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3 Oktober 2026

Open Calls 2026: Drei Residenzen und Ausstellungen, die jetzt echte Bewerbungen wert sind

Alec Chizhik·7 Min. Lesezeit

ArtRabbit listet hunderte Calls. Die meisten bringen wenig. Drei Open Calls sind jetzt offen, gebührenfrei und kuratiert: London, Japan und Frankreich.

Wer 2026 als Künstler ausstellen oder in Residenz gehen will, hat im Juni drei Fristen im Kalender stehen: Fair Play Art Fair in London bis zum 22. Juni, Magnetic Residencies zwischen Frankreich und Großbritannien bis zum 2. Juni, und die Nakanojo Biennale in Japan bis zum 12. Juli. Alle drei sind echt, kuratiert und ohne Mondpreis-Gebühr.

Quick Fitting

  • Die Fair Play Art Fair in London startet als erste Ausgabe und läuft vom 15. bis 18. Oktober 2026. Bewerbungsschluss ist der 22. Juni 2026.
  • Ausgewählte Künstler bekommen bei Fair Play einen kostenlosen Stand, statt vierstellige Standmieten zu zahlen.
  • Magnetic Residencies, das Franco-UK-Programm von Fluxus Art Projects, ist in der fünften Runde offen bis zum 2. Juni 2026.
  • Magnetic vergibt Residenzen von zwei bis drei Monaten an zehn Institutionen, darunter Bétonsalon in Paris und Gasworks in London.
  • Die elfte Nakanojo Biennale findet 2027 in Gunma statt. Der Open Call dafür läuft vom 2. Mai bis 12. Juli 2026, ohne Ausstellungs- oder Residenzgebühr.

Warum die meisten Open Calls Zeitverschwendung sind

ArtRabbit führt zu jedem Zeitpunkt rund 70 offene Calls. Das klingt nach Chance, ist aber zum großen Teil ein Geschäftsmodell. Viele dieser Ausschreibungen verlangen eine Bewerbungsgebühr, locken mit einem Preistopf, der nach viel Geld aussieht, und verteilen am Ende eine Ausstellung in einer Galerie, die niemand kennt. Du zahlst, du wartest, du bekommst eine Absage oder eine Teilnahme, die dir nichts bringt. Wer wissen will, welche Ausstellungen wirklich lohnen, liest vorher die Ausstellung, die man gesehen haben muss.

Deshalb lohnt es sich, hart auszusieben. Ein guter Call hat drei Eigenschaften: eine kuratorische Instanz, die etwas zu verlieren hat, einen realen Ort statt einer reinen Online-Galerie, und eine Frist, die du tatsächlich erreichen kannst. Drei aktuelle Ausschreibungen erfüllen das. Sie sind unterschiedlich genug, dass für verschiedene Karrierephasen etwas dabei ist.

Fair Play Art Fair: London, ohne Standmiete

Die spannendste Neuheit ist die Fair Play Art Fair in London. Sie startet 2026 als erste Ausgabe und findet vom 15. bis 18. Oktober statt. Der Bewerbungsschluss ist der 22. Juni 2026. Das Besondere steckt im Namen: Ausgewählte Künstler erhalten einen kostenlosen Stand.

Das ist mehr als ein Marketing-Gag. Auf den meisten Messen ist die Standmiete die höchste Hürde. Wer keine Galerie im Rücken hat, zahlt selbst, und schnell sind vierstellige Summen weg, bevor das erste Werk gesehen wurde. Eine Messe, die diese Kosten übernimmt und stattdessen kuratorisch auswählt, dreht die Logik um. Nicht das Budget entscheidet, sondern die Arbeit. Für Künstler ohne Galerievertretung ist das einer der wenigen Wege, in London sichtbar zu werden, ohne sich zu verschulden.

Ein guter Call hat eine kuratorische Instanz, die etwas zu verlieren hat, einen realen Ort und eine Frist, die du erreichen kannst.

Magnetic Residencies: Paris und London im Tandem

Wer keine Messe sucht, sondern Zeit zum Arbeiten, schaut auf Magnetic. Das Programm läuft unter Fluxus Art Projects, einem Franco-UK-Fonds für zeitgenössische Kunst, und ist gerade in der fünften Runde offen. Die Frist ist der 2. Juni 2026, also knapp. Wer das hier liest und passt, sollte heute anfangen.

Magnetic ist clever gebaut. Zehn Institutionen sind beteiligt, fünf in Frankreich und fünf in Großbritannien, darunter Bétonsalon in Paris und Gasworks in London. Das Prinzip ist ein Tandem: Künstler aus einer französischen Region bewerben sich für die Residenz in der zugeordneten britischen Nation, und umgekehrt. Die Aufenthalte dauern zwei bis drei Monate. Es geht also nicht um ein verlängertes Wochenende, sondern um echte Arbeitszeit an einem fremden Ort, finanziert und kuratorisch begleitet. Voraussetzung ist, dass du als professioneller Künstler in der bildenden Kunst bereits in anerkannten Häusern gezeigt hast. Das ist kein Einstiegsprogramm, sondern eines für die mittlere Karrierephase.

Nakanojo Biennale: das lange Spiel in den japanischen Bergen

Die dritte Ausschreibung verlangt Geduld und belohnt sie. Die Nakanojo Biennale findet im Bergdorf Nakanojo in der Präfektur Gunma statt, und die elfte Ausgabe ist für 2027 angesetzt, vom 18. September bis 24. Oktober. Der Open Call dafür läuft schon jetzt, vom 2. Mai bis zum 12. Juli 2026. Du bewirbst dich also mehr als ein Jahr im Voraus.

Das Format ist ungewöhnlich. Künstler aus Japan und dem Ausland leben und arbeiten während der Biennale in der Dorfgemeinschaft. Es gibt keine Ausstellungs- oder Residenzgebühr, und die Offenheit für Genres ist breit: Skulptur, Malerei, Fotografie, Videokunst, Installation und Performance. Wer eine ortsbezogene Arbeit plant und bereit ist, sich auf einen Kontext einzulassen, der nichts mit dem westlichen Kunstbetrieb zu tun hat, findet hier eine seltene Bühne. Die Biennale ist kein Markt. Sie ist ein Aufenthalt, der ein Werk und manchmal eine Haltung formt.

Welcher Call zu welcher Phase passt

Die drei Ausschreibungen sind kein Entweder-oder, sondern eine Frage der Karrierephase. Fair Play ist für den Moment, in dem du verkaufen und gesehen werden willst, ohne dir eine Galerie leisten zu können. Eine Messe in London mit kostenlosem Stand ist Marktzugang ohne Eintrittsgeld.

Magnetic ist für die Phase danach, wenn du bereits ausgestellt hast und Zeit, Ortswechsel und ein internationales Netzwerk mehr wert sind als der nächste Verkauf. Und Nakanojo ist für alle, die langfristig denken und eine Arbeit entwickeln wollen, die aus einem Ort entsteht. Drei Fristen, drei Logiken. Die Kunst ist, ehrlich zu sich zu sein, in welcher Phase man gerade steckt.

Wie man ArtRabbit richtig nutzt

ArtRabbit ist als Werkzeug gut, wenn man es als Filter und nicht als Wunschliste begreift. Die Plattform sortiert die Calls nach Frist, was hilft, aber sie unterscheidet nicht zwischen einer ernsten Institution und einem Gebühren-Geschäft. Diese Arbeit musst du selbst machen.

Eine brauchbare Routine: einmal pro Woche die neuen Einträge durchgehen, jeden Call mit Gebühr über etwa fünfzig Euro skeptisch prüfen, und bei jedem Treffer kurz recherchieren, wer dahintersteht. Ein Call von einem Haus wie Gasworks oder Bétonsalon wiegt anders als einer von einem Anbieter ohne Spur im Netz. Wie Kuratorenmut und Designanspruch zusammenhängen, zeigt das Beispiel von Luigi Colani, der als Einzelperson mehr Institutionen herausgefordert hat als die meisten Kollektive. Wer so vorgeht, verschwendet weniger Bewerbungsenergie und trifft die wenigen Calls, die wirklich etwas bewegen. Genau drei davon sind gerade offen.

Kurz geklärt

Bis wann kann ich mich für die Fair Play Art Fair bewerben?

Der Bewerbungsschluss ist der 22. Juni 2026. Die erste Ausgabe der Messe findet vom 15. bis 18. Oktober 2026 in London statt. Ausgewählte Künstler erhalten einen kostenlosen Stand.

Was ist das Magnetic Residencies Programm?

Ein Franco-UK-Programm von Fluxus Art Projects mit zehn beteiligten Institutionen, fünf in Frankreich und fünf in Großbritannien, darunter Bétonsalon in Paris und Gasworks in London. Die Residenzen dauern zwei bis drei Monate. Die fünfte Runde ist bis zum 2. Juni 2026 offen.

Wann findet die Nakanojo Biennale statt und wann ist der Call?

Die elfte Nakanojo Biennale läuft vom 18. September bis 24. Oktober 2027 in der Präfektur Gunma in Japan. Der Open Call dafür ist vom 2. Mai bis 12. Juli 2026 offen, ohne Ausstellungs- oder Residenzgebühr.

Lohnen sich Open Calls auf ArtRabbit überhaupt?

Nur ein Teil davon. Viele Ausschreibungen verlangen eine Gebühr und bringen wenig Sichtbarkeit. Achte auf eine ernsthafte kuratorische Instanz, einen realen Ort statt reiner Online-Galerie und eine erreichbare Frist. Calls von etablierten Häusern wiegen mehr als anonyme Angebote.

Quelle Titelbild: Pexels / Skylar Kang

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