
Diese Feinkost-Onlineshops haben den E-Food-Hype überlebt
2020 haben wir drei Feinkost-Onlineshops empfohlen, die das Kochen zu Hause besonders machen sollten. Sechs Jahre später ziehen wir Bilanz: Wer hat überlebt, wer ist gewachsen, und was wurde aus dem großen Lieferdienst-Versprechen?
Im Februar 2020 haben wir an dieser Stelle drei Feinkost-Onlineshops vorgestellt, die das Kochen zu Hause auf ein neues Niveau heben sollten: EinStückLand für Fleisch von glücklichen Tieren, BOS FOOD für Gourmet-Raritäten und okäse für handwerklichen Käse. Was wurde daraus? Die kurze Antwort: Alle drei gibt es 2026 noch, und das ist alles andere als selbstverständlich. Drumherum hat der Online-Lebensmittelhandel nämlich eine Achterbahn hinter sich, auf der viele laut gestartete Anbieter wieder verschwunden sind.
- EinStückLand, BOS FOOD und okäse sind 2026 alle drei weiter aktiv und liefern bundesweit.
- BOS FOOD ist vom Garagen-Start 1990 zu Deutschlands führendem Delikatessenhändler mit rund 170 Mitarbeitenden gewachsen. Gründer Ralf Bos hat die Geschäftsführung Anfang 2025 übergeben.
- Der gesamte Online-Lebensmittelhandel in Deutschland liegt 2025 bei rund 4,1 Milliarden Euro Umsatz, aber nur bei etwa 4,3 Prozent Marktanteil.
- Der Schnelllieferdienst-Hype ist geplatzt: Gorillas und Getir haben Deutschland verlassen, von den großen Namen ist im Wesentlichen nur das Rewe-finanzierte Flink übrig.
- Spezialisierte Genuss-Shops mit klarer Herkunft schlagen sich besser als die breiten Lieferdienste, die auf reine Bequemlichkeit setzen.

Was wir 2020 schrieben: So richtig durchgestartet ist der Online-Handel einst mit dem Bücherversand. Längst kaufen viele fast alles im Netz, von Kleidung bis zur Zahnpasta. Nur ihre Lebensmittel bestellten die wenigsten online. Start-ups und Gourmets wollten das gerade ändern, und wir zeigten dir drei Shops, die man kennen sollte. Sechs Jahre später lohnt der zweite Blick, denn die spannende Frage ist nicht, welche neuen Shops es gibt, sondern welche von damals heute noch stehen.
EinStückLand: Fleisch von glücklichen Tieren, immer noch
Für die beiden Gründer von EinStückLand war schon damals klar: Fleisch ist etwas Besonderes, und so sollte man es auch behandeln. Lieber selten, dafür gut. Die beiden Nordlichter verschicken Spezialitäten von kleinen Höfen aus Schleswig-Holstein, vom Galloway-Rind bis zu Paketen, mit denen du verschiedene Teile vom Tier kennenlernst. Genau dieses Versprechen, Herkunft und Tierwohl statt Masse, hat sich als tragfähig erwiesen. Der Shop liefert 2026 weiterhin bundesweit gekühlt nach Hause und hat sein Sortiment um Angus, Welsh Black und Schwein vom Bunten Bentheimer Landschwein erweitert. Wer Wert auf Qualität statt Quantität legt, findet hier genau das, was den Unterschied macht, sei es für das Sonntagsessen oder für die Sterneküche-Ambitionen in der eigenen Küche.
BOS FOOD: vom Wildreis zum Imperium der Delikatessen
Bei BOS FOOD kommen Gourmets ganz auf ihre Kosten. Kaviar, Trüffel, Austern, Foie Gras, Champagner: Was die gehobene Küche braucht, liegt hier im Sortiment. Die Geschichte dahinter ist beeindruckend. Ralf Bos startete 1990 mit einem einzigen Produkt, Wildreis, und einer einzigen Arbeitskraft. Daraus ist Deutschlands führender Delikatessenhändler mit rund 170 Mitarbeitenden geworden, der etwa 20.000 Kunden aus Handel und Spitzengastronomie sowie über 11.000 private Feinschmecker beliefert. Für viele Spitzenrestaurants in Europa zählt das Haus aus Meerbusch zu den wichtigsten Lieferanten überhaupt. 2025 hat Gründer Ralf Bos die operative Geschäftsführung an die nächste Generation übergeben, das Geschäft läuft weiter. Wenn du also ein Gericht aufgibst, weil du eine Zutat vor Ort nicht bekommst, lohnt der Blick zu BOS FOOD. Hier gibt es nahezu alles.
Was 1990 in einer Garage mit einem Sack Wildreis begann, beliefert heute die wichtigsten Sternerestaurants Europas. So sieht ein Online-Shop aus, der den Hype überdauert.
okäse: nachhaltig, handwerklich, lebendig
Bei okäse gibt es Käsespezialitäten aus ganz Europa, viele davon aus Rohmilch von Hof- und Dorfkäsereien, Klöstern und Almen. Das Schöne daran: Das Ganze ist konsequent nachhaltig gedacht. Der Käse kommt recyclebar verpackt, die mitgeschickten Kühlpacks sind wiederverwendbar. Im Paket liegen außerdem Anleitungen, wie du den Käse richtig verkostest, sodass du Schritt für Schritt zum eigenen Käse-Sommelier wirst. Auch okäse liefert 2026 weiter, inzwischen aus Haren an der Ems, mit Versand binnen zwei bis drei Werktagen. Dass gerade dieser bewusste, etwas langsamere Ansatz Bestand hat, passt ins Bild: Nicht der schnellste Shop gewinnt, sondern der mit der klarsten Idee.
Was aus dem großen Liefer-Versprechen wurde
Für alle, die nichts Spezielles suchen und sich nur den Weg zum Supermarkt sparen wollten, schien 2020 die Zukunft greifbar: Rewe und Edeka bauten ihre eigenen Online-Shops aus, und kurz darauf versprachen Schnelllieferdienste wie Gorillas, Flink und Getir Lebensmittel in zehn Minuten an die Haustür. Daraus wurde eine teure Lektion. Gorillas wurde von Getir geschluckt, und Getir hat das Deutschlandgeschäft 2024 wieder aufgegeben. Von den großen Namen ist im Wesentlichen Flink übrig, an dem Rewe beteiligt ist, und auch dort musste die Belegschaft von rund 21.000 auf etwa 13.000 Stellen schrumpfen. Branchenkenner gehen davon aus, dass Lebensmittel-Lieferung in Deutschland kaum über 5 bis 10 Prozent des gesamten Einkaufs hinauskommt, weil die meisten weiter gern selbst in den Laden gehen. Der gesamte Online-Lebensmittelumsatz lag 2025 bei rund 4,1 Milliarden Euro, das sind aber nur etwa 4,3 Prozent Marktanteil. Wer dagegen nach Frische und Saison sucht, fährt mit regionalen Gemüsekisten vom Hof um die Ecke oft besser, denn dort ist die Ware nicht nur frischer, sondern auch wirklich saisonal. Mehr Inspiration fürs bewusste Essen liefert auch unser Überblick zu Streetfood rund um die Welt.
Die eigentliche Erkenntnis nach sechs Jahren: Die lautesten Anbieter, die auf reine Geschwindigkeit und Masse gesetzt haben, sind verschwunden oder geschrumpft. Geblieben sind die Spezialisten mit einer klaren Haltung zu Herkunft, Handwerk und Qualität. Genau die drei Shops, die wir dir 2020 ans Herz gelegt haben, gehören dazu. Manchmal ist der beste Online-Einkauf eben nicht der schnellste, sondern der mit der besten Geschichte auf dem Teller.
Gut zu wissen
▸Gibt es EinStückLand, BOS FOOD und okäse 2026 noch?
Ja, alle drei Shops sind weiter aktiv und liefern bundesweit. EinStückLand verschickt Fleisch aus Schleswig-Holstein, BOS FOOD die ganze Bandbreite an Delikatessen, okäse handwerklichen Käse aus Rohmilch.
▸Wie groß ist BOS FOOD heute?
BOS FOOD ist aus einem Ein-Produkt-Start 1990 zu Deutschlands führendem Delikatessenhändler mit rund 170 Mitarbeitenden gewachsen. Beliefert werden etwa 20.000 Kunden aus Handel und Gastronomie sowie über 11.000 private Feinschmecker. Gründer Ralf Bos hat die Geschäftsführung Anfang 2025 übergeben.
▸Warum sind die Schnelllieferdienste gescheitert?
Gorillas, Getir und Co. haben auf Lieferung in Minuten gesetzt, fanden aber zu wenig zahlende Kundschaft bei hohen Kosten. Getir hat Deutschland 2024 verlassen, von den großen Namen ist im Wesentlichen das Rewe-finanzierte Flink übrig, das ebenfalls Stellen abgebaut hat.
▸Lohnt es sich überhaupt, Lebensmittel online zu kaufen?
Für den Wocheneinkauf bleibt der Laden für die meisten erste Wahl, der Online-Anteil liegt nur bei rund 4,3 Prozent. Für Besonderes lohnt es sich aber: Spezialitäten, die du vor Ort nicht bekommst, holst du dir bequem von spezialisierten Shops mit klarer Herkunft nach Hause.



