
Showroom-Managerin: Ein Halbmarathon am Tag
In diesem Q&A haben wir eine Showroom-Managerin befragt. Susanne kam aus der Tourismusbranche, hat es aber vor 20 Jahren in die Modewelt geschafft.
Susanne plant jeden Tag einen Halbmarathon, nicht auf der Laufbahn, sondern im Showroom: zwischen Kollektionswechseln, Kundenterminen und der stillen Kunst, aus Stoffen und Stimmungen Geschichten zu weben.
- Körpereinsatz inklusive: Auf- und Abbau von Kollektionen, Models buchen, Kundentermine koordinieren, ein Showroom läuft nicht von selbst. Susanne ist seit 20 Jahren dabei und freut sich noch immer auf jede neue Kollektion.
- Multitasking als Pflichtdisziplin: Bestellungen, Rücksendungen, Koordination mit Designern, Kundenbetreuung, alles läuft parallel, besonders in der High-Season wird der Alltag zum Sprint.
- Inspirierende Umgebung: Trotz des Stresses: Ein Showroom ist stilvoll, das Ambiente besonders, und wer das liebt, kommt gerne wieder rein.
Ein Job, der Mode mit Logistik verbindet
Du arbeitest in einem der größten italienischen Modekonzerne, mitten in München, und dein Arbeitsplatz sieht aus wie ein inszeniertes Lookbook: lichtdurchflutete Räume, neue Kollektionen auf Ständern, Stoffe, die auf das richtige Licht warten. Klingt glamourös. Ist es manchmal auch. Aber bevor das Bild sitzt, steckt dahinter ein logistischer Kraftakt, den die meisten von außen nicht sehen.
Susanne ist Showroom-Managerin, und das seit 20 Jahren. Ursprünglich kam sie aus der Tourismusbranche, doch die Mode hat sie nicht mehr losgelassen. Heute koordiniert sie alles, was zwischen Lieferung und Kundenpräsentation passiert: den Aufbau und Abbau der Kollektionen, die Buchung von Models, die Betreuung von Einkäufern und alles, was sich dazwischen schiebt. Ihr Satz dazu ist direkt: „Man muss sich halt auch mal gerne die Hände schmutzig machen wollen.“
Vier Kollektionen im Jahr, und zwei Ausnahmen
Was nach Glamour klingt, ist vor allem Organisation. Hinter jeder makellosen Inszenierung steht ein präziser Ablauf aus Terminen, Lieferungen und Abstimmungen, der selten sichtbar wird. Genau diese unsichtbare Arbeit entscheidet darüber, ob am Ende alles mühelos wirkt.

Die meisten Marken im Konzern liefern vier Kollektionen pro Jahr. Zwei Ausnahmen arbeiten mit nur zwei Drops pro Saison. Was das in der Praxis bedeutet: Der Rhythmus ist konstant. Kaum ist eine Kollektion aufgebaut, läuft die Planung für die nächste schon. Dazwischen Kundentermine, Rücksendungen falsch gelieferter Accessoires, die Abstimmung mit dem Lager.
Was Susanne beschreibt, ist kein 9-to-5-Job. Multitasking ist die Grundvoraussetzung, nicht ein nettes Extra. In der High-Season, wenn Buyer-Termine und Kollektionswechsel aufeinanderfallen, gibt es keine ruhigen Tage. Dann geht es um Priorisieren: Was muss jetzt, was kann warten, was darf auf keinen Fall schieflaufen? Das Feingefühl dafür kommt nicht aus dem Lehrbuch, sondern aus 20 Jahren Erfahrung.
Was Susanne an diesem Job hält
Stress und Präzision auf der einen Seite, Stil und Ambiente auf der anderen. Susanne bringt es selbst auf den Punkt: ein schöner Arbeitsplatz, stilvoll und in einem herrlichen Ambiente. Wer Freude an Mode hat und mit Dynamik umgehen kann, findet hier einen Job, der nie langweilig wird. Das gilt nach 20 Jahren genauso wie am ersten Tag.
Zwischen Anspruch und Alltag
Was Susannes Beruf so besonders macht, ist die Verbindung zweier Welten, die selten zusammenfinden. Auf der einen Seite die nüchterne Logistik mit Lieferterminen, Lagerplänen und einem Takt, der keine Pause kennt. Auf der anderen die Ästhetik eines Raumes, der jeden Tag wie ein Magazin aussehen soll. Wer hier besteht, muss beides können: anpacken und gestalten, planen und improvisieren.
Gerade in der Hochsaison zeigt sich, ob jemand für diesen Beruf gemacht ist. Wenn mehrere Kollektionen gleichzeitig wechseln und die Einkäufer im Haus sind, hilft kein perfekter Plan, sondern nur die Ruhe, Prioritäten in Sekunden zu setzen. Susanne beschreibt das nicht als Belastung, sondern als das, was den Tag spannend hält. Es ist der Unterschied zwischen einem Job, den man abarbeitet, und einem, der einen jeden Morgen aufs Neue fordert.
Dass sie diesen Weg seit zwei Jahrzehnten geht, sagt mehr als jede Stellenbeschreibung. Wer so lange bleibt, tut es nicht wegen des Glanzes, sondern wegen der Mischung aus Verantwortung, Tempo und einem Arbeitsplatz, der schön bleibt, auch wenn es hektisch wird. Genau diese Balance macht aus einem fordernden Beruf eine Berufung, die trägt.
Am Ende ist es diese Doppelrolle aus Macherin und Gestalterin, die den Beruf so eigen macht. Wer einmal erlebt hat, wie aus Kisten und Kleiderstangen innerhalb von Stunden eine stimmige Inszenierung wird, versteht, warum Susanne ihren Halbmarathon im Showroom jedem ruhigen Schreibtisch vorzieht. Der Lohn ist nicht der Glanz, sondern das Gefühl, etwas Sichtbares geschaffen zu haben.
Kurz geklärt
▸Was macht eine Showroom-Managerin konkret?
Sie koordiniert alles zwischen Lieferung und Kundenpräsentation: Auf- und Abbau von Kollektionen, Buchung von Models, Betreuung von Einkäufern, Abstimmung mit Lager und Designteam. Der Job ist Körpereinsatz, Logistik und Stilgefühl in einem.
▸Wie viele Kollektionen betreut ein Showroom pro Jahr?
In Susannes Konzern haben die meisten Marken vier Exits pro Jahr, zwei Ausnahmen arbeiten mit nur zwei Kollektionen. Der Wechsel ist schnell, kaum ist eine Kollektion aufgebaut, läuft die Planung für die nächste.
▸Was braucht man für diesen Job?
Multitasking ist Pflicht, nicht Option. Dazu ein Gespür für Stimmungen, die Bereitschaft, sich die Hände schmutzig zu machen, und genug Stressresistenz für die High-Season, wenn Buyer-Termine, Lieferungen und Kollektionswechsel gleichzeitig laufen.



