//LIVINGWozu brauchen wir eigentlich einen Wasserkocher mit WLAN?
19. Dezember 2023 // 10:24 Uhr

WLAN-Wasserkocher und Co.: Was vom vernetzten Haushalt wirklich blieb

InspiredByLuxury·Aus dem Archiv, neu aufgelegt

Ende 2023 haben wir uns gefragt, wozu ein Wasserkocher WLAN braucht. Zwei Jahre später lohnt sich ein zweiter Blick: Was ist aus dem vernetzten Haushalt geworden, und welche Geräte waren wirklich mehr als eine Spielerei?

Ende 2023 stand ein WLAN-Wasserkocher als Geschenkidee im Onlineshop, und wir haben uns gefragt, ob das wirklich sein muss. Zwei Jahre später ist die Antwort spannender als die Frage: Der vernetzte Haushalt hat sich durchgesetzt, aber ganz anders, als die Hersteller es damals verkauft haben.

Der Anlass war banal. Nach 14 Jahren hatte sich die Geschirrspülmaschine verabschiedet, und beim Neukauf fiel auf, dass selbst Mittelklasse-Geräte plötzlich eine App mitbrachten, über die man am Smartphone den Spülfortschritt verfolgen konnte. Ein netter Nebeneffekt. Tippte man im selben Onlineshop aber einmal WLAN in die Suchleiste, kamen Dinge zum Vorschein, deren Sinn sich nicht sofort erschloss: ein Wasserkocher mit WLAN, eine smarte Kaffeemaschine, ein vernetzter Toaster. Punktgenaues Einschalten, Temperatur per App, so lauteten die Versprechen der Produktseiten.

Die Idee war nicht neu. Schon in den 50er, 60er und 70er Jahren hatte die Weiße-Ware-Industrie mit Features gelockt, die nach Fortschritt klangen, etwa der Kaffeemaschine mit eingebauter Zeitschaltuhr. Wer es ausprobierte oder auf Expertenrat hörte, wusste bald: Kaffee schmeckt frisch zubereitet am besten, und das Wasser sollte nicht vom Vortag sein. Die Technik löste ein Problem, das im Alltag kaum jemand hatte.

Grundriss

  • Der WLAN-Wasserkocher von 2023 gibt es noch immer, als Nische für Tee- und Filterkaffee-Fans, nicht als Standard in der Küche.
  • Durchgesetzt hat sich nicht das einzelne Gadget, sondern das System: Heizung, Licht, Sicherheit, Energiezähler.
  • Mit dem Matter-Standard reden Geräte verschiedener Hersteller endlich miteinander, das war 2023 noch das große Versprechen.
  • Der selbst nachbestellende Kühlschrank blieb weitgehend Marketing, asiatische Marken setzen das Thema heute, nicht „Made in Germany“.
  • Die ehrlichste Frage vor dem Kauf bleibt dieselbe: Löst das Gerät ein Problem, das ich wirklich habe?
Wozu brauchen wir eigentlich einen Wasserkocher mit WLAN?

Was aus dem WLAN-Wasserkocher geworden ist

Die kurze Antwort: Es gibt ihn noch. Anbieter wie Govee verkaufen weiterhin WLAN-Wasserkocher mit variabler Temperatur und App-Steuerung, beworben vor allem für Pour-Over-Kaffee und Tee, bei denen die Wassertemperatur tatsächlich einen Unterschied macht. Aus der breiten Geschenkidee ist eine Nische für Menschen geworden, die ihr Heißgetränk ernst nehmen. Der Toaster mit WLAN dagegen ist weitgehend verschwunden, weil ihm nie jemand eine Aufgabe geben konnte, die das Brötchen nicht selbst löst.

Interessant ist, was parallel passierte. Der Wasserkocher wäre eigentlich das perfekte Einsteigergerät für ein vernetztes Küchen-Ökosystem gewesen. Doch ausgerechnet die Küchenkleingeräte blieben beim neuen, herstellerübergreifenden Standard außen vor. Während sich Lampen, Steckdosen, Sensoren und Thermostate inzwischen problemlos miteinander koppeln lassen, brüht der smarte Kessel weiter in seiner eigenen App vor sich hin.

Durchgesetzt hat sich nicht das einzelne Gadget, sondern die Idee dahinter: Geräte, die zusammenarbeiten, statt jedes für sich eine App zu verlangen.

Vom Gadget zum System

Das ist die eigentliche Entwicklung seit 2023. Statt einzelner Spielereien investieren Haushalte heute in Systeme, die einen messbaren Nutzen haben: smarte Thermostate und Verbrauchsmessung beim Heizen, Sensoren und Türschlösser für die Sicherheit, Wassermelder gegen teure Schäden. Der Treiber dafür ist ein Standard namens Matter, der genau das einlöst, was die Branche um die Jahrtausendwende schon versprochen hatte: dass Geräte unterschiedlicher Marken endlich dieselbe Sprache sprechen.

Die Zahlen zeigen, wie schnell das ging. 2023 war nur ein kleiner Teil des Smart-Home-Marktes überhaupt mit diesem Standard kompatibel, inzwischen ist es die deutliche Mehrheit. In Neubauten planen viele Architekten die passende Infrastruktur von vornherein ein. Was sich verändert hat, ist also nicht die Technik im Wasserkocher, sondern die Art, wie wir Smart Home denken: weniger einzelne App pro Gerät, mehr eine Logik fürs ganze Zuhause.

Den Spaßfaktor sollte man dabei nicht kleinreden. Aus der Ferne zuzusehen, wie die Wäsche durchläuft oder der Sonntagsbraten im Herd Fortschritte macht, während man mit dem Hund unterwegs ist, hat etwas von Spielkind. Für viele war genau das der Einstieg ins Thema, und das ist völlig in Ordnung. Nur trägt dieser Reiz eben kein ganzes Produktsegment, er ist der nette Nebeneffekt, nicht der Grund.

Der Kühlschrank, der nie nachbestellte

Ein Versprechen hat sich besonders hartnäckig gehalten und besonders deutlich nicht erfüllt: der Kühlschrank, der seinen Füllstand kennt und bei Bedarf automatisch nachbestellt. Diese Idee kam um die Jahrtausendwende von Miele, Liebherr, Siemens und Bosch ums Eck, also lange bevor irgendjemand „Smart Home“ sagte. Geblieben ist von der Vision „Made in Germany“ wenig. Wo es heute vernetzte Kühlschränke mit Inventar- und Ablaufdatum-Funktion gibt, treiben asiatische Anbieter wie Samsung und LG das Thema.

Und die ehrliche Frage von 2023 ist immer noch nicht beantwortet: Will ich wirklich, dass mein Kühlschrank den ungeliebten Käse oder den furchtbar süßen Wein aus der hintersten Ecke automatisch nachordert? Einkaufen ist nicht immer schön, aber es ist auch ein haptisches und olfaktorisches Erlebnis, das man nicht vollständig wegautomatisieren möchte. Die gewonnene Zeit landet im Zweifel nicht im Fitnessstudio, sondern auf der Couch, und aus der Couch Potato wird dann eben die Cloud Potato.

Wer mehr über die Kunst des bewussten Weniger im Wohnen lesen will, findet das im Porträt eines Apartments, das nichts beweisen muss. Und wer wissen möchte, wann ein technisches Versprechen wirklich hält und wann es Marketing bleibt, dem sei unser Blick auf den Skin Scrubber und die Ultraschall-Technik empfohlen.

Kurz geklärt

Braucht man heute wirklich einen WLAN-Wasserkocher?

Nur, wenn die Wassertemperatur für dich zählt, etwa beim Pour-Over-Kaffee oder bei bestimmten Teesorten. Für die meisten Haushalte ist der schnelle, stille Standard-Kessel weiterhin die vernünftigere Wahl. Das Gerät hat seine Berechtigung, aber als Nische, nicht als Pflicht.

Was ist seit 2023 das Wichtigste im Smart Home passiert?

Der herstellerübergreifende Standard Matter hat sich durchgesetzt. Geräte verschiedener Marken lassen sich damit ohne Bastelei koppeln, vor allem Lampen, Steckdosen, Thermostate und Sensoren. Der Fokus hat sich vom einzelnen Gadget hin zum System verschoben.

Gibt es den selbst nachbestellenden Kühlschrank inzwischen?

In Ansätzen ja, über Inventar- und Ablaufdatum-Funktionen in Apps. Vollautomatisch und zuverlässig nachbestellen tut aber bis heute kaum ein Gerät, und ob man das überhaupt will, bleibt Geschmackssache. Das alte Versprechen ist deutlich nüchterner geworden.

Lohnt sich Smart Home im Haushalt, oder ist das nur Spielerei?

Es kommt darauf an, was du vernetzt. Heizung, Energiemessung, Sicherheit und Schadensprävention liefern einen handfesten Nutzen. Der vernetzte Toaster eher nicht. Die Faustregel: Vernetze, was ein echtes Problem löst, ignoriere, was nur ein nettes Feature auf dem Karton ist.

Bildquelle: Unsplash / an_vision
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