
Urlaub an Ostsee und Schlei – ein Träumchen
Der Trend geht zum Urlaub im Inland. Die östliche Ostsee mit Rügen, Hiddensee und dem Darß entwickelt sich dabei immer mehr zum Magneten.
Der Urlaub im eigenen Land hat seinen Reiz neu entdeckt. Während die östliche Ostsee mit Rügen, Hiddensee und dem Darß zum Magneten geworden ist, bleibt die Gegend um Schlei, Kappeln und Eckernförde vergleichsweise still. Wer sie entdeckt, findet eine Landschaft, die sich nicht aufdrängt, sondern belohnt.
- Die Route: Von Wismar über Kiel und Eckernförde an die Schlei, mit Kappeln als bekanntem und Schönhagen als ruhigem Stopp.
- Das Tempo: Slow Travel statt Programm, Steilküsten, Reetdachdörfer und Segelyachten vor der Küste.
- Die Geheimtipps: Maasholm mit der Fischräucherei Petersen, Kroonsgaard für Weite und Sieseby für Schlei-Romantik.
Zwischen Eckernförde und Kappeln liegt eine Ostsee, die sich Zeit nimmt: Steilküsten, Reetdachdörfer und die stille Schlei, fern der großen Urlaubsströme.
Eine Küste, die sich Zeit lässt
Schleswig-Holstein zwischen den Meeren ist kein Ort für die schnelle Abfertigung. Die Region um die Schlei, jenen langen Meeresarm, der sich tief ins Land zieht, lebt von kleinen Orten, weiten Wegen und einem Licht, das im Norden eine eigene Klarheit hat. Wer hierher kommt, tauscht das Programm gegen das Tempo der Landschaft.
Die Schlei verbindet Hafenstädtchen, Reetdachdörfer und Steilküsten zu einer Route, die sich Stück für Stück erschließt. Es ist eine Gegend für Reisende, die das Beiläufige suchen: den Blick aufs Wasser, die Segelyachten vor der Küste, die Ruhe abseits der bekannten Strände. Genau darin liegt ihr Luxus.
Wismar als Auftakt im Süden
Wer von Süden anreist, kann die kleine Hansestadt Wismar als ersten Halt nehmen. Nach aufwendigen Restaurierungen in den 1990er Jahren hat sie sich wieder zur Perle der südwestlichen Ostsee entwickelt, mit einem Marktplatz, den der berühmte Brunnen Wasserkunst und historische Bürgerhäuser rahmen.
Der Spruch Alter Schwede bekommt hier eine besondere Bedeutung: So heißt das älteste Bürgerhaus der Stadt, das bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht und seit 1878 eine Gastwirtschaft beherbergt. Bei gutem Wetter sitzt man davor und blickt auf den Platz, ein Auftakt, der den Ton für die Reise setzt.
Schönhagen und die Steilküste
Weiter nördlich, über Kiel und Eckernförde, liegt Schönhagen bei Brodersby mit seiner hohen Steilküste. Der Ort liegt zwischen zwei bekannteren Adressen, Olpenitz und Damp, rund sieben Kilometer vor den Toren von Kappeln. Typisch für die Region sind die individuellen Backsteinhäuser, die ihm einen eigenen Charakter geben.
Schmuckstück des Ortes ist das Schloss mit seinem Park, in dem heute eine Rehaklinik untergebracht ist. Gleich nebenan lässt sich im schönen Ambiente eines Hofcafés gut frühstücken. Von hier aus führen herrliche Spaziergänge an der Küste entlang, mit dem Meer und den großen Segelyachten stets im Blick.
Eckernförde und Kappeln
Eckernförde gilt zu Recht als eine der Ostseeperlen. Die Altstadt und die Fußgängerzone haben einen Charme bewahrt, der dem schnellen Wachstum andernorts standgehalten hat. Wer einkehrt und bummelt, merkt, dass hier Maßstab und Tempo noch stimmen.
Kappeln dagegen wirkt von der Schlei aus malerisch, vor allem dank seiner Klappbrücke, die Segler in den Meeresarm und wieder hinaus lässt. Der Ort ist als Einkaufs- und Ferienziel rasch gewachsen und hat dabei etwas von der Beschaulichkeit eingebüßt, die Eckernförde noch trägt. Ein Abstecher lohnt trotzdem.

Geheimtipps: Maasholm und Kroonsgaard
Abseits der bekannten Orte liegen die eigentlichen Entdeckungen. Maasholm zieht mit langen Küstenwegen und einem kleinen Strand an, vor allem aber mit der Fischräucherei Petersen, die unscheinbar aussieht und doch als beste Fischbude weit und breit gilt. Solche Adressen findet man nur, wenn man fragt.
Kroonsgaard ist ein weiterer stiller Tipp, gerade für alle, die viel Platz und freie Wege schätzen. Wenn im Spätsommer die Strandkörbe stehen, braucht man Wind und Wetter nicht zu fürchten. Es ist diese Mischung aus Weite und Unaufgeregtheit, die die Schleiregion von belebteren Küsten unterscheidet.

Sieseby und die Schlei-Romantik
Schleiabwärts, bei Thumby, liegt Sieseby mit seinen wunderschönen Reetdachhäusern. Der Ort gehört zu großen Teilen noch der älteren Linie der herzoglichen Familie Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, die ihn samt dem Gut Bieneck 1887 für 615.000 Reichstaler erworben hatte. Aus diesem Haus geht die dänische Königsfamilie hervor.
Man merkt hier, dass die Grenze zu Dänemark nicht weit ist, in der Architektur ebenso wie in der Stimmung. Sieseby hat seine Anziehungskraft nie verloren, auch wenn es nie laut geworden ist. Es ist ein Ort zum Verweilen, nicht zum Abhaken, und damit ein guter Schlusspunkt für eine Reise entlang der Schlei.
Fazit
Die Schleiregion ist kein Ziel für die schnelle Pause, sondern für alle, die eine Küste auf sich wirken lassen wollen. Steilküsten, Reetdächer und das stille Wasser ergeben eine Landschaft, die nichts vorgibt und gerade deshalb in Erinnerung bleibt. Wer Zeit mitbringt, reist hier am reichsten.
Gut zu wissen
▸Wann ist die beste Reisezeit für die Schleiregion?
Spätfrühling und Spätsommer sind ideal: Dann stehen die Strandkörbe, die Orte sind ruhig, und das nördliche Licht zeigt die Küste von ihrer schönsten Seite.
▸Was unterscheidet die Schlei von Rügen und dem Darß?
Die östliche Ostsee zieht große Urlaubsströme an. Die Gegend um Schlei, Kappeln und Eckernförde bleibt vergleichsweise still und eignet sich für eine langsamere, entdeckende Reise.
▸Welche Orte sollte man nicht auslassen?
Eckernförde für die Altstadt, Schönhagen für die Steilküste, Maasholm und Kroonsgaard als Geheimtipps und Sieseby für die Reetdach-Idylle an der Schlei.



