
Support your local „Masken Label“
2020 nähten vier lokale Labels stylische Stoffmasken, als keiner welche bekam. Wir haben damals berichtet und ziehen jetzt Bilanz: Wer hat überlebt, und was ist geblieben?
Im Mai 2020 haben wir dir vier kleine Modelabels aus München, Hamburg, Köln und Berlin vorgestellt, die mitten im ersten Lockdown anfingen, stylische Stoffmasken zu nähen. Die Maskenpflicht ist seit April 2023 Geschichte. Aber die spannendere Frage lautet: Was wurde aus den Labels, die sich damals praktisch über Nacht neu erfunden haben? Wir haben nachgeschaut. Drei von vier gibt es noch, und genau die erzählen, warum lokales Handwerk auch ohne Pandemie eine gute Idee ist.
- 2020 nähten vier kleine Labels aus vier Städten Stoffmasken statt Mode. Die Masken sind vorbei, das Handwerk dahinter ist geblieben.
- Tilda & Toni (München) macht heute Mode und Accessoires aus Naturstoffen, von Hand, on demand.
- Recolution (Hamburg) feierte im September 2025 sein 15-jähriges Bestehen, GOTS-zertifiziert und klimaneutral.
- Goodgive (Köln) hat aus dem Masken-Projekt eine Marke für wiederverwendbare Stoffverpackungen gemacht.
- Die eigentliche Lehre: Wer kauft, entscheidet, wo produziert wird. Lokal, fair, in kleinen Mengen, das war 2020 eine Notlösung und ist heute eine Haltung.

Erinnerst du dich noch an die Wochen, in denen plötzlich alle eine Maske brauchten und keiner eine hatte? Seit Anfang Mai 2020 galt in allen Bundesländern eine Maskenpflicht, das Angebot an medizinischen Masken war dünn, und die Apotheken kamen nicht hinterher. Was damals passierte, war eigentlich eine kleine Lektion in Sachen Selbsthilfe: Wer nähen konnte, nähte. Und mehrere kleine Labels, die sonst Kleider, Shirts oder Stirnbänder fertigen, stellten innerhalb von Tagen auf Stoffmasken um. Aus der Not wurde für eine Weile ein Mode-Accessoire, das man passend zum Outfit wählte.
Wir haben damals vier dieser Labels vorgestellt, weil sie zeigten, wie regional, transparent und mit Haltung produziert werden kann. Heute, gut fünf Jahre später, ist die Maskenpflicht abgeschafft (der Fernverkehr machte Anfang 2023 den Anfang, am 7. April 2023 fielen die letzten bundesweiten Corona-Regeln). Die spannende Beobachtung: Die Labels, die ihr Handwerk ernst nahmen, gibt es immer noch. Genau das macht sie interessant.
Die Masken waren der Anlass. Geblieben ist die Idee, dass man wissen darf, wer die eigene Kleidung näht und woraus.
Tilda & Toni aus München: aus Stoffmasken wurde wieder Mode
Das Münchner Label Tilda & Toni war 2020 noch sehr jung, und die handgemachten Masken aus weichen Naturstoffen waren ein echter Hingucker. Musselin oder Waffelpiqué, in Beige, Naturgrau oder mit zarten Pflanzenmustern, das hatte schon damals nichts mit medizinischem Mundschutz zu tun und alles mit gutem Material.
Heute sind die Masken aus dem Sortiment verschwunden, das Label aber nicht. Tilda & Toni näht weiter in München, von Hand und nach Bestellung: Mode und Accessoires für Erwachsene und Kinder, vom Stirnband bis zum Kleidungsstück, aus natürlichen, umweltfreundlich verarbeiteten Stoffen. Vieles wird auf Bestellung gefertigt, mit ein paar Tagen Vorlauf statt Express-Versand aus dem Lager. Genau das ist der Punkt: ein Label, das die Pandemie nicht als Geschäftsmodell gebraucht hat, sondern als kurzes Kapitel.
Recolution aus Hamburg: 15 Jahre faire Mode, gespendete Masken inklusive
Das Besondere an den Masken von Recolution war 2020 das Prinzip dahinter: Für je zwei verkaufte Masken wurde eine gespendet, an wohnungslose Menschen und an Senioren. Das passt zu einer Marke, die ihr ganzes Geschäft auf Haltung baut.
Recolution ist heute einer der etablierten Namen der fairen Mode aus Hamburg. Das Label ist seit 2017 GOTS-zertifiziert, produziert klimaneutral und unter sozial fairen Bedingungen, und es feierte im September 2025 sein 15-jähriges Bestehen. Was zwei Freunde als Idee begannen, ist heute eine Marke mit Streetwear-Charakter, die regelmäßig mit Künstlern zusammenarbeitet. Die Masken waren ein Nebenschauplatz. Die Konsequenz, mit der Recolution faire Produktion durchzieht, ist der eigentliche Kern, und der hat über die Pandemie hinaus getragen.
Goodgive aus Köln: vom Masken-Projekt zur Verpackungs-Marke
Wer es schlicht und hochwertig mag, war 2020 bei Goodgive richtig. Der schöne Nebeneffekt: Genäht wurden die Masken von Kölner Schneidereien, die im Lockdown nicht normal arbeiten konnten, ein direkter Beitrag für lokale Betriebe. Gegründet hat das Label die damals 32-jährige Sara Stichnote.
Goodgive gibt es noch, und das Label hat etwas Kluges gemacht: Es hat die Idee weitergedacht. Aus dem Masken-Projekt ist eine Marke für nachhaltige, wiederverwendbare Stoffverpackungen geworden, gefertigt aus ökologischen Stoffen und Stoffresten, weiterhin made in Germany. Masken gibt es nach wie vor, sie individualisieren sie sogar. Aber das Geschäft steht heute auf einem Thema, das nicht von einer Pandemie abhängt: weniger Wegwerf-Geschenkpapier, mehr Stoff, der zurückkommt.
Ind_Berlin: das Fashion-Label, das schnell umstellte
Auch in Berlin reagierten Labels schnell. Das Fashion-Label Ind_Berlin etwa nahm 2020 kurzfristig stylische Masken ins Programm auf. Es war das modischste der vier, weniger Naturstoff-Idylle, mehr Statement. Anders als bei den drei anderen ließ sich der heutige Stand des Labels nicht zweifelsfrei verifizieren, deshalb halten wir uns hier zurück. Was bleibt, ist das Muster: Wer ohnehin in kleinen Mengen und nah an der Produktion arbeitet, kann auf eine Ausnahmesituation reagieren, ohne sich zu verbiegen.
Was die Masken-Episode über gute Mode verrät
Im Rückblick war 2020 weniger eine Masken-Geschichte als eine Lehrstunde darüber, wie Mode entsteht. Drei der vier Labels gibt es heute noch, und alle drei haben eines gemeinsam: Sie produzieren in kleinen Mengen, lokal, und sie können erklären, woher das Material kommt und wer es verarbeitet. Genau diese Nähe war es, die ihnen 2020 erlaubt hat, in Tagen statt Monaten umzustellen.
Die Maske ist als Mode-Accessoire wieder verschwunden, sobald sie verschwinden durfte. Geblieben ist die Frage, die sie kurz so sichtbar gemacht hat: Wer hat das eigentlich genäht, und woraus? Wer beim Einkaufen ab und zu kleine, lokale Labels mitdenkt, beantwortet sie ganz nebenbei. Wie das im Alltag funktioniert, zeigen wir dir auch bei nachhaltigen Sneaker-Labels, und warum sich echtes Handwerk lohnt, liest du in unserem Stück über den zweiten Anprobetermin beim Maßschneider.
Kurz geklärt
▸Gibt es die vorgestellten Masken-Labels heute noch?
Drei von vier sind weiterhin aktiv. Tilda & Toni näht in München Mode und Accessoires, Recolution macht faire Streetwear aus Hamburg und feierte 2025 sein 15-jähriges Bestehen, Goodgive aus Köln stellt heute vor allem wiederverwendbare Stoffverpackungen her. Beim Berliner Label Ind_Berlin ließ sich der aktuelle Stand nicht zweifelsfrei prüfen.
▸Kann ich bei diesen Labels noch Stoffmasken kaufen?
Vereinzelt ja. Goodgive führt weiterhin Stoffmasken und individualisiert sie auf Wunsch. Bei den anderen Labels sind die Masken aus dem regulären Sortiment verschwunden, weil die Nachfrage nach dem Ende der Maskenpflicht im April 2023 wegfiel.
▸Wann endete die Maskenpflicht in Deutschland?
Schrittweise. Im Fernverkehr fiel sie Anfang Februar 2023, die letzten bundesweiten Corona-Schutzmaßnahmen liefen am 7. April 2023 aus. Damit war die Stoffmaske als Alltags-Accessoire faktisch vorbei.
▸Warum lohnt es sich, bei kleinen lokalen Labels zu kaufen?
Weil du nachvollziehen kannst, woher das Material kommt und wer es verarbeitet. Kleine Labels produzieren in überschaubaren Mengen, oft auf Bestellung, und meist fair und nachhaltig. Das war 2020 ihr Vorteil beim schnellen Umstellen und ist heute ein guter Grund, sie im Blick zu behalten.



