
Russland, Brasilien, Arabien – wenn das Abendessen eine kleine Weltreise wird
2021 saßen wir im Lockdown fest und holten uns die Welt auf den Teller. Vier Jahre später haben sich die Grenzen wieder geöffnet, doch die drei Gerichte von damals schmecken noch immer nach Fernweh. Wir haben sie neu aufgelegt.
Drei Gänge, drei Kontinente, kein Flugticket: Wir kombinieren eine russische Sommersuppe, einen brasilianischen Bohneneintopf und ein gebratenes Zimtbrot aus dem Nahen Osten zu einem Menü, das ohne Reisepass auskommt. Hier kommt die Anleitung, die du heute Abend nachkochen kannst.
- Blick zurück: Im März 2021 haben wir uns mit Russland, Brasilien, Arabien beschäftigt und wagen hier einen neuen Blick darauf.
- Feijoada aus Brasilien als deftiger Hauptgang, braucht Zeit, aber kaum Aufwand.
- Gebratenes Zimtbrot nach Levante-Art als süßer Abschluss in unter zehn Minuten.
- Jedes Rezept ist für vier Portionen gerechnet und braucht keine Spezialzutaten.
- Entstanden 2021 im Lockdown, heute eher Genuss- als Notlösung.
Im Frühjahr 2021 war an Fernreisen nicht zu denken. Also haben wir die Küche zur Landebahn erklärt und drei Gerichte zusammengestellt, die jeweils für eine Esskultur stehen. Was als Lockdown-Ersatz begann, hat sich als gutes Konzept für einen Abend mit Freunden gehalten. Die Idee bleibt simpel: Du tischst nicht ein Land auf, sondern eine kleine Route über drei Kontinente.
Russland: Okroschka, die kalte Suppe für den Auftakt
Okroschka gilt als russisches Nationalgericht und ist dort die beliebteste Sommersuppe. Sie wird kalt serviert und auf Basis von Sauermilchprodukten zubereitet, klassisch mit Buttermilch oder Kefir. Das klingt ungewohnt, funktioniert aber genau dann, wenn es draußen warm ist und eine heiße Suppe niemand anrührt. Du kannst sie morgens ansetzen und abends servieren, denn ein paar Stunden im Kühlschrank tun ihr gut.
Für vier Portionen brauchst du:
- 400 g festkochende Kartoffeln
- 4 Eier
- 2 Frühlingszwiebeln
- 0,5 Salatgurke
- 8 Radieschen
- 1 Bund Schnittlauch
- 1 Bund Dill
- 3 EL grober Senf
- 250 g Schmand
- 1 l Buttermilch
- 1 Knoblauchzehe
- Salz, Pfeffer
So gehst du vor:
- Kartoffeln und Eier kochen, abkühlen lassen und pellen.
- Frühlingszwiebeln, Gurke, Radieschen, Knoblauch, Schnittlauch und Dill klein schneiden. Kartoffeln und Eier in Scheiben oder Würfel schneiden.
- Senf, Schmand und Buttermilch zu einer Suppe verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
- Die geschnittenen Zutaten unterheben. Dill und Schnittlauch zum Garnieren zurückhalten.
- Mindestens zwei Stunden kalt stellen, dann servieren.
Brasilien: Feijoada, der Eintopf für die Mitte
Die Feijoada ist Brasiliens Nationalgericht und hat eine ernste Geschichte: Ursprünglich war der Bohneneintopf das Essen der versklavten Menschen auf den Plantagen, die mit den Resten der Schlachtung auskommen mussten. Heute wird er in ganz Brasilien zelebriert, traditionell freitags oder samstags, wenn Familie und Freunde zusammenkommen. Genau dieses gesellige Element macht ihn zum richtigen Hauptgang für einen Abend zu Hause.
Plane Zeit ein, der Topf köchelt mehrere Stunden, fast ohne dein Zutun. Für vier Portionen brauchst du:
- 250 g schwarze Bohnen
- 1 Zwiebel
- 1 Knoblauchzehe
- 2 EL Sonnenblumenöl
- 1 Lorbeerblatt
- 1 l Wasser
- 300 g Rindergulasch
- Pfeffer
- 100 g Mettenden (geräuchert)
- 100 g scharfe Wurst, etwa Chorizo
- 100 g Bauchspeck
- 200 g Reis
- 1 Orange
Aus dem Arme-Leute-Essen der Plantagen ist ein Gericht geworden, um das sich am Wochenende ganze Familien versammeln.
So gehst du vor:
- Die Bohnen gründlich waschen und über Nacht in Wasser einweichen.
- Am nächsten Tag erneut abspülen. Zwiebel und Knoblauch schälen, schneiden und anbraten. Bohnen und Lorbeerblatt dazugeben und mit einem Liter Wasser aufkochen.
- Das Fleisch kräftig pfeffern und in den Topf geben.
- Rund 1,5 Stunden köcheln lassen. In der Zeit die scharfe Wurst schneiden, dazugeben und weitere 1,5 Stunden ziehen lassen.
- Den Speck klein schneiden, in der Pfanne auslassen und samt Fett in den Topf geben. Eine halbe Stunde weiterköcheln.
- Reis kochen, Orange waschen und in Scheiben schneiden.
- Je nach Konsistenz noch etwas Wasser angießen.
- Mit Reis und Orangenscheiben anrichten und servieren.
Naher Osten: gebratenes Zimtbrot zum Abschluss
Den süßen Schlusspunkt setzt ein gebratenes Zimtbrot, das in der Zubereitung an French Toast erinnert und seine Aromen aus der levantinischen Süßspeisen-Tradition zieht. Dort gibt es mit Aish el Saraya, dem „Brot des Palastes“, eine ganze Familie von Desserts, die altbackenes Brot in etwas Festliches verwandeln. Unsere Variante ist die schnelle: in Eiermilch getunkt, in Butter gebraten, in Zimtzucker gewendet.

Für vier Portionen brauchst du:
- 1 Baguette
- 2 bis 4 Eier
- 500 ml Milch
- 1 TL Vanilleextrakt
- Butter
- 120 g Zucker
- 2 EL gemahlener Zimt
- Muskatnuss
So gehst du vor:
- Das Baguette in zwei Zentimeter dicke Scheiben schneiden.
- Die Eier verquirlen, Milch und Vanille unterrühren.
- In einer zweiten Schüssel Zimt, Zucker und etwas Muskatnuss mischen.
- Die Brotscheiben durch die Eiermilch ziehen und in Butter goldbraun braten.
- Sofort in der Zimt-Zucker-Mischung wenden. Nach Wunsch mit frischen Früchten anrichten.
So wird aus drei Rezepten ein Abend

Die Reihenfolge ergibt sich von selbst: Die Okroschka steht schon vorbereitet im Kühlschrank, die Feijoada zieht stundenlang vor sich hin, und das Zimtbrot brätst du erst, wenn die Gäste schon am Tisch sitzen. So bleibst du entspannt und musst nicht zwischen drei Töpfen jonglieren. Wer selbst kocht, hat den Nährwert ohnehin besser im Griff, das zeigt auch unser Schwestermagazin bei den Post-Workout-Meals nach dem Sport. Ein guter Begleiter ist eine ähnliche Idee aus unserem Rückblick: Wer lieber bei einer Region bleibt, findet bei den saisonalen Rezepten für den Herbst Inspiration, und wer das Auswärtsessen vermisst, liest unsere Notiz zum achtsamen Essen im Münchner Ahimsa.
Was 2021 ein Ersatz für die abgesagte Reise war, funktioniert heute aus einem anderen Grund: Ein selbst gekochtes Drei-Länder-Menü ist persönlicher als jedes Restaurant und kostet einen Bruchteil. Die Welt ist wieder offen, der Teller bleibt trotzdem der kürzeste Weg zu einem fremden Ort.
Gut zu wissen
▸Kann ich die Gerichte komplett vorbereiten?
Okroschka und Feijoada lassen sich am Vortag zubereiten und schmecken durchgezogen sogar besser. Nur das Zimtbrot solltest du frisch braten, sonst wird es weich.
▸Gibt es vegetarische Varianten?
Für die Okroschka kannst du Wurst weglassen, sie lebt ohnehin vom Gemüse. Die Feijoada wird mit Räuchertofu und mehr Bohnen zur fleischlosen Version. Das Zimtbrot ist von Haus aus vegetarisch.
▸Welche Reihenfolge beim Kochen?
Erst die Bohnen für die Feijoada einweichen, am Abend zuvor. Am Tag selbst zuerst die Okroschka ansetzen und kalt stellen, dann die Feijoada köcheln lassen und zum Schluss das Zimtbrot braten.
▸Was passt als Getränk dazu?
Zur Okroschka passt Kefir oder ein kühles Pils, zur Feijoada klassisch eine Caipirinha oder ein kräftiger Rotwein. Zum Zimtbrot reicht ein starker Kaffee oder ein Glas Minztee.



