kampagnenfilm Regie?
Baz Luhrmann, bekannt unter anderem für „Moulin Rouge“ und „Der große Gatsby“, inszenierte den Kampagnenfilm.
▸Warum war die Männerkollektion wichtig?
Für Erdem war sie eine Premiere. Laut Beitrag wurde sie von der Garderobe seiner Eltern aus den 60er Jahren inspiriert.



