
Grüne Hölle: Eine Nacht am Nürburgring
24 Stunden, 161 Fahrzeuge, ein Mercedes-Sieg nach zehn Jahren. Was eine Nacht auf der Nordschleife über den Charakter eines Autos verrät.
Es gibt Rennstrecken, die man kennt. Und es gibt die Nordschleife, die man fürchtet. 24 Stunden lang wurde hier wieder gefahren, über eine Kombistrecke von rund 25 Kilometern, durch Sonne, Nacht und die wechselhaften Bedingungen der Eifel. Aus der Distanz betrachtet ist das ein Langstreckenrennen. Wer die Bilder sieht, erkennt eine Materialschlacht, aus der ein Auto als Sieger hervorging, das zehn Jahre auf diesen Moment gewartet hatte.
- Die 54. Ausgabe des 24-Stunden-Rennens, Hauptrennen am 16. und 17. Mai
- Gesamtsieg für Mercedes-AMG mit der Startnummer 80, erster Mercedes-Sieg seit zehn Jahren
- 161 gemeldete Fahrzeuge, die größte Meldung seit über einem Jahrzehnt
- Kombistrecke aus Nordschleife und Grand-Prix-Kurs, rund 25 Kilometer pro Runde
Ein Kurs, der niemandem verzeiht
Die Zahlen der Nordschleife klingen wie eine Warnung. 20,832 Kilometer allein auf der Nordschleife, 73 Kurven, 300 Meter Höhenunterschied, dazu der Grand-Prix-Kurs zu einer Kombistrecke von rund 25 Kilometern verbunden. Eine schnelle Runde dauert im Renntempo über acht Minuten. Die schnellste des Rennens lag bei 8:11,123 Minuten. Das ist kein Rundkurs, das ist eine Landschaft, die man befahren muss.
Genau das macht das Rennen so gnadenlos. 156 Runden legte der Sieger zurück, fast 3.959 Kilometer in gut 24 Stunden. Über eine solche Distanz addiert sich jeder kleine Fehler, jede Sekunde Unaufmerksamkeit, jeder Materialkompromiss. Wer hier gewinnen will, muss eine ganze Nacht lang fehlerfrei bleiben.
Der Sieg, auf den Mercedes zehn Jahre wartete
Am Ende stand ein Name ganz oben, den man dort lange vermisst hatte. Das Mercedes-AMG Team Ravenol mit der Startnummer 80, gefahren von Maro Engel, Maxime Martin, Fabian Schiller und Luca Stolz, holte im Mercedes-AMG GT3 den Gesamtsieg. Es war der erste Mercedes-Gesamtsieg seit zehn Jahren. Ein Ergebnis, das zeigt, wie lang der Atem sein muss, um an diesem Ort ganz vorn zu landen.
Dahinter wurde es eng. Platz zwei ging an Walkenhorst Motorsport im Aston Martin Vantage, Platz drei an Rowe Racing im BMW M4, beide ebenfalls über 156 Runden. Drei Hersteller, drei Handschriften, ein gemeinsamer Gegner in Gestalt der Strecke. Das ist die Dramaturgie, die nur die Langstrecke schreibt.
Der Nürburgring straft nicht sofort. Er straft am Ende, wenn die Konzentration nachlässt und das Material müde wird.
Ein solcher Sieg entsteht nicht in einer heldenhaften Runde, sondern über Hunderte unspektakulärer. Das Team, das am wenigsten Fehler macht, steht am Sonntag oben. Ausdauer schlägt hier fast immer das kurze Genie.
Dass ausgerechnet Mercedes diese Rechnung wieder für sich löste, hat Symbolkraft. Zehn Jahre lang hatten andere Marken den Ton am Ring angegeben. Ein Comeback über die volle Distanz wiegt schwerer als jeder schnelle Trainingsbestwert.

Ein Weltmeister als Debütant
Für Aufsehen sorgte ein prominenter Neuling. Max Verstappen gab sein Debüt im Mercedes-AMG neben erfahrenen Fahrern und wurde Gesamt-Sechsunddreißigster mit 135 Runden. Kein Podium, aber eine Ansage. Dass ein amtierender Formel-1-Star sich diesem Rennen stellt, sagt mehr über den Reiz der Nordschleife als jede Statistik. Hier zählt nicht der Ruhm, hier zählt das Überstehen.

Das Starterfeld war das größte seit über einem Jahrzehnt: 161 gemeldete Fahrzeuge, davon 159 am Start, in der GT3-Topklasse allein 41 Wagen von neun Herstellern. Das Rennen war zugleich zweiter Lauf der Intercontinental GT Challenge, ein internationales Aufgebot, das die alte Mischung aus Profi-Spitze und breitem Amateurfeld erhielt. Am Ring fahren die Stars und die Helden derselben Nacht auf demselben Asphalt.
Warum diese Nacht besonders bleibt
Rund 352.000 Zuschauer sollen an diesem Wochenende in der Eifel gewesen sein, in Zelten und an den Streckenabschnitten. Der Start fiel am Samstag um 15:00 Uhr. Von dort entwickelte sich das Rennen unter wechselnden Bedingungen schnell zu dem, was Teilnehmer eine Materialschlacht nennen. Tagsüber Sonne, in der Nacht Flutlicht über 73 Kurven, dazwischen der ständige Wechsel des Eifelwetters.
Was am Ende bleibt, ist nicht nur ein Ergebnis. Es ist das Bild einer Nacht, in der Mensch und Maschine gemeinsam an einer Grenze arbeiten. Ein Auto, das nach 24 Stunden auf dieser Strecke noch fährt und gewinnt, hat mehr bewiesen als jede Rundenzeit ausdrücken kann. Genau deshalb heißt sie die Grüne Hölle, mit einer Mischung aus Respekt und Zuneigung, die kein anderer Kurs auslöst.
Die Details
▸Wer hat das 24-Stunden-Rennen gewonnen?
Den Gesamtsieg holte das Mercedes-AMG Team Ravenol mit der Startnummer 80 und den Fahrern Maro Engel, Maxime Martin, Fabian Schiller und Luca Stolz im Mercedes-AMG GT3. Es war der erste Mercedes-Gesamtsieg seit zehn Jahren, mit 156 Runden in gut 24 Stunden.
▸Wie lang ist die Strecke?
Gefahren wird auf einer Kombistrecke von rund 25 Kilometern. Sie setzt sich aus der 20,832 Kilometer langen Nordschleife mit 73 Kurven und 300 Metern Höhenunterschied sowie dem Grand-Prix-Kurs zusammen.
▸Ist Max Verstappen mitgefahren?
Ja. Max Verstappen gab sein Debüt bei diesem Rennen in einem Mercedes-AMG und wurde Gesamt-Sechsunddreißigster mit 135 Runden. Das Starterfeld umfasste 161 gemeldete Fahrzeuge, die größte Meldung seit über einem Jahrzehnt.



