//TASTEFrisch gepresste grüne Säfte auf einem Holztisch
22. April 2022 // 09:28 Uhr

Saftkuren: Was bringt es und hält es wirklich was es verspricht?

Elias Kollböck·5 min Lesezeit

Saftkuren, oder auch Entsaften, haben in den letzten Jahren immer mehr an Popularität gewonnen hat. Viele werben dafür. Die Frage: Hilft es auch wirklich?

Saftkuren haben sich von einem Nischentrend aus den USA zu einem festen Bestandteil des Wellness-Kalenders in Europa entwickelt. Influencer schwören auf das Entsaften, Ernährungsberater bleiben skeptisch. Was die Kuren laut Befürwortern bringen sollen, was man realistisch erwarten kann und worauf man beim Start achten sollte, das klärt sich schnell, wenn man die Versprechen von den belegbaren Effekten trennt.

Quick Fitting

  • Kursdauer: drei Tage für Einsteiger, bis zu sieben Tage für Erfahrene
  • Proteingehalt: gering bis null, keine Grundlage für intensiven Sport während der Kur
  • Ärztlicher Rat: vor dem Start empfohlen, bei Vorerkrankungen Pflicht

Saftkuren versprechen Entgiftung, bessere Haut und weniger Gewicht, was davon hält einer nüchternen Betrachtung stand?

Was Saftkuren laut Befürwortern bewirken sollen

Saftkuren sind in erster Linie mit Gewichtsreduktion assoziiert, das ist der Grund, warum viele Menschen sie ausprobieren. Doch Befürworter führen auch andere Argumente an: Durch die erhöhte Flüssigkeitszufuhr sollen Schadstoffe aus dem Körper gespült werden, was sich laut Anhängern in klarerer Haut, besserem Wohlbefinden und verbesserter Verdauung zeigen soll. Ob der Körper tatsächlich auf Saft angewiesen ist, um sich zu „entgiften“, ist wissenschaftlich umstritten, Leber und Nieren übernehmen diese Aufgabe ohnehin kontinuierlich.

Gewichtsverlust tritt während einer Saftkur fast zwangsläufig auf, weil die Kalorienzufuhr stark reduziert wird. Wie viel davon dauerhaft bleibt, hängt davon ab, wie man die Ernährung danach gestaltet. Wer die Kur als Reset-Moment nutzt und anschließend bewusster isst, kann laut Erfahrungsberichten länger von dem Effekt profitieren als jemand, der direkt zu alten Gewohnheiten zurückkehrt.

Wie lange sollte eine Saftkur dauern?

Die meisten Saftkuren dauern nicht länger als sieben Tage. Als Einstieg gilt eine dreitägige Kur als geeignet: Sie soll die Verdauung anregen und Gelüste auf ungesunde Speisen reduzieren. Wer bereits Erfahrung hat, kann auf fünf Tage verlängern, manche berichten für diesen Zeitraum von verbessertem Schlaf, was Befürworter darauf zurückführen, dass in dieser Phase kein Alkohol und kein Koffein konsumiert wird.

Eine siebentägige Kur zielt laut Anbieterempfehlungen vor allem darauf ab, ungesunde Gewohnheiten zu unterbrechen. Der Körper erhält dabei durch Obst- und Gemüsesäfte reichlich Vitamin C und Antioxidantien. Wichtig ist, die empfohlene Dauer nicht zu überschreiten, da frisch gepresste Säfte kaum Proteine enthalten und der Zuckergehalt je nach Zusammensetzung erheblich sein kann.

Worauf man beim Start achten sollte

Saftkuren sind keine Selbstläufer. Einfache Säfte aus dem Supermarktregal, oft pasteurisiert, mit Zusatzstoffen und langer Haltbarkeit, sind kein Ersatz für frisch gepresste oder kaltgepresste Programme. Wer eine Kur ernsthaft ausprobieren möchte, sollte sich an einem strukturierten Programm mit klaren Tagesmengen orientieren und ärztlichen Rat einholen, insbesondere bei Vorerkrankungen oder wenn die körperliche Fitness unklar ist.

Kaltgepresste Säfte gelten unter Befürwortern als hochwertiger, weil beim Pressverfahren ohne Wärme mehr Nährstoffe erhalten bleiben sollen. Anbieter wie LiveFresh (seit 2016 auf dem Markt), The Frank Juice oder Kale&Me haben sich auf 3-, 5- und 7-Tage-Programme spezialisiert und liefern die Mengen direkt nach Hause. Kale&Me ist seit 2020 zertifiziert klimaneutral und setzt auf Flaschen aus 100 Prozent Altmaterial, ein Aspekt, der für umweltbewusste Konsumentinnen und Konsumenten relevant sein kann.

Die Grenzen des Konzepts

Saftkuren haben strukturelle Einschränkungen, die man kennen sollte. Die Proteingabe ist bei reinen Safttagen minimal bis null, das ist kein Problem für wenige Tage, wird aber zur Schwäche bei längeren Programmen. Zudem ist der Zuckergehalt vieler Obstsäfte nicht zu unterschätzen: Ein Glas reiner Apfelsaft enthält ähnlich viel Zucker wie eine Portion Cola. Wer empfindlich auf Blutzuckerschwankungen reagiert oder an Diabetes erkrankt ist, sollte Saftkuren nur nach Rücksprache mit einem Arzt angehen.

Das Konzept eignet sich besser als gelegentlicher Kontrapunkt im Jahr als dauerhaftes Ernährungsmodell. Hin und wieder eine Kur einzubauen, kann laut Befürwortern den Körper positiv stimulieren und den eigenen Umgang mit Essen bewusster machen. Regelmäßige, ausgewogene Ernährung bleibt jedoch die verlässlichere Grundlage für langfristiges Wohlbefinden.

Top view of fresh produce including lemon, carrots, tomato, and peppers on a slate board.
Frisch gepresste Säfte liefern Mikronährstoffe in konzentrierter Form

Was der Körper wirklich bekommt

Frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte liefern Vitamin C, Antioxidantien und Flüssigkeit in hoher Konzentration. Bei Gemüsesäften wie Sellerie, Gurke oder Spinat ist der Zuckergehalt geringer als bei reinen Fruchtsäften, der Vitamingehalt je nach Produkt aber ebenso relevant. Wer Kuren selbst zusammenstellen möchte, sollte auf ein ausgewogenes Verhältnis von Obst zu Gemüse achten und Zutaten mit niedrigem glykämischen Index bevorzugen.

Die erhöhte Flüssigkeitszufuhr ist ein Aspekt, den auch Kritiker positiv bewerten: Viele Menschen trinken ohnehin zu wenig. Wer während einer Saftkur konsequent zwei bis drei Liter pro Tag zu sich nimmt, tut dem Körper allein dadurch etwas Gutes, unabhängig davon, ob die weitreichenderen Versprechen der Entgiftung wissenschaftlich bestätigt werden oder nicht.

A woman with eyes closed savors a smoothie, embracing a healthy lifestyle in the kitchen.
Der Körper bekommt dichte Nährstoffe, während sie den Geschmack in der Küche wahrnimmt.

Für wen Saftkuren geeignet sind

Gesunde Erwachsene ohne Vorerkrankungen können eine kurze Saftkur in der Regel ohne Risiko ausprobieren. Menschen mit Diabetes, Nierenproblemen, Essstörungen oder chronischen Erkrankungen sollten unbedingt vorher ärztlichen Rat einholen. Schwangere und Stillende zählen ebenfalls zu den Gruppen, bei denen eine Saftkur nicht ohne Rücksprache geeignet ist.

Wer sportlich aktiv ist, sollte berücksichtigen, dass die Proteinarmut von Saftkuren die Muskelregeneration beeinträchtigen kann. Intensive Trainingseinheiten lassen sich während einer Kur kaum aufrechterhalten, und sollten es auch nicht. Eine Saftkur ist kein Sportprogramm, sondern ein Bewusstseinsmodus: Man schärft den Blick auf das, was man dem Körper gibt, und tritt kurz aus dem Alltagsrhythmus heraus.

Fazit

Saftkuren sind kein Wundermittel und kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung. Was sie können, ist gut: Sie geben einen klaren zeitlichen Rahmen für eine bewusstere Ernährungsphase, liefern Mikronährstoffe in konzentrierter Form und unterbrechen Routinen, die man vielleicht schon längst hinterfragen wollte. Was sie nicht können: dauerhaft entgiften, Muskeln erhalten oder einen ungesunden Lebensstil kompensieren.

Wer eine Saftkur plant, sollte sie als Einstieg in etwas Neues betrachten, nicht als Endpunkt. Drei oder fünf Tage mit Bewusstsein für den eigenen Körper können einen Impuls setzen, der weit über die Kur selbst hinauswirkt. Der Arztbesuch vorher ist kein bürokratischer Akt, sondern schlicht klug.

Gut zu wissen

▸Kann man durch eine Saftkur dauerhaft abnehmen?

Gewichtsverlust während einer Saftkur ist wahrscheinlich, da die Kalorienzufuhr stark sinkt. Ob das Gewicht dauerhaft niedrig bleibt, hängt von der Ernährung nach der Kur ab. Eine Saftkur allein ist kein nachhaltiges Abnahmeprogramm.

▸Darf man während einer Saftkur Sport machen?

Leichte Bewegung wie Yoga oder Spaziergänge ist in der Regel unproblematisch. Intensive Trainingseinheiten sind während einer Saftkur nicht empfehlenswert, da die Eiweißzufuhr zu gering ist, um die Muskulatur ausreichend zu versorgen.

▸Kann man Säfte aus dem Supermarkt für eine Saftkur verwenden?

Von handelsüblichen Säften aus dem Regal ist abzuraten. Sie sind oft pasteurisiert, enthalten mehr Zucker und weniger Nährstoffe als frisch gepresste oder kaltgepresste Produkte. Für eine strukturierte Kur empfiehlt sich ein Anbieter mit klar definierten Tagesprogrammen.

Bildquelle: Titelbild: Pexels / Jugoslocos (px:8169572); Beitragsbilder: Pexels / Lukas Blazek (px:952484); Pexels / Pavel Danilyuk (px:7801530).
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