//DRIVEHeckpartie eines Hypercars mit Carbon-Spoiler bei Nacht, als visuelle Annaeherung an den Hyperion XP-1
9. September 2020 // 19:53 Uhr

Haltet euch fest, denn jetzt wird es furios: Hyperion stellt Hypercar vor

InspiredByLuxury·Aus dem Archiv, neu aufgelegt

P20 stellte das Start-up Hyperion sein Wasserstoff-Hypercar XP-1 vor: 355 km/h, 1.600 Kilometer Reichweite, fuenf Minuten Tanken. Wir haben damals berichtet. Was wurde daraus?

Im August 2020 zeigte ein kalifornisches Start-up namens Hyperion ein Auto, das alle Regeln brechen wollte: 355 km/h Spitze, rund 1.600 Kilometer Reichweite, in fünf Minuten getankt, und am Auspuff nur Wasserdampf. Wir haben damals über den XP-1 berichtet. Heute, einige Jahre später, steht fest: Das Auto faszinierte die Branche, blieb aber bis heute eine Vision. In Serie ging es nie.

Damals war die Aufregung groß, und sie war verständlich. Wasserstoff galt als die elegante Antwort auf die Frage, die batterieelektrische Autos bis heute nicht ganz lösen: Reichweite ohne Wartezeit. Hyperion versprach genau das, verpackt in eine Karosserie, die aussah wie aus einem Science-Fiction-Film. Was der XP-1 wirklich konnte, was davon eintraf und warum aus dem Versprechen bislang kein Serienauto wurde, nehmen wir für dich auseinander.

Boxenstopp

  • Wasserstoff statt Batterie: Der XP-1 nutzt eine Brennstoffzelle, die Elektromotoren speist. Abgas: nur Wasserdampf.
  • Die Eckdaten 2020: über 355 km/h Spitze, 0 auf 97 km/h in unter 2,2 Sekunden, rund 1.600 Kilometer Reichweite, Tankzeit unter fünf Minuten.
  • Streng limitiert: Geplant waren 300 Stück, Produktionsstart für 2022 angekündigt, Preis rund 2 Millionen Euro pro Wagen.
  • Der Stand heute: Serie nie gestartet. Hyperion nimmt weiter Bestellungen, der Bau einer Fabrik in Columbus, Ohio wurde 2024 in Aussicht gestellt.
  • Das eigentliche Problem: nicht das Auto, sondern die fehlende Wasserstoff-Infrastruktur. Tankstellen gibt es in den USA praktisch nur in Kalifornien.
Heckpartie eines Hypercars mit Carbon-Spoiler bei Nacht, als visuelle Annaeherung an den Hyperion XP-1

Was machte den XP-1 zum Ausnahmeprojekt?

Hyperion ging das Thema von der falschen, also von der interessanten Seite an. Statt ein Elektroauto zu bauen und Reichweite über immer größere Batterien zu erkaufen, setzte das Team auf eine Wasserstoff-Brennstoffzelle, die Strom direkt an Bord erzeugt. Die Motoren sind elektrisch, der Energieträger ist Wasserstoff. Das Ergebnis: ein Antrieb, der die Spontaneität eines E-Autos mit der Reichweite eines Verbrenners verbinden sollte, ohne lokale Emissionen.

Die Zahlen, die Hyperion 2020 nannte, lasen sich wie ein Wunschzettel. Über 355 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der Sprint aus dem Stand auf knapp 97 km/h in unter 2,2 Sekunden, ein Wert auf Bugatti-Niveau. Eine Reichweite von rund 1.600 Kilometern mit einer Tankfüllung, mehr als jedes Serienauto seiner Zeit. Und das Nachtanken in unter fünf Minuten, also kein stundenlanges Laden am Schnelllader. Gebaut werden sollte der Wagen aus Karbon und Titan, und im Innenraum kündigte Hyperion einen geschwungenen Bildschirm von fast 2,5 Metern Breite an. Bei der Entwicklung holte sich das Unternehmen nach eigenen Angaben Erfahrung aus der Luft- und Raumfahrt, NASA-Material inklusive.

Der XP-1 verkaufte nicht ein Auto, sondern eine Idee: dass emissionsfreies Fahren nicht nach Verzicht aussehen muss.

Genau das war der Reiz. Der XP-1 war nie als Massenprodukt gedacht. Geplant waren 300 Exemplare, Produktionsstart 2022, Stückpreis rund 2 Millionen Euro. Ein Schaustück mehr als ein Verkaufsschlager, eine Demonstration dessen, was mit Wasserstoff möglich sein könnte. Und als Demonstration funktionierte er. Das Design polarisierte, die Daten beeindruckten, die Fachpresse rund um den Globus berichtete. Ein erster Prototyp drehte später sogar Runden auf echter Straße.

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Warum steht der XP-1 bis heute nicht beim Händler?

Der angekündigte Produktionsstart 2022 verstrich. Auch danach kam kein Serienauto. Als Grund nannte Hyperion 2023 unter anderem die Brennstoffzelle selbst: Der Aufbau der Fertigung verzögerte sich, Lieferketten-Probleme spielten hinein. Gründer Angelo Kafantaris stellte im Herbst 2024 in Aussicht, dass eine Fabrik in Columbus, Ohio bald gebaut werden könnte. Bestellungen nimmt das Unternehmen weiter entgegen, und im Jahr 2024 tauchte einer von sieben Entwicklungs-Prototypen sogar in einer Auktion auf, allerdings mit batterieelektrischem Antrieb statt der Wasserstoff-Technik.

Das eigentliche Hindernis liegt aber gar nicht beim Auto. Es liegt an der Tankstelle. Wasserstoff für Pkw zu tanken ist in den USA fast nur in Kalifornien möglich, das praktisch das gesamte öffentliche Netz stellt. Ein Auto mit 1.600 Kilometern Reichweite nützt wenig, wenn man es außerhalb eines Bundesstaates nicht nachtanken kann. Genau hier zeigt sich das Dilemma der Wasserstoff-Mobilität: Die Technik ist da, das Netz dahinter fehlt. Während Hyperion wartete, hat die Konkurrenz aus dem Batterie-Lager Reichweiten und Ladegeschwindigkeiten kräftig nachgelegt, und das Ladenetz ist gewachsen.

Bleibt der XP-1 also eine schöne Idee ohne Zukunft? Nicht ganz. Als Konzept hat er gezeigt, dass Wasserstoff im Hochleistungssegment funktionieren kann, und er hat eine Debatte angestoßen, die länger hält als jeder Messeauftritt. Ob das Auto je in Serie geht, ist offen. Als Statement, dass nachhaltiges Fahren auch radikal aussehen darf, hat er sich längst bewährt. Wie sich nachhaltige Antriebe abseits der Hypercar-Bühne entwickeln, zeigt etwa das Sion, ein Auto, das sich selbst auflädt, oder unser Blick auf drei Gründe für ein grünes Auto. Und wer beim Thema Tempo bleiben will: Wir haben auch das schnellste Auto der Welt unter die Lupe genommen.

Die Details

Wird der Hyperion XP-1 noch gebaut?

Stand heute ist der XP-1 nicht in Serie gegangen. Der für 2022 angekündigte Produktionsstart verstrich, Bestellungen nimmt Hyperion weiter entgegen. 2024 stellte das Unternehmen den Bau einer Fabrik in Columbus, Ohio in Aussicht, ein konkreter Auslieferungstermin fehlt aber.

Wie schnell ist der Hyperion XP-1?

Hyperion nannte 2020 eine Höchstgeschwindigkeit von über 355 km/h und einen Sprint von 0 auf rund 97 km/h in unter 2,2 Sekunden. Die Reichweite gab das Unternehmen mit etwa 1.600 Kilometern pro Tankfüllung an.

Wie funktioniert der Wasserstoff-Antrieb?

Eine Brennstoffzelle erzeugt aus Wasserstoff an Bord Strom, der die Elektromotoren antreibt. Als Abgas entsteht nur Wasserdampf. Getankt wird Wasserstoff in wenigen Minuten, statt das Auto wie ein reines E-Auto stundenlang zu laden.

Warum setzt sich Wasserstoff im Auto so schwer durch?

Weniger an der Technik, mehr an der Infrastruktur. Öffentliche Wasserstoff-Tankstellen für Pkw sind selten, in den USA praktisch auf Kalifornien beschränkt. Ohne dichtes Tanknetz bleibt selbst eine große Reichweite im Alltag schwer nutzbar.

Bildquelle: Bildquelle Titelbild: Pexels / Quentin Martinez (Symbolbild)
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