Bei Watches & Wonders 2026 in Genf zeigt A. Lange & Söhne am 15. April den Saxonia Annual Calendar in einer neuen Generation. Kleineres Gehäuse, erstes hauseigenes Automatikwerk für diese Linie, und ein Kalender, den du nur ein einziges Mal im Jahr nachstellst. Das ist keine Spielerei. Das ist Komfort, der nach Können aussieht.
Quick Fitting
- A. Lange & Söhne stellt den Saxonia Annual Calendar neu auf, jetzt mit kompakten 36 Millimetern Durchmesser.
- Im Inneren arbeitet das neue Manufaktur-Automatikkaliber L207.1 mit 60 Stunden Gangreserve.
- Der Jahreskalender erkennt Monate mit 30 und 31 Tagen, nur Ende Februar korrigierst du einmal von Hand.
- Zwei Ausführungen: Weißgold mit silberfarbenem Zifferblatt und Rotgold mit grauem Zifferblatt.
- Der Preis liegt bei rund 65.000 Euro, beide Versionen sind unlimitiert in Serie.
Eine Komplikation, die sich aus dem Weg nimmt
Die meisten Kalender-Uhren wollen, dass du ihre Mechanik bewunderst. Der Saxonia Annual Calendar will, dass du sie vergisst. Genau das ist die Idee hinter einem Jahreskalender, und Lange treibt sie in dieser Generation auf die Spitze.
Ein Jahreskalender unterscheidet zwischen Monaten mit 30 und 31 Tagen. Er springt selbst korrekt über die kurzen Monate, weil das Werk weiß, wie viele Tage sie haben. Nur den Februar versteht er nicht, weil 28 oder 29 Tage zu viel für die mechanische Logik wären. Also korrigierst du die Uhr genau ein Mal im Jahr, Ende Februar, mit einem Druck auf einen Korrektor. Den Rest des Jahres lässt sie dich in Ruhe.
36 Millimeter sind hier eine Aussage
Die Vorgänger des Saxonia Annual Calendar maßen 38,5 Millimeter. Die neue Version schrumpft auf 36, und das ist kein Detail. Lange folgt damit einer Bewegung, die feine Uhren gerade wieder kleiner werden lässt, weg vom großen Auftritt, hin zum Maß, das unter jede Manschette passt.
36 Millimeter klingen unspektakulär, bis du eine solche Uhr am Handgelenk siehst. Sie sitzt ruhig, sie trägt nicht auf, sie wirkt erwachsen statt laut. Bei 9,8 Millimeter Höhe bleibt das Gehäuse flach genug, um eine Dress-Uhr zu sein, und kräftig genug, um ein Werk mit so vielen Anzeigen zu tragen. Lange beweist hier, dass Zurückhaltung eine Entwurfsentscheidung ist, keine Verlegenheit.
Was das neue Werk besonders macht
Das Herz der Uhr ist das Kaliber L207.1, ein neues Manufaktur-Automatikwerk, das eigens für diese Linie entwickelt wurde. 491 Teile, 56 Steine, ein Schlagzahl von drei Hertz und 60 Stunden Gangreserve. Statt eines Handaufzugs wie früher dreht sich hier ein zentraler Rotor, dessen Schwungmasse aus 950er Platin gefertigt ist. Platin ist dicht, also liefert ein kleiner Rotor genug Energie, ohne dass er klobig wird.
Du wirst diese Schwungmasse durch den Saphirboden sehen, und du wirst die typische Lange-Handschrift erkennen: dreifach verschraubte Goldchatons, ein handgravierter Unruhkloben, Kanten, die mit der Hand poliert sind. Das ist Arbeit, die man kaum sieht und sofort spürt. Du musst kein Sammler sein, um zu ahnen, dass hier jemand sehr lange an etwas sehr Kleinem gesessen hat.
Die ehrlichste Komplikation ist die, die dich in Ruhe lässt und trotzdem jeden Morgen das Richtige zeigt.
Das Zifferblatt erzählt drei Geschichten
Auf dem Zifferblatt verteilt Lange die Anzeigen mit ruhiger Hand. Ein Hilfszifferblatt bei der Neun zeigt den Wochentag, eines bei der Drei den Monat, und bei der Sechs sitzt die Mondphase. Dazu kommt das markante Großdatum, die Lange-Signatur schlechthin, gut lesbar oberhalb der Mitte.
Die Mondphase ist mehr als Dekoration. Die Mondscheibe ist aus 750er Gold gefertigt, tiefblau beschichtet und mit 428 Sternen versehen. Sie ist so präzise gerechnet, dass sie erst nach rund 122,6 Jahren um einen einzigen Tag abweicht. Niemand von uns wird diese Korrektur erleben. Genau das ist der stille Witz daran. Lange baut eine Anzeige, die ihre Besitzer überdauert, und macht sie trotzdem schön genug, um sie jeden Abend kurz anzusehen.
Glashütte statt Genf, und das ist Teil der Haltung
A. Lange & Söhne kommt nicht aus der Schweiz, sondern aus Glashütte in Sachsen. Ferdinand Adolph Lange gründete die Manufaktur 1845, nach dem Krieg war sie über Jahrzehnte verschwunden, bis Walter Lange das Haus 1990 neu aufbaute. Diese Geschichte erklärt, warum eine Lange anders wirkt als eine Genfer Uhr. Sie ist sachlicher, strenger, weniger auf Glanz aus und mehr auf Konstruktion.
Der Saxonia Annual Calendar trägt diese Herkunft im Detail. Das Großdatum stammt aus der sächsischen Tradition der Fünf-Minuten-Uhr der Semperoper. Die handgravierte Unruhbrücke ist sächsisches Handwerk, kein Schweizer Standard. Wer eine Lange trägt, trägt eine bewusste Entscheidung gegen den Mainstream der Branche. Das spürt man, auch wenn man es nicht sofort benennen kann.
Zwei Versionen, ein Charakter
Lange bietet die Uhr in zwei Ausführungen an. Die eine in Weißgold mit einem silberfarbenen Zifferblatt, kühl und klar. Die andere in Rotgold mit einem grauen Zifferblatt, wärmer und etwas erdiger. Beide sind unlimitiert, beide kosten rund 65.000 Euro, beide laufen in regulärer Serie. Keine künstliche Verknappung, kein Wartelistentheater von Anfang an.
Das ist eine sympathische Ansage in einer Branche, die Begehrlichkeit gern über Limitierung erzeugt. Lange sagt hier eher: Diese Uhr ist gut genug, dass sie keine Stückzahl-Tricks braucht. Wer sich für Uhren interessiert, die ihren Charakter über das Material statt über den Preis definieren, sollte einen Blick auf Bronze-Uhren und die Kunst des Alterns werfen. Wer sie will, kann sie bekommen. Wer sie nicht versteht, soll sie ruhig übersehen. Diese Selbstsicherheit passt zur Uhr besser als jede Limitierung.
Für wen sich das lohnt
Der Saxonia Annual Calendar ist keine Uhr für den ersten Auftritt. Er ist eine Uhr für Menschen, die schon ein paar Stücke besessen haben und gemerkt haben, dass die laute Phase vorbei ist. Wer diesen Gedanken noch entwickelt, findet bei Herrenuhren als Stilfrage und Wertzeichen eine gute Orientierung. Eine Komplikation, die im Alltag funktioniert, ein Maß, das nicht stört, ein Werk, das man dreht statt zieht. All das spricht für jemanden, der weiß, was er trägt.
Man kann ihn übersehen, wenn man nur auf Größe und Glanz achtet. Wer aber einmal verstanden hat, wie angenehm es ist, eine Uhr nur einmal im Jahr berühren zu müssen und sich den Rest der Zeit auf sie verlassen zu können, versteht, worum es A. Lange & Söhne hier geht. Nicht um die größte Geste. Um die Komplikation, die dich tatsächlich begleitet.
Kurz geklärt
Was unterscheidet einen Jahreskalender von einem ewigen Kalender?
Ein Jahreskalender erkennt Monate mit 30 und 31 Tagen automatisch, behandelt den Februar aber als 30-Tage-Monat. Du korrigierst die Uhr deshalb einmal pro Jahr Ende Februar. Ein ewiger Kalender berücksichtigt auch Schaltjahre und braucht keine manuelle Korrektur, ist dafür deutlich teurer.
Welches Werk steckt im neuen Saxonia Annual Calendar?
Das neue Manufaktur-Automatikkaliber L207.1 mit 491 Teilen, 56 Steinen und 60 Stunden Gangreserve. Der zentrale Rotor trägt eine Schwungmasse aus 950er Platin und ist durch den Saphirboden sichtbar.
Wie genau ist die Mondphase?
Die Mondscheibe ist aus 750er Gold, tiefblau beschichtet und mit 428 Sternen versehen. Sie weicht erst nach rund 122,6 Jahren um einen einzigen Tag ab. Eine Korrektur werden die meisten Besitzer also nie vornehmen müssen.
Was kostet die Uhr und ist sie limitiert?
Beide Ausführungen, Weißgold mit silberfarbenem Zifferblatt und Rotgold mit grauem Zifferblatt, kosten rund 65.000 Euro. Sie sind nicht limitiert, sondern laufen in regulärer Serie.
Quelle Titelbild: Pexels / Dave H