//TASTEFrisches Gemüse in Körben auf einem Marktstand als Symbol für bewussten Einkauf
3. September 2021 // 10:22 Uhr

Nachhaltigkeit im Supermarkt: Tipps zum bewussten Einkaufen

InspiredByLuxury·Aus dem Rückblick, neu aufgelegt

2021 haben wir dir gezeigt, wie sich Saisonal, Bio, Fair Trade und Zero Waste in den Wocheneinkauf bringen lassen. Was davon hat sich gehalten, und was hat sich seitdem geändert? Hier ist die aktualisierte Version.

Bewusst einkaufen klingt nach Verzicht und Mehraufwand. In der Praxis sind es ein paar Entscheidungen, die du einmal triffst und danach fast automatisch durchziehst: Liste statt Bauchgefühl, Saison statt Flugware, Mehrweg statt Plastiktüte. Dieser Beitrag stammt ursprünglich aus 2021, wir haben ihn auf den Stand von 2026 gebracht, inklusive der Zahlen, über die am meisten gestritten wird.

Amuse-Bouche

  • Blick zurück: Im September 2021 haben wir uns mit Nachhaltigkeit im Supermarkt beschäftigt und wagen hier einen neuen Blick darauf.
  • Saisonal und regional schlägt fast jedes Bio-Siegel in der Klimabilanz, weil Transport und Beheizung die größten Hebel sind.
  • Rindfleisch ist der mit Abstand größte CO2-Posten im Einkaufswagen, deutlich vor jeder Verpackungsfrage.
  • Bio-Siegel sind nicht gleich Bio-Siegel: Das EU-Logo ist die Mindestnorm, Bioland und Demeter gehen darüber hinaus.
  • Unverpackt-Läden sind seit 2021 wieder seltener geworden, der Mehrweg-Gedanke ist dafür im normalen Supermarkt angekommen.

Seit dem ersten Erscheinen dieses Beitrags hat sich der Rahmen verschoben. Die Einwegplastik-Richtlinie der EU greift, der Handel hat Bio-, regionale und verpackungsärmere Sortimente ausgebaut, und gleichzeitig hat die Zahl der Unverpackt-Läden ihren Höhepunkt überschritten. Der Kern bleibt aber gleich: Die meiste Wirkung steckt nicht in der Verpackung, sondern in dem, was im Wagen liegt.

Die Vorbereitung entscheidet, bevor du den Laden betrittst

Der nachhaltigste Einkauf beginnt zu Hause. Eine Einkaufsliste ist kein Spießer-Tool, sondern der wirksamste Hebel gegen Lebensmittelverschwendung. Laut Bundesernährungsministerium landen in Deutschland pro Kopf rund 78 Kilogramm Lebensmittel im Jahr im Müll, der größte Teil davon in privaten Haushalten. Wer plant, was wirklich auf den Tisch kommt, wirft schlicht weniger weg.

Dazu kommen die Klassiker, die sich seit Jahren bewähren: mit Rad, Bus oder zu Fuß statt mit dem Auto, wiederverwendbare Behälter und Stoffnetze für Obst, Gemüse und Brot, damit du dir die dünnen Plastiktüten an der Frischetheke sparst. Der Weg in den Unverpackt-Laden kann sich lohnen, wenn es einen in deiner Nähe gibt. Genau hier hat sich seit 2021 etwas verändert: Nach dem Boom haben viele dieser Läden wieder geschlossen, weil die Margen schmal sind. Dafür bieten inzwischen mehr klassische Supermärkte Abfüllstationen oder Mehrweg-Pfandsysteme für To-Go-Produkte an. Mehrwegnetze für die Bonbon- und Nussbar gibt es heute fast überall.

Die kleine Etiketten-Lehre: saisonal, regional, Bio, Fair Trade

Saisonal einzukaufen spart lange Transportwege und den Energieaufwand für beheizte Gewächshäuser. Als saisonal gilt, was zur jeweiligen Jahreszeit auf natürliche Weise reif ist, ohne künstliche Idealbedingungen. Tomaten reifen in unseren Breiten zwischen Juni und Oktober. In Spanien oder Italien dauert die Saison länger, was die importierte Frühjahrstomate aus dem beheizten Gewächshaus oft schlechter dastehen lässt als die spanische Freilandware. Ein guter Saisonkalender, etwa von Verbraucherzentrale oder WWF, ersetzt hier jede Faustregel.

Regional ist der zweite Hebel. Frische Ware aus der Umgebung hat kurze Wege, und auf dem Wochenmarkt kommst du direkt mit den Erzeugern ins Gespräch. Du erfährst, wie und wo etwas angebaut wurde, und schärfst nebenbei dein Gefühl dafür, was gerade Saison hat. Auch gut sortierte Märkte führen heute mehr regionale und saisonale Ware. Entscheidend ist weniger das grüne Etikett als die Frage, wie kurz der Weg, wie klar die Herkunft und wie sinnvoll die Menge ist.

Saisonal und regional schlägt in der Klimabilanz fast jedes Siegel. Transport und beheizte Gewächshäuser sind der größere Hebel als die Frage, ob ein Apfel das Bio-Logo trägt.

Das Thema Bio ist strittiger, als es das grüne EU-Logo vermuten lässt. Grundsätzlich steht biologischer Anbau für weniger oder keine synthetischen Pestizide und Düngemittel, keine Auslaugung des Bodens durch Monokultur und möglichst artgerechte Tierhaltung. Entscheidend ist aber, welches Siegel draufklebt. Das sechseckige EU-Bio-Logo ist die gesetzliche Mindestnorm. Verbände wie Bioland, Naturland oder Demeter haben strengere Vorgaben, etwa bei Futtermitteln, Tierbesatz pro Fläche oder dem Verzicht auf bestimmte Zusatzstoffe. Wer bewusst kauft, schaut also nicht nur, ob Bio draufsteht, sondern welches Bio.

Geht es dir zusätzlich um faire Bedingungen für die Menschen in der Lieferkette, helfen Siegel wie Fairtrade. Sie stehen für geregelte Löhne und ausgewogenere Handelsbedingungen, besonders relevant bei Kaffee, Tee, Kakao und Bananen aus Regionen, in denen Ausbeutung in der Produktion verbreitet ist. Hundertprozentige Garantien gibt kein Siegel, aber als Orientierung im Regal sind sie deutlich besser als gar kein Anhaltspunkt.

Close-up of a hand carrying a shopping basket filled with fresh greens in a market.
Ein Einkaufskorb mit frischem Grün: Die bessere Entscheidung beginnt oft vor dem Regal.

Manche Produkte bleiben heikel, egal welches Siegel

Ein Bio-Etikett macht kein Produkt automatisch klimafreundlich. Das deutlichste Beispiel ist Rindfleisch. Je nach Studie und Produktionsweise liegen die Emissionen zwischen rund 13 und 25 Kilogramm CO2-Äquivalenten pro Kilogramm, der WWF nennt einen Durchschnitt um die 25 Kilogramm. Zum Vergleich: Eine zehn Kilometer lange Fahrt mit einem Diesel-Kleinwagen verursacht grob 2 Kilogramm CO2. Ein einziges Kilo Rindfleisch wiegt damit klimatisch so schwer wie eine ganze Reihe solcher Fahrten. Bio-Rind schneidet dabei nicht automatisch besser ab, weil die Tiere oft länger leben und damit länger Methan ausstoßen.

Auch die Avocado bleibt ein Streitfall. Für ein Kilogramm werden je nach Region rund 1.000 Liter Wasser veranschlagt, in der mexikanischen Hauptanbauregion Michoacán mit ähnlicher Größenordnung. Das Problem ist nicht die Zahl an sich, sondern wo das Wasser fehlt: in ohnehin trockenen Regionen, in denen der Avocado-Boom Wälder verdrängt und lokale Wasserkonflikte verschärft. Das heißt nicht, dass du nie wieder Avocado essen darfst. Es heißt, dass bewusster Konsum auch bedeutet, Menge und Herkunft im Blick zu behalten, statt sie wie ein Grundnahrungsmittel zu behandeln.

Top view of a grocery basket filled with fresh organic produce, promoting an eco-friendly lifestyle.
Lose Produkte und klare Mengen machen den Einkauf ruhiger als jedes moralische Etikett.

Du musst nicht alles auf einmal umstellen. Such dir den Hebel, der für dich am leichtesten ist: die Liste, der Saisonkalender, eine Mahlzeit weniger mit Fleisch pro Woche. Schon beim nächsten Einkauf kannst du eine Sache bewusst anders machen, und genau da beginnt der Unterschied.

Wer beim Thema Essen weiterdenken will, findet bei uns passende Anschlüsse: Wie du saisonale Zutaten in die besten Herbstgerichte verwandelst und warum sich Meal Prepping nicht nur fürs Budget, sondern auch gegen Lebensmittelverschwendung lohnt. Und wenn dich interessiert, wie bewusste Ernährung bei sportlicher Leistung zusammenspielt, lohnt der Blick zu unserem Schwestermagazin und seinem Guide zur Ernährung für Sportler.

Gut zu wissen

▸Ist Bio immer auch klimafreundlich?

Nein. Bio steht für Anbaubedingungen, nicht für die CO2-Bilanz. Ein Bio-Rindersteak hat einen deutlich größeren Fußabdruck als konventionelles Gemüse. Saisonal und regional ist beim Klima oft der wirksamere Hebel als das Bio-Siegel allein.

▸Was bringt mehr, Verpackung sparen oder weniger Fleisch?

Weniger Fleisch, mit Abstand. Verpackungen machen nur einen kleinen Teil des CO2-Fußabdrucks von Lebensmitteln aus. Tierische Produkte, allen voran Rind, sind der größte Posten. Plastik zu vermeiden ist trotzdem sinnvoll, nur eben nicht der erste Hebel.

▸Welches Bio-Siegel ist das strengste?

Demeter gilt als das strengste der gängigen Verbandssiegel, gefolgt von Bioland und Naturland. Das EU-Bio-Logo ist die gesetzliche Mindestnorm. Wer Wert auf hohe Standards legt, achtet auf die Verbandssiegel zusätzlich zum EU-Logo.

▸Gibt es noch Unverpackt-Läden?

Ja, aber weniger als zum Boom um 2021. Viele haben aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Dafür bieten heute mehr normale Supermärkte Abfüllstationen, Mehrweg-Pfandsysteme und lose Ware an, sodass der Grundgedanke auch ohne reinen Unverpackt-Laden funktioniert.

Bildquelle: Titelbild: Pexels / Ram Kondisetti (px:37083829); Beitragsbilder: Pexels / Kampus Production (px:8422681); Pexels / Tima Miroshnichenko (px:7879965).
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