//CULTUREHochwertige Mode in einem Atelier mit Fokus auf Material und Verarbeitung
21. Oktober 2019 // 08:12 Uhr

Luxusmode geht auch nachhaltig

Sonja Höslmeier·5 min Lesezeit

Luxusmarken wie Gucci, Versace und Burberry brachte man höchstwahrscheinlich lange Zeit nicht in Zusammenhang mit Nachhaltigkeit. Hier erfahrt ihr warum sich das bald ändern könnte.

Gucci, Versace, Burberry: Namen, die man lange mit Begehren und Status verband, selten mit Verantwortung. Das verschiebt sich. Eine Generation von Käuferinnen und Käufern fragt nicht mehr nur, wie ein Stück aussieht, sondern wie und unter welchen Bedingungen es entstanden ist. Mehrere High-Fashion-Häuser haben begonnen, darauf eine Antwort zu geben, manche früher und konsequenter als andere.

Quick Fitting

  • Pionierin: Vivienne Westwood bekannte sich früh zum Thema und gewann weitere Häuser für eine gemeinsame Kampagne
  • Konsequenz: Stella McCartney verzichtet seit 2001 vollständig auf tierische Produkte
  • System statt Symbol: Gucci setzt auf rückverfolgbare Kollektionen und seit 2010 auf zertifizierte, recyclebare Verpackungen

Lange galten Luxus und Nachhaltigkeit als Gegensätze. Einige der einflussreichsten Modehäuser arbeiten daran, das zu widerlegen.

Warum sich der Luxus bewegt

Der Antrieb hinter dem Wandel ist nicht allein moralischer Natur, sondern auch wirtschaftlicher. Untersuchungen zum Konsumverhalten zeigen, dass jüngere Käuferschichten ihre Kaufentscheidung zunehmend davon abhängig machen, ob ein Unternehmen glaubwürdig nachhaltig handelt. Für eine Branche, die von Image und Begehrlichkeit lebt, ist das ein Signal, das niemand ignorieren kann.

Luxusmode hat dabei einen besonderen Hebel. Sie setzt Trends, statt ihnen zu folgen, und was auf den großen Laufstegen Bestand hat, sickert mit Verzögerung in den gesamten Markt. Wenn ausgerechnet die einflussreichsten Häuser Verantwortung zum Teil ihrer Erzählung machen, verschiebt das den Maßstab für die ganze Industrie.

Vivienne Westwood: die frühe Stimme

Kaum ein Label im High-Fashion-Bereich hat sich so früh und so deutlich zum Thema bekannt wie das britische Haus Vivienne Westwood. Die Designerin nutzte ihre Sichtbarkeit nicht nur für Mode, sondern für eine klare Botschaft, und richtete Teile des Herstellungsprozesses konsequent darauf aus, auf Strom aus fossilen Brennstoffen zu verzichten.

Bemerkenswert ist, dass Westwood es nicht beim eigenen Haus beließ. Das Label trat als Initiatorin auf und konnte weitere Unternehmen der Branche dafür gewinnen, sich einer gemeinsamen Kampagne anzuschließen. Aus einer einzelnen Stimme wurde so eine Bewegung, die über die Grenzen des eigenen Ateliers hinausreichte.

Stella McCartney: konsequent ohne Tier

Stella McCartney hat das Thema von Beginn an in die DNA ihres Labels geschrieben. Seit 2001 verzichtet das Haus vollständig auf tierische Produkte, ein Bekenntnis, das in der Welt der Lederwaren und Pelze lange als unvereinbar mit Luxus galt. McCartney bewies das Gegenteil und machte den Verzicht zum Markenzeichen statt zum Kompromiss.

Auch McCartney trat der von Westwood angestoßenen Kampagne bei und verschrieb sich dem Ziel, die Energieversorgung auf erneuerbare Quellen umzustellen. Auf Branchenevents, die Mode und Nachhaltigkeit zusammendenken, werden Westwood und McCartney regelmäßig gemeinsam als Pionierinnen dieser Entwicklung gezeigt.

Gucci: vom Versuch zum System

Bei Gucci verlief der Weg schrittweise, dafür breit angelegt. Das Haus stellte unter anderem eine Handtaschenkollektion vor, deren Herkunft sich vollständig zurückverfolgen lässt, entwickelt in Zusammenarbeit mit einer auf das Thema spezialisierten Beraterin. Transparenz über die Lieferkette ist im Luxussegment kein Detail, sondern ein Versprechen an die Kundschaft.

Schon seit 2010 legt Gucci zudem Wert auf nachhaltigere Verpackungen aus zertifiziertem, recyclebarem Papier. Dass es dem Haus nicht nur um Produkte geht, zeigt eine interne Initiative, die Mitarbeitenden einen Teil ihrer Arbeitszeit für ehrenamtliches Engagement freistellt. Nachhaltigkeit wird so vom Marketingbegriff zur Struktur im Unternehmen.

Close-up of spools of thread and wooden buttons in a container, arranged neatly.
Rückverfolgbare Materialien und zertifizierte Stoffe werden im Luxussegment zum Qualitätsmerkmal.

Zwischen Anspruch und Greenwashing

Bei aller Bewegung lohnt der nüchterne Blick. Ankündigungen sind in der Mode schnell gemacht, und nicht jedes Versprechen hält der Prüfung stand. Der Unterschied zwischen ehrlicher Transformation und gut inszeniertem Greenwashing liegt in der Nachvollziehbarkeit: Wer Herkunft offenlegt, Ziele überprüfbar macht und Rückschritte einräumt, wirkt glaubwürdiger als ein Haus, das nur die passenden Vokabeln verwendet.

Für Käuferinnen und Käufer heißt das, genauer hinzusehen. Zertifikate, rückverfolgbare Kollektionen und konkrete Maßnahmen im Herstellungsprozess sind belastbarere Indizien als eine Hochglanzkampagne. Luxus, der seinen Anspruch ernst meint, scheut diese Offenlegung nicht, sondern sucht sie.

Exciting fashion show event with dazzling lights and a captivated audience.
Die gleißende Lichtinszenierung überstrahlt vor fasziniertem Publikum manchen leeren ökologischen Anspruch.

Was das für den Markt bedeutet

Wenn Häuser von der Strahlkraft eines Gucci oder einer Vivienne Westwood Verantwortung zum festen Bestandteil ihrer Identität machen, entsteht Druck auf den Rest der Branche. Was bei den Tonangebenden zum Standard wird, lässt sich von kleineren Labels schwer ignorieren, ohne im Vergleich rückständig zu wirken.

Der Wandel ist damit nicht abgeschlossen, im Gegenteil. Er steht eher am Anfang. Aber die Richtung ist erkennbar, und sie kommt diesmal nicht von Aktivisten am Rand, sondern aus dem Zentrum des Luxus selbst. Das macht den Unterschied zu früheren Anläufen, die folgenlos verpufften.

Fazit

Nachhaltigkeit und Luxusmode schließen sich längst nicht mehr aus, sie beginnen sich zu bedingen. Vivienne Westwood, Stella McCartney und Gucci stehen für drei unterschiedliche Wege zum selben Ziel: früher Aktivismus, konsequenter Verzicht und schrittweiser Systemwandel.

Ob aus den Anfängen ein dauerhafter Standard wird, entscheidet sich an der Konsequenz, mit der die Häuser ihre Versprechen einlösen. Für eine anspruchsvolle Kundschaft ist die Antwort darauf zunehmend Teil dessen, was ein Stück überhaupt begehrenswert macht.

Kurz geklärt

Warum setzen Luxusmarken überhaupt auf Nachhaltigkeit?

Neben der Verantwortung spielt der Markt eine Rolle. Jüngere Käuferschichten bevorzugen Unternehmen, die glaubwürdig nachhaltig handeln. Für eine Branche, die von Image lebt, ist das ein starkes Argument.

Welches Label gilt als Vorreiter?

Vivienne Westwood bekannte sich besonders früh zum Thema und stieß eine Kampagne an, der sich weitere Häuser anschlossen. Stella McCartney gilt durch den vollständigen Verzicht auf tierische Produkte seit 2001 ebenfalls als Pionierin.

Woran erkennt man echte Nachhaltigkeit statt Greenwashing?

An der Nachvollziehbarkeit: rückverfolgbare Kollektionen, zertifizierte Materialien und konkrete Maßnahmen im Herstellungsprozess sind belastbarer als reine Werbebotschaften.

Bildquelle: Titelbild: Pexels / Olga Solodilova (px:15912761); Beitragsbilder: Pexels / Pavel Danilyuk (px:6461133); Pexels / Thể Phạm (px:28587831).
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