
Geheimtipps für die Cote d’Azur
Nicht nur Nizza, Cannes oder St. Tropez sollten auf eurer Liste stehen! Es gibt noch so viele geheimere Orte an der Cote d’Azur, die euch begeistern werden!
Die Côte d’Azur hat ihre Pflicht-Adressen längst abgearbeitet: St. Tropez, Nizza, Cannes, Monaco. Wer die Küste Südfrankreichs wirklich verstehen will, fährt weiter und hält an den Stellen, die auf keiner Massentour-Route stehen. Drei davon verdienen besondere Aufmerksamkeit.
- Klima: Menton hat mehr als 300 Sonnentage im Jahr, das mildeste Klima im Mittelmeerraum
- Route: Die Corniche d’Or erstreckt sich auf etwa 30 Kilometern zwischen Saint-Raphaël und Mandelieu-la-Napoule
- Anreise: Menton ist von Nizza aus mit dem Zug erreichbar, Port Grimaud und die Corniche d’Or setzen ein Fahrzeug voraus
Abseits der großen Namen an der Côte d’Azur liegen drei Orte, die das Reisebild grundlegend verschieben.
Menton: Zitronen, Sonne und italienisches Flair
Menton ist das Städtchen, das mit dem mildesten Klima im gesamten Mittelmeerraum aufwartet. An mehr als 300 Tagen im Jahr scheint dort die Sonne, was der Vegetation und dem Lebensgefühl gleichermaßen zugute kommt. Die Stadt liegt knapp eine halbe Stunde von Nizza entfernt, unmittelbar an der italienischen Grenze, und trägt diesen Grenzcharakter offen nach außen: Die Architektur, die ockerfarbenen Fassaden, der Rhythmus der Straßen, all das verweist eher auf Ligurien als auf die Provence.
Das kulinarische Wahrzeichen der Stadt ist die Zitrone. Menton gilt als eine der besten Zitronenanbauregionen Frankreichs, und das schlägt sich in der lokalen Küche nieder: Tarte au Citron und Zitronenmarmeladen in handwerklicher Qualität sind in den Fachgeschäften der Altstadt keine Touristenware, sondern Teil des alltäglichen Lebens. Wer Zeit hat, sollte durch die Gassen der Oberstadt schlendern und den Panoramablick auf das Meer genießen, der sich von dort oben fast unvermittelt auftut.
Port Grimaud: die Lagunenstadt in der Bucht von St. Tropez
Direkt in der Bucht von St. Tropez liegt Port Grimaud, eine Stadt, die man als französisches Venedig beschreiben könnte, und damit durchaus trifft. Bunte Häuserfassaden, unzählige Brücken, ein verzweigtes Kanalnetz: Das Ensemble ist kompakt genug, um es zu Fuß zu erfassen, und dabei so kohärent gestaltet, dass es trotz seines vergleichsweise jungen Entstehungsdatums nicht künstlich wirkt.
Wer dort für einige Tage unterkommt, erlebt ein Quartier, in dem Boote zum Alltag gehören. Viele Unterkünfte direkt am Kanal verfügen über eigene Anlegestellen, nicht überall, aber oft genug, dass das Bild am Morgen so aussieht, wie man es sich vorstellt. Kleine Boote lassen sich vor Ort mieten, um selbst durch die schmalen Kanäle zu fahren. Das ist die naheliegendste Art, Port Grimaud vom Wasser aus zu erleben.
Corniche d’Or: 30 Kilometer roter Sandstein und Meeresblick
Die Küstenstraße Corniche d’Or gilt als eine der schönsten Strecken Südfrankreichs. Auf etwa 30 Kilometern verläuft sie direkt entlang des Meeres und verbindet Saint-Raphaël mit Mandelieu-la-Napoule. Was die Route auszeichnet, ist nicht allein der Meeresblick, sondern das Zusammenspiel aus Wasser und dem charakteristischen roten Sandstein, der an dieser Küste aus dem Boden bricht und die Felsen in einer Farbe erscheinen lässt, die man anderswo an der Côte d’Azur nicht findet.
Die Strecke fährt sich am besten am späten Nachmittag. Das Licht steht dann tief, die Sonne wirft lange Schatten auf den Stein, und wenn das Abendrot über dem Meer liegt, ist die Route weit mehr als eine Verbindung zwischen zwei Punkten. Wer Zeit einplant, kann an mehreren Aussichtspunkten anhalten und die Kulisse ohne Eile auf sich wirken lassen.
Warum diese drei Orte so unterschiedlich sind
Menton, Port Grimaud und die Corniche d’Or teilen kaum etwas miteinander, außer dass sie weniger frequentiert sind als die großen Namen der Riviera. Menton ist eine echte Stadt mit eigenem Charakter und eigener Geschichte an einer Sprachgrenze; Port Grimaud ist ein architektonisches Projekt, das zur lebendigen Siedlung geworden ist; die Corniche d’Or ist Natur und Infrastruktur zugleich, eine Straße, die man nicht nutzt, um irgendwo anzukommen, sondern um unterwegs zu sein.

Genau diese Verschiedenheit macht eine Kombination der drei lohnenswert. Man reist in drei sehr unterschiedliche Erfahrungen innerhalb eines geographisch recht kompakten Rahmens. Die Côte d’Azur hat auf wenigen Kilometern mehr zu bieten als ihr Ruf als Prominenten-Kulisse nahelegt.
Praktische Einordnung: Wie man diese Orte ansteuert
Menton ist von Nizza aus mit dem Zug bequem erreichbar und damit der einfachste Tagesausflug der drei Orte. Wer kein Auto hat, kommt hier am problemlosesten hin. Port Grimaud liegt in der Nähe von Saint-Tropez und ist mit einem Mietwagen am angenehmsten zu erkunden, der Ort selbst ist autofrei, was seinen Reiz ausmacht, aber eine Anreise per öffentlichem Nahverkehr aufwendiger gestaltet.
Die Corniche d’Or setzt ein Fahrzeug voraus, da der eigentliche Wert der Strecke im Fahren selbst liegt. Ein Motorrad oder ein Cabrio sind die ehrlichen Optionen für diese Route, für eine Reise, bei der das Fahren kein Mittel zum Zweck ist, sondern das Ziel selbst. Wer die drei Orte kombiniert, sollte dafür mindestens zwei bis drei Tage einplanen.

Die Côte d’Azur jenseits der ersten Reihe
Die bekanntesten Orte der Riviera, Nizza, Cannes, Monaco, Saint-Tropez, verdienen ihren Ruf nicht ohne Grund. Aber sie tragen auch die Last ihres Ruhms: hohe Preise, volle Strände, ein Erlebnis, das sich mit den Erwartungen überlagert. Die drei hier beschriebenen Orte funktionieren anders. Sie setzen keine Vorkenntnisse voraus und liefern auch keine Inszenierung.
Menton, Port Grimaud und die Corniche d’Or sind keine Geheimtipps im Sinne von unentdeckten Nischen, aber sie sind Orte, an denen der Küstenurlaub an der Côte d’Azur eine andere Textur bekommt. Wer einmal dort war, versteht, warum die großen Namen nur ein Teil des Bildes sind.
Fazit
Die Côte d’Azur hat mehr Gesichter als die Hochglanzfassade, die sie nach außen zeigt. Menton überrascht mit seinem ligurischen Charakter und dem besten Klima der Region; Port Grimaud schafft eine Atmosphäre, die zwischen Stadt und Wasser kaum eine Grenze kennt; die Corniche d’Or bietet eine der seltenen Strecken, auf denen das Fahren selbst der Höhepunkt ist.
Wer die Riviera jenseits der ersten Reihe erkunden will, findet in diesen drei Orten einen guten Anfang, und vermutlich den Wunsch, noch länger zu bleiben, als geplant.
Gut zu wissen
▸Warum gilt Menton als Geheimtipp an der Côte d’Azur?
Menton liegt direkt an der italienischen Grenze und hat einen deutlich anderen Charakter als die bekannten Riviera-Orte. Das mildeste Klima im Mittelmeerraum, das ligurisch geprägte Stadtbild und die lokale Zitronenkultur machen es zu einem eigenständigen Reiseziel, ohne die übliche Riviera-Inszenierung.
▸Was macht Port Grimaud besonders?
Port Grimaud ist eine Lagunenstadt in der Bucht von St. Tropez mit einem Netz aus Kanälen, Brücken und bunten Häusern. Der Ort ist autofrei, viele Unterkünfte haben direkten Wasseranschluss, und kleine Boote lassen sich vor Ort mieten. Das Ensemble ist kompakter und zugänglicher als sein Ruf vermuten lässt.
▸Wann fährt man die Corniche d’Or am besten?
Am späten Nachmittag, wenn das Licht tief steht und den charakteristischen roten Sandstein der Küste in warme Töne taucht. Die Strecke führt auf etwa 30 Kilometern direkt am Meer entlang und ist als Erlebnis konzipiert, nicht als Abkürzung.



