//TASTEGlühwein mit Orangenscheiben, Zimtstangen und Tannengrün als winterliches Stillleben
23. November 2020 // 14:17 Uhr

Heiße Getränke für kalte Tage

InspiredByLuxury·Aus dem Archiv, neu aufgelegt

2020 haben wir euch gezeigt, wie ihr Glühwein zuhause besser macht als jeder Marktstand. Fünf Winter später halten genau diese Rezepte – und ein Trend ist dazugekommen.

Im Winter 2020 haben wir hier zum ersten Mal aufgeschrieben, wie du Glühwein zuhause aufpeppst, statt ihn dir am Stand in den Plastikbecher schütten zu lassen. Die Frage damals: Geht das besser als der süße Standard, der spätestens nach zwei Tassen Kopfweh macht? Antwort nach fünf Wintern: ja, und es ist einfacher als gedacht. Drei Rezepte, ein paar Regeln, und du hast ein Heißgetränk, das du auch dem anspruchsvollsten Gast einschenken kannst.

Amuse-Bouche

  • Selbstgemachter Glühwein scheitert fast nur an einem Fehler: zu heiß. Über 78 Grad verdampft der Alkohol, das Aroma kippt ins Bittere.
  • Weißer Glühwein ist der Aufsteiger der letzten Jahre. Weniger Gerbstoffe, mehr Säure, deutlich trinkfreudiger als die rote Variante.
  • Wer keinen Wein will, mixt einen Glühgin mit Apfelsaft und denselben Gewürzen. Edel, klar im Geschmack, alkoholärmer.
  • Qualität entscheidet sich am Grundwein, nicht am Zuckerguss. Ein trockener Rotwein für ein paar Euro mehr schlägt jeden Discounter-Glühwein.
  • Frisch reiben, nicht aus der Tüte: ganze Zimtstangen, echte Nelken, Orangenschale ungespritzt. Das ist der ganze Unterschied.
Glühwein mit Orangenscheiben, Zimtstangen und Tannengrün als winterliches Stillleben

Ob mit Äpfeln, Zimt, Ingwer, Orange oder einem Schuss Gin: Es gibt unzählige Varianten, und trotzdem landet bei den meisten von uns Jahr für Jahr derselbe süße Standard im Becher. Dabei braucht es weder eine Hütte noch ein Sommelier-Diplom, um das zu ändern. Wir zeigen euch drei Rezepte, die wir selbst durch mehrere Winter getragen haben, plus die Regeln, an denen der gute vom mittelmäßigen Glühwein hängt.

Die eine Regel, an der alles hängt: nicht kochen

Der häufigste Fehler beim Glühwein zuhause ist banal und teuer zugleich. Wer den Topf zu heiß werden lässt, treibt den Alkohol aus und verbrennt die Gewürze. Ab etwa 78 Grad verdampft der Alkohol, und genau in dem Moment verliert der Glühwein seinen Körper und schmeckt plötzlich bitter statt rund. Die Faustregel: Auf kleiner Stufe erhitzen, bei 60 bis 70 Grad halten, niemals sprudelnd kochen lassen. Ein einfaches Küchenthermometer für ein paar Euro nimmt euch das Raten ab.

Der zweite Hebel ist der Grundwein. Glühwein ist kein Ort, um den billigsten Wein loszuwerden, im Gegenteil. Ein trockener Rotwein mit fruchtigem Profil, etwa ein Dornfelder oder ein leichter Merlot, gibt euch eine Basis, die die Gewürze trägt statt zu überdecken. Der Aufpreis zum Discounter-Glühwein liegt bei wenigen Euro pro Flasche, der Unterschied im Glas ist deutlich.

Guter Glühwein entscheidet sich am Grundwein und an der Temperatur, nicht an der Menge Zucker, die ihr hinterherkippt.

1. Der selbstgemachte Klassiker

Gemütlichkeit zuhause statt Gedränge auf dem Markt: Dieses Rezept ist die Basis, von der aus ihr variieren könnt. Für rund einen Liter:

Alle Zutaten bis auf Rum und Zucker in einen Topf geben und auf niedriger Stufe erhitzen, ohne zu kochen. Danach Rum und Zucker einrühren und noch einmal kurz erwärmen. Gewürze und Orangenscheiben abseihen, sofort heiß servieren. Wer mag, gibt Vanilleschote, frischen Ingwer, etwas Muskat oder ein paar Wacholderbeeren dazu. Der Zucker kommt bewusst zum Schluss: So schmeckt ihr ab, statt blind nachzusüßen.

2. Der Weiße, der heimliche Star

Wer eigentlich lieber Weißwein trinkt, muss sich im Winter nicht mit Rotwein quälen. Der weiße Glühwein war vor wenigen Jahren noch eine Randnotiz und hat sich seitdem zum echten Trend gemausert. Kein Zufall: Deutschland ist ein Weißweinland, und die helle Variante bringt mit, was viele am Roten stört. Weißwein hat deutlich weniger Gerbstoffe und mehr Säure, das macht den Glühwein leichter, frischer und trinkfreudiger.

Alles zusammen in den Topf geben und langsam warm werden lassen. Nach rund zehn Minuten vom Herd nehmen, den Honig erst jetzt unterrühren, damit er nicht karamellisiert, und genießen. Wer es eine Stufe besser will, greift zum Winzerglühwein als Grundlage. Diesen Begriff darf nur tragen, was direkt vom Winzer aus eigenen Trauben stammt, an klare Vorgaben gebunden und im eigenen Betrieb produziert. Das schmeckt man: nuancierter, frischer, weiter weg vom Sirup.

3. Der Glühgin für alle ohne Wein

Ihr wollt einen edlen, selbstgemixten Winterdrink ganz ohne Wein? Dann ist der Glühgin die Antwort. Klar im Geschmack, alkoholärmer als die Wein-Varianten, und durch die Gewürze trotzdem unverkennbar nach Winter.

Apfelsaft mit Ingwer, Zimt, Nelken und Orangenschale sanft erhitzen, ein paar Minuten ziehen lassen, abseihen und mit dem Gin aufgießen. Heiß servieren. Wer eine alkoholfreie Runde mitversorgen will, lässt den Gin einfach weg und hat einen würzigen Wintertee, der mit dem Original problemlos mithält.

Mit diesen drei Rezepten und der einen Temperaturregel kann die Vorweihnachtszeit beginnen. Wer das Thema warmes Würzgetränk auch jenseits von Alkohol weiterdenkt, findet bei unseren Ingwer-Orange-Shots fürs Immunsystem die passende Ergänzung für kalte Wochen. Und falls ihr im Sommer wieder Lust auf Selbstgemixtes bekommt, warten unsere ungewöhnlichen Sommer-Cocktails schon auf euch.

Gut zu wissen

Warum darf Glühwein nicht kochen?

Ab etwa 78 Grad verdampft der Alkohol, und die Gewürze werden bitter. Haltet den Glühwein bei 60 bis 70 Grad, dann bleiben Aroma und Körper erhalten. Ein günstiges Küchenthermometer hilft.

Welcher Wein eignet sich am besten?

Ein trockener, fruchtiger Rotwein wie Dornfelder, Spätburgunder oder ein leichter Merlot. Wichtiger als die Sorte ist, dass der Grundwein ordentlich ist. Am Wein zu sparen rächt sich im Glas.

Was ist der Unterschied zwischen weißem und rotem Glühwein?

Weißer Glühwein hat weniger Gerbstoffe und mehr Säure, dadurch wirkt er leichter und frischer. Roter ist kräftiger und süßer im Eindruck. Der Weiße ist in den letzten Jahren klar im Kommen.

Wie viel Zucker braucht guter Glühwein?

Weniger als man denkt. Gebt den Zucker oder Honig immer erst am Schluss dazu und schmeckt ab. So vermeidet ihr den klebrig-süßen Standardgeschmack, der nach zwei Tassen reicht.

Bildquelle: Pexels / Leeloo The First

Weiterlesen

Mehr aus //TASTE

Warum echtes Brot drei Tage braucht
//TASTE

Warum echtes Brot drei Tage braucht

12. Juli 2026
Foie Gras ohne den Zwang
//TASTE

Foie Gras ohne den Zwang

12. Juli 2026
Vegane Rezepte: perfekte Mahlzeiten wenn es draußen immer kühler wird
//TASTE

Vegane Rezepte: perfekte Mahlzeiten wenn es draußen immer kühler wird

26. Juni 2026