Audemars Piguet legt die Royal Oak 2026 erneut frei: Jumbo Extra-Thin Openworked und Perpetual Calendar Openworked kommen in Titan mit BMG-Lünette, die Double Balance Wheel Openworked in Gelbgold. Skelettiert, nicht bunt. Und das ist der eigentliche Punkt.
Quick Fitting
- Die Royal Oak ‚Jumbo‘ Extra-Thin Openworked (Ref. 16204XT) kommt 2026 in Titan mit BMG-Lünette, 39 Millimeter, Kaliber 7124.
- Die Perpetual Calendar Openworked (Ref. 26685XT) ebenfalls in Titan und BMG, 41 Millimeter, neues Kaliber 7139, rund 55 Stunden Gangreserve.
- Die Double Balance Wheel Openworked (Ref. 15467BA) in 18 Karat Gelbgold, 37 Millimeter, Kaliber 3132 mit doppeltem Unruhrad.
- Material und Mechanik tragen das Design, nicht laute Farbflächen. Skelettierung statt Effektlack.
- Wer Skelett mit Maximalismus verwechselt, liegt 2026 falsch: Die Spannung kommt aus Tiefe, nicht aus Krach.
Was die Royal Oak Openworked 2026 wirklich zeigt
Die meisten Uhrenneuheiten arbeiten mit der Oberfläche. Ein neues Zifferblatt, eine andere Farbe, ein Stein mehr. Die Royal Oak Openworked geht in die Tiefe. Sie nimmt das Zifferblatt weg und lässt dich auf das Werk sehen, von vorne und durch den Saphirboden auch von hinten. Du blickst nicht auf eine Uhr, du blickst in sie hinein.
2026 zeigt Audemars Piguet diese Idee in mehreren Spielarten. Die ‚Jumbo‘ Extra-Thin Openworked und die Perpetual Calendar Openworked tragen Titan mit einer Lünette aus BMG, einem metallischen Glas, das matt und technisch wirkt statt glänzend. Die Double Balance Wheel Openworked kommt in Gelbgold, Ton in Ton, ohne Kontrastfarbe. Drei Wege, eine Haltung: Die Mechanik ist der Schmuck.
Was skelettiert eigentlich heißt
Skelettieren bedeutet, ein Uhrwerk so weit auszufräsen, dass nur das Nötige stehen bleibt. Jede Brücke, jede Platine wird auf ihre tragende Form reduziert. Was bleibt, muss funktionieren und schön sein, denn man sieht alles. Es gibt keinen Deckel mehr, hinter dem sich grobe Arbeit verstecken könnte.
Genau deshalb ist eine offene Royal Oak schwerer zu bauen als eine geschlossene. Die Kanten werden von Hand angliert, die Flächen poliert, das Räderwerk sitzt frei im Licht. Bei der Double Balance Wheel kommt eine Besonderheit dazu: zwei Unruhräder auf einer Achse, sichtbar im Takt. Das ist kein Effekt, das ist Audemars Piguets Antwort auf die Frage, wie man eine Unruh stabiler laufen lässt. Du siehst die Lösung arbeiten.
Warum Titan und BMG die leiseste Wahl sind
Man könnte denken, eine skelettierte Uhr will Aufmerksamkeit. Die Titanvarianten von 2026 sagen das Gegenteil. Titan ist leicht und matt, es schimmert grau statt zu blitzen. Die BMG-Lünette setzt diesen technischen Ton fort. Keine Edelmetall-Geste, kein Diamantkranz, nichts, das von Weitem schreit.
Die ganze Spannung liegt im Detail. Erst aus der Nähe verstehst du, was hier passiert: ein hochkomplexes Werk, freigelegt, in einem Gehäuse, das sich farblich zurücknimmt. Das ist Luxus für Menschen, die nicht möchten, dass der Tischnachbar die Uhr erkennt, sondern dass sie selbst beim zweiten Blick noch etwas Neues entdecken. Die Jumbo bleibt dabei flach genug, um unter die Manschette zu gleiten, ihre extra-dünne Bauweise gehört seit Jahrzehnten zur DNA dieser Linie.
Die Geschichte hinter der offenen Royal Oak
Die Royal Oak debütierte 1972, entworfen von Gérald Genta, als sportliche Uhr aus Stahl zum Preis einer goldenen. Das war damals ein Skandal und wurde später zur Blaupause für eine ganze Gattung. Die Achteck-Lünette mit den acht sichtbaren Schrauben kennt heute jeder, der sich auch nur am Rand für Uhren interessiert.
Die skelettierte Variante kam später und passt doch perfekt zur Idee dahinter. Eine Uhr, die ihre Form so selbstbewusst zeigt, darf auch ihr Inneres zeigen. Audemars Piguet baut in Le Brassus im Vallée de Joux, einem Tal, das seit Generationen für feine Uhrmacherei steht. Wer dort skelettiert, tut das nicht für den schnellen Effekt. Er tut es, weil das Handwerk es hergibt.
Die spannendste Uhr ist nicht die, die am lautesten ruft. Es ist die, die dir bei jedem Blick noch eine Schicht mehr zeigt.
Skelett ist nicht gleich Maximalismus
Hier liegt das häufigste Missverständnis. Viele setzen offene Werke mit grellen Farben und großem Auftritt gleich. Audemars Piguet selbst hat 2023 gezeigt, dass es auch ganz anders geht: Für die Zusammenarbeit mit Matthew Williams und 1017 ALYX 9SM wurden die Zifferblätter im Gegenteil komplett zugemacht, glatt satiniert, ohne Anzeigen außer Stunden und Minuten. Maximale Reduktion statt offenem Werk.
Die Openworked-Linie 2026 steht zwischen diesen Polen und doch klar auf der ruhigen Seite. Sie öffnet das Werk, aber sie verzichtet auf Farbe. Sie zeigt Komplexität, aber sie inszeniert sie nicht. Wenn du verstehst, dass die Spannung aus der Mechanik kommt und nicht aus dem Lack, hast du den Kern der Sache. Genau das beschäftigt gerade Sammlerkreise, die sonst eher zur geschlossenen Uhr greifen.
Für wen sich der zweite Blick lohnt
Eine offene Royal Oak ist nicht für jeden. Manche möchten ein klares Zifferblatt, das auf einen Blick die Zeit zeigt, und das tut eine skelettierte Uhr nur eingeschränkt. Sie verlangt, dass man hinsieht. Sie belohnt den, der sich Zeit nimmt, und ignoriert den, der nur kurz aufs Handgelenk schaut.
Wer sich generell dem Thema Herrenuhren als Stilaussage nähert, findet bei Herrenuhren als Stilfrage und Wertzeichen einen guten Einstieg.
Wer aber Mechanik liebt, findet hier wenig Vergleichbares. Die Perpetual Calendar Openworked etwa zeigt einen ewigen Kalender, der Schaltjahre kennt und bis weit ins nächste Jahrhundert ohne Korrektur läuft, und sie zeigt ihn offen, sodass du die Anzeigen und das Werk dahinter gleichzeitig siehst. Das ist Uhrmacherei, die sich nicht versteckt. Für ein Publikum, das nichts mehr beweisen muss und trotzdem genau wissen will, was am Handgelenk passiert, ist das die richtige Antwort.
Wer diesen Gedanken auf das gesamte Ensemble weiterdenkt, dem sei auch ein Blick auf Maßarbeit und warum der zweite Anprobetermin zählt empfohlen.
Kurz geklärt
Was ist neu an der Royal Oak Openworked 2026?
Audemars Piguet bringt die ‚Jumbo‘ Extra-Thin Openworked und die Perpetual Calendar Openworked 2026 in Titan mit einer Lünette aus BMG, einem metallischen Glas. Dazu kommt die Double Balance Wheel Openworked in Gelbgold. Alle drei legen das Werk frei und setzen auf Material und Mechanik statt auf laute Farben.
Ist die Audemars Piguet x Alyx eine Skelett-Uhr?
Nein, im Gegenteil. Die 2023 vorgestellte Zusammenarbeit mit Matthew Williams und 1017 ALYX 9SM hat die Zifferblätter komplett geschlossen und glatt satiniert, ohne offenes Werk. Wer Alyx mit der skelettierten Openworked-Linie verwechselt, verwechselt zwei gegensätzliche Designideen.
Was bedeutet skelettiert bei einer Uhr?
Skelettiert heißt, dass das Uhrwerk so weit ausgefräst wird, dass nur die tragenden Teile bleiben und man durch das Werk hindurchsehen kann. Bei Audemars Piguet werden die Kanten von Hand angliert und die Flächen poliert, weil bei einem offenen Werk jedes Detail sichtbar ist.
Seit wann gibt es die Royal Oak?
Die Royal Oak erschien 1972, entworfen von Gérald Genta. Sie war die erste Luxus-Sportuhr aus Stahl zum Preis einer goldenen Uhr. Die skelettierte Openworked-Variante kam später dazu und gehört heute fest zur Linie.
Quelle Titelbild: Pexels / Pixabay