
Le BerLu: Speisen wie in Frankreich, mit einem Stück Bayern
2024 haben wir über das Le BerLu im Münchner Glockenbachviertel geschrieben, ein französisch-spanisches Bistro mit bayerischen Einsprengseln. Was ist daraus geworden? Ein Wiederbesuch und der ehrliche Blick auf ein Menü, das man sich noch leisten kann.
In Deutschland „beim Franzosen“ zu essen, hat lange als teures Vergnügen gegolten, garniert mit näselnder Bedienung und winzigen Portionen zu Heidengeld. Vor zwei Jahren haben wir das Le BerLu im Münchner Glockenbachviertel als Gegenbeweis gefeiert. Wir sind noch einmal hingegangen, und der Befund hält: Hier bekommst du eine ehrliche französisch-spanische Küche zu Preisen, bei denen das Sparschwein heil bleibt.
- Le BerLu, Wittelsbacherstraße 16, direkt an der Isar nahe der Wittelsbacher Brücke, mitten im Glockenbachviertel.
- Küche: französisch-spanische Fusion von Chef Luis Delgado, mit dem einen oder anderen bayerischen Augenzwinkern.
- Preis 2026: Vier-, Fünf- und Sechs-Gang-Menü, sechs Gänge rund 72 Euro. Für Glockenbach-Niveau bemerkenswert fair.
- Stimmung: knapp 30 Plätze, gelbe Wände mit weißem Pflanzendekor, Bistro statt Steifheit.
- Reservieren lohnt: dienstags bis samstags abends, freitags auch mittags. Sonntag und Montag Ruhetag.

Wer in Deutschland französisch essen geht, rechnet im schlimmsten Fall mit einem Hauch von Entrecôte auf einem einsamen Salatblatt, dazu eine Rechnung, die einem den Abend verdirbt. Genau deshalb war das Erstaunen so groß, als wir anlässlich eines runden Geburtstags ein Restaurant fanden, in dem die Vier- bis Sechs-Gang-Menüs damals 62 bis 72 Euro kosten sollten. Eine Empfehlung hatte uns an die Isar gelotst, nahe der Wittelsbacher Brücke. Sie hat sich gelohnt, und zwei Jahre später immer noch.
Ein Bistro mit zwei Heimaten
Das Le BerLu fasst gerade einmal rund 30 Plätze, und der Innenraum sieht im warmen Licht fast sterneverdächtig aus. Den Ton gibt Co-Inhaber und Maître de Cuisine Luis Delgado vor, Franzose mit spanischen Wurzeln, der beide Küchen nicht nebeneinanderstellt, sondern verschränkt. Sein Partner Bernard Le Port kümmert sich um den Service und versprüht dabei französisch zurückhaltenden Charme. Von der näselnden Blasiertheit, die Aristocats und Ratatouille als Klischee unseres Nachbarlandes gezeichnet haben, ist hier nichts zu spüren. Das ist der erste Grund, warum man wiederkommt.
Der zweite ist das Konzept selbst. Die Karte wechselt zwischen französischen Klassikern und spanischen Akzenten, ein Fisch en Papillote neben einer Ceviche, dazu immer wieder ein bayerischer Gruß an die neue Münchner Heimat. Diese Fusion klingt riskant, trägt aber genau die Handschrift, die ein gutes Viertelrestaurant von einer Kette unterscheidet. Wo viele Häuser im Glockenbachviertel inzwischen auf schnellen Durchlauf und hohe Deckungsbeiträge setzen, nimmt sich das Le BerLu Zeit für den einzelnen Teller.
Das Menü, Gang für Gang
Beim ersten Besuch hatten sich alle vier am Tisch für das Fünf-Gang-Menü entschieden. Statt der Weinempfehlung wäre ein Chablis die klügere Wahl gewesen, aber der Preis hat den Ausschlag gegeben, und das ist im Le BerLu kein Widerspruch. Als Entrée gab es ein hervorragendes Lachs-Tartar. Darauf folgte eine verrückt klingende, aber ausgesprochen gelungene Vermählung von Jakobsmuscheln mit Sauerkraut, der erwähnte Gruß nach Bayern.
Was alles in den Schatten stellte, waren die selbstgemachten Eiernudeln mit Trüffelsahne. In die hätten sich alle am Tisch am liebsten hineingelegt.
Es folgten sehr zarte Lammkoteletts, zu denen ein Rotwein gut gepasst hätte. Zum Anstoßen gab es allerdings schon Prickelbrause, und niemand wollte den nächsten Tag verkatert verbringen. Den krönenden Abschluss machte ein warmes Schokoküchlein, das zusammen mit dem Espresso eine echte Geschmacksexplosion war. So ein Menüablauf ergibt erst Sinn, wenn jeder Gang sitzt, und hier saß jeder. Genau das trennt ein durchdachtes Menü von einer beliebigen Gänge-Aufzählung: die Dramaturgie zwischen leicht und kräftig, zwischen Meer und Land.
Warum der Preis die eigentliche Geschichte ist
Ein Fünf-Gang-Menü für rund 65 Euro klingt erst einmal nach normaler Münchner Gastronomie. Der Punkt ist die Relation. Vergleichbare Häuser mit eigener Handschrift rufen im Glockenbachviertel längst dreistellige Beträge auf, oft ohne dass mehr auf dem Teller liegt. Das Le BerLu hält dagegen, ohne an der Qualität zu sparen. Frische Produkte, handgemachte Pasta, ein Service, der weiß, was er serviert: Das ist die Sorte Wertversprechen, die ein Lokal über Jahre trägt, statt es zur einmaligen Anlass-Adresse zu machen.
Gerade in einer Stadt, in der Auswärtsessen zur Budgetfrage geworden ist, ist diese Kalkulation fast eine Haltung. Du gehst nicht zum runden Geburtstag hin und schluckst danach an der Rechnung, du gehst auch an einem normalen Dienstag hin. Genau diese Niedrigschwelligkeit ist im oberen Mittelfeld der Gastronomie selten geworden.
Was 2026 noch gilt
Beim Wiederbesuch hat sich der erste Eindruck bestätigt. Das Le BerLu kocht weiter französisch-spanisch, die Menüstruktur mit vier, fünf oder sechs Gängen ist geblieben, und der Sechs-Gang-Preis liegt aktuell bei rund 72 Euro. Damit ist das Lokal genau dort, wo es 2024 schon war, und das ist in einem Viertel wie dem Glockenbach eine kleine Leistung für sich. Geöffnet ist abends von Dienstag bis Samstag, freitags zusätzlich mittags, Sonntag und Montag bleibt die Küche kalt. Reservieren solltest du, die knapp 30 Plätze sind schnell vergeben.
Das Ambiente trägt nach wie vor: große weiße Pflanzenmuster auf gelber Wand, dazu ein Dekor, das etwas von französischem Chalet mit indischem Touch hat. Vom Hinterhof, von dem die Süddeutsche und Mit Vergnügen schwärmten, hatten wir Ende Februar wieder nichts gesehen. Er bleibt der Vorwand für den nächsten Besuch, der nächste Geburtstag im Kreis der vier ist ohnehin schon eingeplant.
Wer das Le BerLu mag, sollte sich auch das Ahimsa in München ansehen, wenn es um bewussten Genuss geht, oder das Yanyou, das ein gutes Stück China nach München holt. Drei Adressen, ein Prinzip: gute Küche muss nicht abgehoben sein.
Gut zu wissen
▸Wo genau liegt das Le BerLu?
In der Wittelsbacherstraße 16, mitten im Münchner Glockenbachviertel, direkt an der Isar nahe der Wittelsbacher Brücke. Vom Gärtnerplatz aus erreichst du es in wenigen Minuten zu Fuß.
▸Was kostet ein Menü 2026?
Es gibt vier, fünf oder sechs Gänge. Das Sechs-Gang-Menü liegt aktuell bei rund 72 Euro, womit das Preisniveau seit unserem ersten Besuch praktisch stabil geblieben ist.
▸Welche Küche serviert das Le BerLu?
Eine Fusion aus französischer und spanischer Küche, geprägt von Chef Luis Delgado, der Franzose mit spanischen Wurzeln ist. Dazu kommen vereinzelt bayerische Akzente.
▸Wann hat das Le BerLu geöffnet?
Abends von Dienstag bis Samstag, freitags zusätzlich mittags. Sonntag und Montag ist Ruhetag. Wegen der knapp 30 Plätze ist eine Reservierung empfehlenswert.



