
Vor Abu Dhabi: Wohin die Weltspitzenküche gerade wandert
Die globale Rangliste The World’s 50 Best Restaurants fällt erst im November in Abu Dhabi. Was die regionalen Vorentscheidungen aus Asien und Nordamerika schon jetzt über die Richtung der Spitzenküche verraten.
Wer im Sommer auf die neue Weltrangliste der besten Restaurants wartet, wartet zu früh. The World’s 50 Best Restaurants 2026 wird erst im November in Abu Dhabi verkündet, ein Ortswechsel, der selbst schon eine Ansage ist. Bis dahin liefern die regionalen Ranglisten die verlässlichsten Hinweise darauf, wohin sich Spitzenküche gerade bewegt.
- Die globale Zeremonie 2026 findet im November in Abu Dhabi statt, nicht mehr wie zuletzt in Turin
- Maido in Lima, aktueller Titelträger, wechselt automatisch in die Best-of-the-Best-Hall of Fame und fällt aus der Wertung 2026
- The Chairman in Hong Kong führt Asiens Liste an, Smyth in Chicago die nordamerikanische
Ein neuer Ort für die Krönung
Die Ausgabe 2026 von The World’s 50 Best Restaurants wird im November in Abu Dhabi ausgetragen, mit dem Department of Culture and Tourism Abu Dhabi als Gastgeber. Das Programm umfasst Talks, Signature Sessions mit Gastköchen aus vergangenen Ranglisten und ein Chefs‘ Feast. Zur Einordnung: Die vorherige Ausgabe wurde Mitte Juni live in Turin verkündet, wo Maido aus Lima zum wiederholten Mal als bestes Restaurant der Welt ausgezeichnet wurde, vor Asador Etxebarri aus Atxondo und Quintonil aus Mexiko-Stadt.
Genau dieser Titelverteidiger fällt aus der kommenden Wertung heraus. Seit 2019 gilt bei den 50 Best eine Hall-of-Fame-Regel: Wer einmal Platz eins der Welt belegt hat, wird danach nicht mehr regulär gewertet, sondern wechselt in die Gruppe der Best-of-the-Best. Maido reiht sich damit neben frühere Titelträger wie Disfrutar, Central und Geranium ein. Für die Ausgabe 2026 bedeutet das: Die Spitze ist offen, ohne den amtierenden Champion.

Was die Wählerschaft eigentlich prüft
Die Weltliste basiert auf 1.120 anonymen Wählerinnen und Wählern in 28 Regionen, mit jeweils vierzig Stimmen pro Panel und ausdrücklicher Geschlechterparität. Deloitte prüft den Prozess unabhängig. Für 2026 gilt: Jede stimmberechtigte Person votiert je nach eigenem Reiseverhalten für sechs bis zehn Restaurants, davon höchstens sechs aus der eigenen Heimatregion. Das soll verhindern, dass die Liste zu einer Ansammlung lokaler Favoriten wird, statt tatsächlich globale Spitzenküche abzubilden.
Kritiker bemängeln seit Jahren, dass feste Bewertungskriterien fehlen und die Academy-Stimmen subjektiv bleiben, verstärkt durch Diskussionen über Regional-Gewichtung und die Nähe zu Sponsoren. Das gehört zur Einordnung dazu, ändert aber nichts daran, dass die Liste weiterhin die einflussreichste ihrer Art ist, gerade weil sie so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, dass Restaurants ganze Buchungsjahre danach ausrichten.
Eine Liste, die erst im November fällt, zwingt den Sommer über zur Geduld. Genau das lenkt den Blick auf die Restaurants, die längst liefern, ohne auf die Krönung zu warten.
Hongkongs Doppelsieg
Asia’s 50 Best Restaurants 2026 führt The Chairman in Hong Kong auf Platz eins, mit Wing, ebenfalls aus Hong Kong, auf Platz zwei. Das ist ein doppelter Erfolg für eine einzige Stadt in der regionalen Spitzenküche. The Chairman beschreibt sich selbst ausdrücklich ohne Show-Inszenierung, ohne PR-Taktik, ohne Instagram-fokussiertes Anrichten. Laut 50 Best steht die Küche im Zentrum, nicht die Bühne drumherum, ein Gegenentwurf zu den theatralischeren Formaten, die anderswo dominieren.
Wing im 29. Stock desselben Hauses arbeitet mit chinesischer Tradition, neu interpretiert, etwa geräucherte Taube mit Zuckerrohr oder ein hausgemachtes goldenes Kristallei mit Chili-Austern. Zwei völlig unterschiedliche Register unter einem Dach, laut versus leise, Tradition versus Neuinterpretation, zeigen, wie breit sich die Stadt inzwischen aufgestellt hat.

Nordamerikas Verschiebung
North America’s 50 Best Restaurants 2026, in ihrer zweiten Ausgabe, kürte Smyth in Chicago zur besten Adresse des Kontinents, mit der Zeremonie in New Orleans. Auf Platz zwei folgte der Neuzugang Eight aus Calgary, auf Platz drei Restaurant Pearl Morissette aus Lincoln, Ontario. Smyth verankert seine Menüs im Midwest-Terroir und in Farm-Partnerschaften, mit drei Michelin-Sternen und saisonalen Kombinationen wie einem Forellenbauch-Doughnut mit Kumquat.
Was diese regionale Liste zeigt: Die Konkurrenz um globale Spitzenplätze verschiebt sich zunehmend weg von den immer gleichen europäischen und südamerikanischen Namen hin zu Städten, die bislang eher als Nebenschauplätze galten. Calgary und Lincoln, Ontario, sind keine klassischen Fine-Dining-Metropolen, was die Liste umso interessanter macht.

Was bis November zu beobachten bleibt
Bis die globale Liste in Abu Dhabi fällt, bleibt Peru der stärkste nationale Block der aktuell gültigen Weltrangliste von 2025, mit vier Restaurants in den Top 50, angeführt vom scheidenden Titelträger Maido. Ob diese Dominanz 2026 anhält oder ob asiatische und nordamerikanische Adressen stärker nach vorne rücken, entscheidet sich erst mit der neuen Liste. Die regionalen Ranglisten sind dabei keine Ersatzveranstaltung, sondern der eigentliche Seismograf für das, was im November bestätigt oder überrascht.
Warten lohnt sich hier
Eine Liste, die erst im Spätjahr fällt, verlangt Geduld von allen, die gern schon jetzt wüssten, wer die Krone trägt. Aber genau diese Verzögerung schärft den Blick für das, was Küchen wie The Chairman oder Smyth längst beweisen: Dass Substanz nicht auf eine Zeremonie warten muss, um zu funktionieren.
Gut zu wissen
▸Wann und wo wird die Weltliste 2026 verkündet?
Im November in Abu Dhabi. Ein genaues Datum und der Veranstaltungsort wurden bislang nicht offiziell bekannt gegeben, nur der Monat steht fest.
▸Warum steht Maido nicht mehr zur Wahl?
Seit 2019 wechseln ehemalige Träger des Titels „Bestes Restaurant der Welt“ automatisch in die Best-of-the-Best-Hall-of-Fame und werden danach nicht mehr regulär gewertet. Maido gewann zuletzt bei der Ausgabe 2025 in Turin.
▸Was verraten die regionalen Listen über die Weltliste?
Sie zeigen, welche Küchen und Städte gerade an Einfluss gewinnen. Hongkongs Doppelsieg bei Asia’s 50 Best und Chicagos Spitzenplatz bei North America’s 50 Best gelten als starke Signale vor der globalen Verkündung.
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