//STYLEEr, sie, es hat’n Schlag: Die Flared Jeans sind zurück
26. Januar 2024 // 11:05 Uhr

Er, sie, es hat’n Schlag: Die Flared Jeans sind zurück

InspiredByLuxury·Aus dem Archiv, neu aufgelegt

Die Schlaghosen beziehungsweise Flared Trowsers sind zurück, und damit auch die Plateau-Schuhe.

2024 haben wir hier über das Comeback der Flared Jeans geschrieben, zurück aus den Siebzigern, zaghaft noch und vor allem bei Frauen. Zwei Jahre später ist klar: Der Schlag ist geblieben, aber er hat sich verschlankt. Was 2026 auf den Catwalks läuft, ist nicht der dramatische Glockenschlag von damals, sondern ein gezähmter Bootcut. Hier ist, was aus dem Trend geworden ist und wie du ihn heute trägst, ohne wie im Kostümfundus zu wirken.

Quick Fitting

  • Der Schlag ist 2026 angekommen, aber als schlanker Bootcut statt als breite Glocke. Eng am Oberschenkel, leichte Ausstellung erst ab dem Knie.
  • Auf den Spring-2026-Laufstegen von Alexander McQueen, Chloé und Celine war ausgestelltes Denim fester Bestandteil, oft kombiniert mit tiefer Leibhöhe im Y2K-Stil.
  • Bei Frauen längst Alltag, bei Männern weiter Catwalk-Sache. Der große Straßenmoment für Herren steht noch aus.
  • Plateau-Schuhe gehören dazu, aber dezenter: ein paar Zentimeter Sohle, nicht zwanzig.
  • Schlüssel zum guten Sitz ist die Länge. Der Saum muss bis kurz über den Boden reichen, sonst kippt die ganze Silhouette.
Er, sie, es hat’n Schlag: Die Flared Jeans sind zurück

Ursprung des Schlags ist kein Modesalon, sondern die Arbeitskleidung. Zimmerleute und Seeleute trugen weite Hosenbeine, damit der Stoff über den Stiefel passte und sich bei nasser Arbeit leichter hochkrempeln ließ. Ende der Sechziger griff die Hippiebewegung den Schnitt auf, in den Siebzigern wurde die Flared Jeans zum Symbol einer ganzen Generation. Das englische flared heißt schlicht ausgestellt, und genau das war die Ansage: raus aus der engen Röhre der früheren Jahrzehnte, rein in den Schwung.

Dazu kamen, wer es tragen konnte, Afro-Look und Plateau-Schuhe, die Männer wie Frauen um fünfzehn bis zwanzig Zentimeter wachsen ließen. Glamrock-Bands wie Kiss oder die Briten von Sweet machten den Look zum Markenzeichen, Wig-Wam Bam von 1973 war der akustische Soundtrack dazu. Mancher Herr sah darin allerdings aus, als ginge er dauernd bergab. Der Schlag verzeiht keine schlechte Proportion, und das gilt heute genauso wie damals.

Nicht das erste Revival, aber das hartnäckigste

Die Schlaghose ist nie ganz verschwunden. In den Neunzigern fand die trompetenartig ausgestellte Glockenhose in Nylon ein erstes Revival, diesmal schon ab der Hüfte ausgestellt statt erst am Knie, was Frauen mit langen Beinen ausgesprochen gut stand. Ab 2015 kehrte die Hippiemode mit Schlag und schrillen Farben zurück, noch vereinzelt. Seit 2022 sieht man wieder deutlich mehr Frauen und Mädchen darin. Genau dieser Punkt war 2024 unser Ausgangspunkt.

Was seither passiert ist, gibt dem Trend recht, korrigiert ihn aber im Detail. Die große Modefrage von 2025 war nicht der Schlag, sondern die Barrel Jeans, jene rundlich geschnittene Tonnenform, die viele zunächst irritierte und sich trotzdem gehalten hat. Daneben kehrte die tiefe Leibhöhe im Y2K-Stil zurück, und weite, übergroße Silhouetten bestimmten das Bild. In diesem Umfeld hat sich der Schlag neu positioniert: nicht mehr als nostalgisches Zitat, sondern als eine von mehreren legitimen Denim-Formen.

Der Schlag von 2026 will nicht auffallen wie 1973, er will gut sitzen. Das ist der ganze Unterschied.

Was 2026 wirklich getragen wird

Die entscheidende Vokabel heißt Bootcut, nicht Flare. Der neue Schnitt sitzt schlank am Oberschenkel, läuft glatt durchs Knie und öffnet sich erst zum Saum hin in eine zurückhaltende Ausstellung. Die theatralische Glocke der frühen Zweitausender gilt als überholt. Auf der Spring-2026-Schau von Alexander McQueen liefen Bootcut-Modelle so tief auf der Hüfte, dass der von Lee McQueen in den späten Neunzigern geprägte Bumster-Schnitt wieder auftauchte. Chloé erzählte ihre Boho-Geschichte ganz wesentlich über ausgestelltes Denim, kombiniert mit Rüschen und Statement-Mänteln. Celine und Calvin Klein schoben das Material in eine schlankere, stärker geschneiderte Richtung.

Für den Alltag heißt das: ein dunkler, glatter Bootcut sitzt näher an einem klassischen Anzughosen-Schnitt als an der Hippiehose und lässt sich entsprechend breit kombinieren. Wer die lässigere Variante will, greift zur hellen Waschung mit etwas mehr Volumen am Saum. Beides funktioniert nur, wenn die Länge stimmt. Der Saum sollte den Boden fast berühren, alles Kürzere lässt die Silhouette stoppelig wirken und nimmt dem Schlag genau den Schwung, der ihn ausmacht. Wie Denim insgesamt zum tragenden Material einer ganzen Garderobe wird, zeigt unser Beitrag zu All Denim Everything.

Die Plateau-Schuhe sind weiter Teil der Gleichung, nur in vernünftigem Maß. Ein paar Zentimeter Sohle strecken das Bein und vollenden die Linie, ohne dass man wie auf Stelzen läuft. Wichtiger als die Höhe ist, dass Schuh und Hosensaum zusammenpassen: Eine breite Plateausohle verschwindet elegant unter einem weit fallenden Bootcut, während sie unter einem zu kurzen Saum plump wirkt.

Und die Männer?

Bei den Herren ist der Schlag bis heute kaum auf der Straße angekommen. Man sieht ihn auf dem Catwalk und in der Fashion-Szene, im Alltag dagegen selten, anders als noch vor fünfzig Jahren. Das muss kein Nachteil sein. Wer den Schnitt jetzt trägt, setzt ein bewusstes Zeichen, statt einem Massentrend zu folgen. Der Schlüssel ist auch hier die Proportion: schmaler Oberkörper, klar definierte Schulter, dann erst der Schwung nach unten. Und ja, vielleicht liegt die richtige Hose längst auf dem Dachboden, mit weniger Haar und mehr Falten im Gesicht lässt sie sich heute mit deutlich mehr Ironie tragen als beim ersten Mal. Wer den größeren Bogen der Saison sucht, findet ihn in unserer Übersicht zu den Stoff- und Mode-Trends für das Frühjahr 2026.

Kurz geklärt

Sind Flared Jeans 2026 noch aktuell?

Ja, aber in veränderter Form. Statt der breiten Glocke dominiert der schlanke Bootcut, der erst am Saum leicht ausgestellt ist. Auf den Spring-2026-Laufstegen von McQueen, Chloé und Celine war ausgestelltes Denim fester Bestandteil, oft mit tiefer Leibhöhe kombiniert.

Was ist der Unterschied zwischen Bootcut und Flare?

Beide stellen das Hosenbein nach unten aus. Der Flare beginnt früh, oft schon am Knie oder an der Hüfte, und fällt breit. Der Bootcut bleibt am Oberschenkel und Knie schlank und öffnet sich nur dezent zum Saum, gerade genug, dass ein Stiefel daruntersitzt. 2026 ist der Bootcut die gefragtere Variante.

Welche Schuhe passen zur Schlaghose?

Plateau-Schuhe und Stiefeletten mit etwas Absatz, weil sie das Bein strecken und unter dem fallenden Saum verschwinden. Entscheidend ist die Länge der Hose: Der Saum sollte fast den Boden berühren, sonst wirkt die Kombination kurz und gestoppelt.

Können Männer Flared Jeans tragen?

Können ja, sieht man aber selten. Der Schlag ist bei Männern bislang vor allem Catwalk-Thema geblieben. Wer ihn trägt, setzt ein bewusstes Statement. Wichtig ist eine schmale obere Silhouette, damit der Schwung nach unten nicht überladen wirkt.

Bildquelle: Unsplash / Kai Gabriel
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