Minimalistisches geometrisches Designobjekt aus Metall vor hellem Hintergrund//LIVING
29 Januar 2026

Palladion d’Hermès: Metall, das man anfassen will

Elias Kollböck·6 Min. Lesezeit

Auf der Mailänder Design Week zeigt Hermès gehämmertes Metall mit Palladium-Schimmer statt bunter Objekte. Materialarbeit, die man eher fühlt als sieht.

Hermès hat zur Mailänder Design Week 2026 seine Objekte für das Zuhause gezeigt. Im Mittelpunkt steht kein lautes Stück, sondern ein Material: handgehämmertes Metall mit Palladium-Finish, kühl, matt, schwer. Wer es einmal in der Hand hatte, versteht den Unterschied.

Quick Fitting

  • Hermès zeigte seine Home-Kollektion 2026 auf der Mailänder Design Week, in der La Pelota.
  • Das zentrale Ensemble heißt Palladion d’Hermès: Vasen, ein Krug und ein scheibenförmiges Centerpiece aus handgehämmertem Metall mit Palladium-Finish.
  • Dazu kommen Rosshaar, Swift-Kalbsleder und ein Holzgriff. Material trifft Material.
  • Die Szenografie von Charlotte Macaux Perelman und Alexis Fabry baute rund 30 Säulen aus Gips und Buchenholz.
  • Das Kristall-Handwerk lebt bei Hermès getrennt weiter, in der hauseigenen Manufaktur Saint-Louis.

Wenn du Hermès nur über Leder, Seide und Taschen liest, übersiehst du die stillere Seite des Hauses. Palladion zeigt, wie stark ein Objekt werden kann, wenn Material zuerst kommt und Marke nur mitschwingt.

Ein Raum aus Säulen

Wer den Hermès-Auftritt in Mailand betrat, stand zuerst in einem Wald aus Architektur. Rund dreißig rechteckige Säulen aus Gips und Buchenholz teilten die La Pelota in ein ruhiges Raster. Die Szenografie von Charlotte Macaux Perelman und Alexis Fabry verzichtete auf Effekt und setzte auf Rhythmus. Man ging nicht durch eine Ausstellung, man ging durch einen Raum, der die Objekte atmen ließ.

Das ist eine bewusste Entscheidung. Viele Marken inszenieren ihre Möbel wie auf einer Bühne, mit Licht, Farbe und Lautstärke. Hermès macht das Gegenteil. Der Rahmen tritt zurück, das Material kommt nach vorn. So entsteht der Eindruck, den die Marke seit Jahren pflegt: Hier wird nichts behauptet, hier wird gezeigt.

Dass Luxusmarken den Wohnraum als eigenständiges Terrain entdecken, zeigt auch die Gucci Living Kollektion: ein anderer Ansatz, dieselbe Sehnsucht nach Räumen, die eine Haltung zeigen.

Palladion: Metall, das nicht protzt

Das zentrale Ensemble heißt Palladion d’Hermès und besteht aus Vasen, einem Krug und einem scheibenförmigen Centerpiece. Alle aus handgehämmertem Metall mit einem Palladium-Finish. Das ist der entscheidende Unterschied. Palladium glänzt nicht golden, es schimmert kühl und fast matt. Es sieht aus wie ein Metall, das nichts beweisen muss.

Genau das passt zu Hermès. Eine vergoldete Vase wäre eine Geste. Eine handgehämmerte Palladium-Vase ist eine Haltung. Man sieht die kleinen Schläge des Hammers auf der Oberfläche, jede Unregelmäßigkeit ist ein Beleg dafür, dass hier eine Hand gearbeitet hat und keine Maschine. Luxus zeigt sich hier nicht im Glanz, sondern in der Spur der Arbeit.

Das teuerste Material ist selten das, das am lautesten glänzt. Es ist das, das man nicht erklären muss.

Material trifft Material

Hermès denkt Objekte selten aus einem einzigen Stoff. Auch beim Palladion-Ensemble trifft das kühle Metall auf wärmere Begleiter: schwarzes Rosshaar, Swift-Kalbsleder mit Eidechsenbesatz, ein Griff aus Holz. Das klingt nach Aufzählung, ergibt aber einen klaren Gedanken. Hartes neben Weichem, Kühles neben Warmem, Industrielles neben Organischem.

Diese Kombinationslogik kommt nicht von ungefähr. Hermès ist als Sattler groß geworden, das Handwerk mit Leder sitzt im Haus. Wenn diese Tradition auf gehämmertes Metall trifft, entsteht kein Bruch, sondern ein Gespräch zwischen zwei Materialien, die sich gegenseitig ernster machen. Das Leder wirkt edler neben dem Metall, das Metall wärmer neben dem Leder.

Der Tisch, der eine Acht beschreibt

Neben den Objekten stand ein Möbel, das den Auftritt erdete: der Stadium-Tisch des Designduos Edward Barber und Jay Osgerby, gefertigt in Marmor-Marketerie und geformt wie eine liegende Acht. Marmor-Marketerie heißt, dass einzelne Steinstücke wie ein Intarsienbild zusammengesetzt werden. Das ist aufwendig, langsam und genau deshalb selten.

Barber und Osgerby sind keine Unbekannten, sie haben unter anderem die olympische Fackel von London 2012 gestaltet. Ihr Stadium-Tisch nimmt die ruhige Linie des Hermès-Auftritts auf und gibt ihr ein Zentrum. Ein Tisch, um den man sich versammelt, kein Tisch, der den Raum dominiert.

Und das Kristall? Lebt woanders

Ein ehrlicher Hinweis, weil das Thema oft durcheinandergerät: In dieser Mailänder Präsentation ging es um Metall, Marmor, Leder und Holz, nicht um Kristall. Wer das gläserne Hermès-Handwerk sucht, findet es an anderer Stelle. Hermès gehört die Kristallmanufaktur Saint-Louis im lothringischen Saint-Louis-lès-Bitche.

Saint-Louis ist die älteste Glasmanufaktur Frankreichs, gegründet 1586, seit Mitte der neunziger Jahre Teil der Hermès-Gruppe. Dort entsteht mundgeblasenes Kristall in einer Tradition, die Jahrhunderte zurückreicht. Es lohnt sich, beides getrennt zu betrachten. Das gehämmerte Metall aus Mailand und das geblasene Kristall aus Lothringen sind zwei Handschriften desselben Hauses, nicht ein und dieselbe Sache.

Warum das mehr ist als Deko

Objekte wie das Palladion-Ensemble kauft niemand, weil er eine Vase braucht. Man kauft sie, weil sie einen Raum verändern, ohne ihn vollzustellen. Ein gehämmertes Metallgefäß auf einer leeren Fläche sagt mehr als ein volles Regal. Es setzt einen Punkt, an dem das Auge ruht.

Das ist die eigentliche Qualität dieser Stücke. Sie altern nicht mit der Mode, weil sie nie modisch waren. In zehn Jahren wird das Palladion genauso ruhig dastehen wie heute, die Hammerspuren werden vielleicht eine Spur dunkler sein, mehr nicht. Gute Objekte brauchen keine Saison. Sie brauchen nur einen Platz und jemanden, der hinsieht.

Wer den Gedanken von Ruhe und Materialehrlichkeit weiterdenken will, findet im Scandi-Style viele verwandte Prinzipien, von der Farbpalette bis zur Rolle des einzelnen, gut gewählten Objekts.

Kurz geklärt

Was hat Hermès 2026 in Mailand gezeigt?

Die Home-Kollektion in der La Pelota, im Zentrum das Ensemble Palladion d’Hermès aus handgehämmertem Metall mit Palladium-Finish, dazu den Stadium-Tisch aus Marmor-Marketerie von Edward Barber und Jay Osgerby.

Was ist das Besondere an Palladium als Material?

Palladium schimmert kühl und matt statt golden-laut. Es wirkt edel, ohne zu protzen, und passt zur Hermès-Idee von leisem Luxus. Die sichtbaren Hammerspuren zeigen die Handarbeit.

Stellt Hermès auch Kristall her?

Ja, aber über die hauseigene Manufaktur Saint-Louis, gegründet 1586 in Lothringen und die älteste Glasmanufaktur Frankreichs. In der Mailänder Möbel-Präsentation ging es jedoch um Metall, Marmor und Leder, nicht um Kristall.

Wer gestaltete den Stadium-Tisch?

Das Designduo Edward Barber und Jay Osgerby, in Marmor-Marketerie und in Form einer liegenden Acht.

Quelle Titelbild: Pexels / Andreea Ch

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