//TRAVELGeschwungener Radweg am Ufer eines stillen Teichs in der Teichlandschaft De Wijers in Belgisch-Limburg
5. März 2020 // 13:09 Uhr

Radfahren durch das Wasser: einer der schönsten Radwege Belgiens

InspiredByLuxury·Aus dem Archiv, neu aufgelegt

Im Frühjahr 2020 haben wir über den versunkenen Radweg in Bokrijk geschrieben, auf dem du dem Wasser auf Augenhöhe begegnest. Was wurde aus dem Belgier, der die Welt verblüffte? Wir haben nachgesehen.

Ja, der Radweg durch das Wasser von Bokrijk existiert noch, und ja, er ist jeden Umweg wert. Seit April 2016 führt dich ein 212 Meter langer, 1,60 Meter tief abgesenkter Betonpfad mitten durch einen Teich der belgischen Teichlandschaft De Wijers. Das Wasser steht links und rechts auf Augenhöhe, und nass wirst du trotzdem nicht. Wir haben den Klassiker aus unserem Archiv von 2020 noch einmal abgefahren und nachgeprüft, was geblieben ist.

Boarding

  • Der Radweg liegt bei Knotenpunkt 91 des Radknotennetzes in der Domäne Bokrijk, Belgisch-Limburg, mitten in der Teichlandschaft De Wijers.
  • 212 Meter lang, drei Meter breit, 1,60 Meter unter den Wasserspiegel abgesenkt. Mauern halten das Wasser auf Augenhöhe, du bleibst trocken.
  • Der Zugang ist kostenlos, ein Rad leihst du ab rund 14 Euro pro Tag bei Fietsparadijs Limburg. In der Hochsaison lohnt eine Reservierung.
  • Auch zu Fuß oder joggend begehbar, ganzjährig geöffnet, am schönsten früh am Morgen oder kurz vor der Dämmerung.
  • Entworfen von Bart Lens, ausgezeichnet und 2018 von Time unter die 100 größten Orte der Welt gewählt.
Geschwungener Radweg am Ufer eines stillen Teichs in der Teichlandschaft De Wijers in Belgisch-Limburg

Als wir 2020 das erste Mal von Fietsen door het Water berichteten, klang es nach einer dieser Ideen, die auf dem Papier besser aussehen als in echt. Ein Radweg, der durch einen Teich führt, das Wasser beidseitig auf Augenhöhe. Man stellt sich nasse Füße vor, eine Touristenfalle, ein Foto-Spot für fünf Minuten. Genau das ist es nicht geworden. Heute haben mehr als 300.000 Menschen den Pfad befahren, und die Konstruktion hält, was die Architekten versprochen haben.

Wie fährt sich ein Radweg, der unter Wasser liegt?

Die Mechanik ist simpler, als sie wirkt. Der Weg ist kein Steg über dem Teich, sondern ein Graben hindurch. Beton, drei Meter breit, 1,60 Meter unter den natürlichen Wasserspiegel abgesenkt. Zwei Mauern halten das Wasser zurück, oben offen, sodass die Oberfläche genau auf Höhe deiner Augen liegt, wenn du in der Mitte angekommen bist. Von der Seite sieht ein Beobachter nur noch deinen Kopf über dem Wasser treiben. Du selbst fährst auf trockenem Grund und schaust auf zwei Wasserwände, in denen sich der Himmel spiegelt.

Die ganze Strecke misst 212 Meter, von einem Ufer zum anderen. Das klingt nach wenig, und ist es auch. Der Reiz liegt nicht in der Länge, sondern in den dreißig Sekunden, in denen die gewohnte Perspektive kippt. Hinter dem Pfad bist du wieder auf normalem Niveau und fährst weiter durch die Teiche von De Wijers, ein Naturreservat mit über 1.000 Weihern, in dem im Frühjahr die Amphibien laichen und im Sommer die Libellen über dem Schilf stehen.

Der Reiz liegt nicht in der Länge, sondern in den dreißig Sekunden, in denen die gewohnte Perspektive kippt.

Wer hat sich das ausgedacht, und warum funktioniert es?

Hinter dem Pfad steht der belgische Architekt Bart Lens, die umliegende Teichlandschaft hat das Büro BuroLandschap um Pieter Daenen neu modelliert. Auftraggeber war Visit Limburg, die Tourismusorganisation der Provinz, die mit dem Projekt etwas Ungewöhnliches versucht hat: ein Bauwerk, das die Landschaft nicht überlagert, sondern in sie eintaucht. Das Ergebnis hat 2018 den World Landscape Architecture Award in der Kategorie kleinmaßstäblicher Bauten gewonnen, und im selben Jahr setzte das Time Magazine den Radweg auf seine Liste der 100 größten Orte der Welt. Es war Belgiens einziger Eintrag.

Was als Solitär begann, wurde zu einer Serie. Visit Limburg hat nachgelegt: 2019 eröffnete Fietsen door de Bomen in Bosland, ein Radweg, der sich als 700 Meter lange Spirale in die Baumkronen schraubt. Kurz darauf kam Fietsen door de Heide dazu, eine vier Kilometer lange Route durch die Heide des Nationalparks Hoge Kempen, dem einzigen Nationalpark Belgiens. Wer einmal hier ist, kann die drei Erlebnisse zu einer längeren Tour verbinden. Limburg ist flach, gut beschildert und durchzogen vom dichtesten Radknotennetz Europas.

Lohnt sich die Anreise wirklich?

Ehrlich gesagt: für die 212 Meter allein nicht. Für einen Tag in De Wijers schon. Der Radweg ist der Aufhänger, nicht das Ziel. Du parkst in Bokrijk, leihst ein Rad und folgst den Knotenpunkten durch eine Landschaft, die ohne große Gesten auskommt. Stille Teiche, Birkenwälder, ein altes Freilichtmuseum gleich nebenan. Der versunkene Pfad ist der Moment, an dem du anhältst, weil etwas nicht stimmt mit der Schwerkraft des Blicks, und genau dafür kommt man wieder.

Wer den Weg für sich haben will, kommt früh. An warmen Wochenenden im Sommer kann es voll werden, weil das Foto vom Kopf über der Wasserlinie längst seinen festen Platz in jedem Limburg-Reel hat. Unter der Woche und in den Stunden nach Sonnenaufgang liegt der Teich dagegen oft spiegelglatt, und du hast die Perspektive fast für dich. Im Herbst, wenn sich die Birken am Ufer verfärben und der Morgennebel über dem Wasser hängt, ist die Stimmung am dichtesten. Der Beton ist barrierearm und auch mit dem Rollstuhl oder Kinderwagen befahrbar, das Gefälle ist sanft. Wer mehr Zeit hat, kombiniert De Wijers mit dem benachbarten Freilichtmuseum Bokrijk und macht aus dem Abstecher einen ruhigen Tag fern der großen Sehenswürdigkeiten.

Gut zu wissen

Wird man auf dem Radweg durch das Wasser nass?

Nein. Der Weg liegt 1,60 Meter unter dem Wasserspiegel, zwei Betonmauern halten das Wasser zurück. Du fährst auf trockenem Grund, das Wasser steht nur seitlich auf Augenhöhe.

Wo genau liegt Fietsen door het Water?

In der Domäne Bokrijk bei Genk, Belgisch-Limburg, an Knotenpunkt 91 des Radknotennetzes. Bokrijk liegt rund eine Autostunde östlich von Antwerpen, gut erreichbar auch ab Aachen oder Maastricht.

Was kostet der Besuch?

Der Zugang zum Radweg ist kostenlos. Ein Leihrad gibt es ab etwa 14 Euro pro Tag bei Fietsparadijs Limburg, vom Kinderrad bis zum E-Bike. In der Hochsaison ist eine Reservierung des Rads ratsam.

Ist der Weg auch ohne Fahrrad nutzbar?

Ja. Trotz des Namens ist der Pfad auch für Fußgänger und Jogger frei. Wer langsamer unterwegs ist, hat sogar mehr von der Perspektive.

Gibt es weitere Radwege dieser Art in Limburg?

Ja, gleich zwei. Fietsen door de Bomen führt in Bosland als Spirale in die Baumkronen, Fietsen door de Heide als vier Kilometer lange Route durch den Nationalpark Hoge Kempen. Alle drei lassen sich zu einer Tour verbinden.

Mehr Reise-Ideen, die das Offensichtliche meiden, findest du in unseren Geheimtipps für deinen nächsten Roadtrip durch Europa. Und wenn dir eine ganze Stadt zum Radeln lieber ist als ein Teich, dann lies, warum Ljubljana Europas unterschätzte Traumstadt ist. Wer aus den 212 Metern eine echte Mehrtagestour machen will, findet bei unseren Kollegen von InspiredBySports den Einstieg ins Bikepacking.

Bildquelle: Pexels / Tobias Scheuer
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