//LIVINGDie ‚That Girl‘-Routine - den gesunden Lifestyle ganz einfach nachmachen
2. Mai 2022 // 08:12 Uhr

Die ‚That Girl‘-Routine – den gesunden Lifestyle ganz einfach nachmachen

InspiredByLuxury·Aus dem Archiv, neu aufgelegt

Vor drei Jahren haben wir dir die That-Girl-Routine als Bauplan für einen gesünderen Alltag vorgestellt. Inzwischen hat der Trend Milliarden Aufrufe gesammelt, Gegenwind kassiert und sich gewandelt. Was davon bleibt und was du heute besser machst.

Im Mai 2022 haben wir dir hier die That-Girl-Routine erklärt: früh aufstehen, meditieren, grüner Smoothie, Workout, Journal. Drei Jahre später ist klar, was der Trend wirklich war. Eine Inszenierung von Selbstoptimierung, die bis August 2024 über 17 Milliarden Aufrufe auf TikTok gesammelt hat und parallel von Forschung und Nutzerinnen scharf kritisiert wurde. Die kurze Antwort vorweg: Die einzelnen Bausteine taugen bis heute. Der Perfektionsdruck dahinter gehört aussortiert.

Grundriss

  • That Girl startete 2021 mit einem viralen TikTok von @angelxadvice und wuchs bis 2024 auf über 17 Milliarden Aufrufe.
  • Studien zeigen: Der Vergleich mit perfekt inszenierten Routinen drückt Stimmung, Körperbild und Selbstwert eher, als dass er motiviert.
  • 2025 und 2026 löst die Soft-Girl- und Anti-Perfektionismus-Bewegung den Hochglanz-Anspruch ab.
  • Die nützlichen Teile bleiben: Schlaf priorisieren, Bewegung im Alltag verankern, eine echte Stunde für dich.
  • Entscheidend ist nicht, ob du das Programm schaffst, sondern ob es dir tatsächlich guttut.
Die ‚That Girl‘-Routine - den gesunden Lifestyle ganz einfach nachmachen

Was aus dem Trend geworden ist

Der Begriff stammt aus einem TikTok-Clip von 2021. @angelxadvice tanzte dort zu einer Liste guter Vorsätze wie mehr Obst essen und mehr lesen, und daraus wurde ein eigenes Genre. Die Bildsprache war überall gleich: makellos aufgeräumte Schreibtische, der 5-Uhr-Wecker, das Pilates-Set in Beige, der Selleriesaft. Bis August 2024 sammelten Videos unter dem Hashtag mehr als 17 Milliarden Aufrufe. Das war kein Nischenphänomen, das war eine Vorlage dafür, wie ein „richtiges“ Leben auszusehen hat.

Genau an dieser Vorlage entzündete sich die Kritik. Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung im Journal Social Sciences kommt zu einem unbequemen Ergebnis: Der Konsum von That-Girl-Videos verschlechterte bei den Teilnehmerinnen messbar Stimmung und Körperzufriedenheit und befeuerte Diät-Absichten. Statt zu inspirieren, schraubte der Dauervergleich mit einem einheitlichen Körper- und Verhaltensideal das Selbstbild nach unten. Der Trend, der dich angeblich besser machen sollte, machte viele vor allem unzufriedener.

Eine Routine ist ein Werkzeug, kein Prüfungsfach. Sie soll deinen Tag tragen, nicht zu einer weiteren Liste werden, an der du scheiterst.

Warum perfekte Routinen nach hinten losgehen

Das Problem liegt nicht im frühen Aufstehen oder im grünen Smoothie. Es liegt darin, dass der Trend nur den fertigen Zustand zeigt und nie den Weg dorthin. Kein verschlafener Wecker, kein ungemachtes Bett, kein ausgefallenes Workout. Wer das als Maßstab nimmt, jagt einem geschnittenen Highlight-Reel hinterher und hält das eigene, normale Leben für ein Defizit. Genau das beschreiben Kritikerinnen als toxische Produktivität: Selbstfürsorge wird zur nächsten Leistungsdisziplin, in der auch noch das Entspannen optimiert gehört.

Dazu kommt das Tempo der Plattformen. In einer Kultur, die Selbstwert in Likes und sichtbaren Ergebnissen misst, wird aus einer Morgenroutine schnell eine Bühne. Du machst die Dinge dann nicht mehr für dich, sondern für den Beweis, dass du sie machst. Spannend ist, womit die Communities 2025 und 2026 geantwortet haben. Die Soft-Girl-Bewegung stellt bewusst Langsamkeit und Grenzen über Dauerleistung, und eine breitere De-Influencing-Welle verlangt ungefilterte, ehrliche und auch mal unaufgeräumte Inhalte statt durchgestylter Perfektion.

Was du heute davon mitnimmst

Die gute Nachricht: Die Bausteine selbst sind solide, du musst sie nur vom Inszenierungsdruck lösen. Vier davon halten der Prüfung stand.

Schlaf zuerst. Kein Baustein wirkt so zuverlässig wie ein verlässlicher Schlafrhythmus. Wer früh ins Bett geht und sich möglichst von der inneren Uhr wecken lässt, startet ausgeglichener in den Tag. Das ist keine Ästhetik, das ist Physiologie. Wie du dein Schlafzimmer dazu zur echten Ruhezone machst, haben wir in Das Zentrum der Erholung in deinem Zuhause beschrieben.

Bewegung in den Alltag einbauen. Es muss kein Leistungssport sein und kein Workout um sechs Uhr morgens fürs Kamerabild. Entscheidend ist, dass du Bewegung dort verankerst, wo sie ohne Drama reinpasst: vor dem Büro, in der Mittagspause, auf dem Heimweg. Schon eine kurze, feste Mobility-Einheit reicht als Anker. Unser Schwestermagazin zeigt mit der 15-Minuten-Mobility-Routine, wie wenig dafür nötig ist.

Eine echte Stunde für dich. Sie muss nicht in die Morgendämmerung gequetscht werden. Mittags oder abends zählt genauso. Lesen, ein Spaziergang ohne Handy, ein paar ruhige Minuten für dich. Wer den Kopf wirklich frei bekommen will, findet in Waldbaden einen Gegenentwurf zur durchgetakteten Selbstoptimierung.

Der Planner als Entlastung, nicht als Richter. Ein Planer hilft, den Überblick zu behalten und Gedanken zu sortieren, gern auch als Journal für Gefühle und kleine Erfolge. Er wird erst dann zum Problem, wenn die unerledigten Punkte am Abend als Vorwurf zurückschauen. Eine kurze, ehrliche Liste schlägt die perfekt befederte Doppelseite.

Die Routine, die wirklich trägt

That Girl war nie falsch, weil gesunde Gewohnheiten falsch wären. Der Trend war problematisch, weil er ein einziges, makelloses Bild zur Norm erklärte und alles darunter wie ein Versagen aussehen ließ. Die Version, die 2026 noch Sinn ergibt, ist leiser: Du nimmst dir die zwei, drei Gewohnheiten, die dir spürbar guttun, und lässt den Rest weg. Kein Wecker um fünf, weil das Internet es so will. Kein Smoothie fürs Foto. Dein Wohlbefinden steht oben, nicht die Performance. Eine gute Routine schädigt nie, der Druck, perfekt darin zu sein, schon.

Kurz geklärt

Ist die That-Girl-Routine 2026 noch ein Thema?

Der Hashtag läuft weiter, der Hochglanz-Anspruch ist aber spürbar abgekühlt. Soft-Girl-Aesthetik und eine breite De-Influencing-Bewegung setzen seit 2025 auf Langsamkeit, Grenzen und ehrliche, unaufgeräumte Inhalte statt auf das perfekt durchgetaktete Vorzeige-Leben.

Warum steht der Trend in der Kritik?

Eine 2025 im Journal Social Sciences veröffentlichte Studie zeigt, dass der Konsum von That-Girl-Videos Stimmung und Körperzufriedenheit der Teilnehmerinnen verschlechterte und Diät-Absichten verstärkte. Der ständige Vergleich mit einem makellosen Ideal wirkt eher belastend als motivierend.

Welche Bausteine lohnen sich trotzdem?

Vier halten der Prüfung stand: ein verlässlicher Schlafrhythmus, Bewegung, die ohne Drama in den Alltag passt, eine echte Stunde für dich und ein Planer als Entlastung statt als Richter. Wichtig ist, dass du sie für dich machst und nicht für ein Kamerabild.

Muss ich wirklich um fünf Uhr aufstehen?

Nein. Die frühe Uhrzeit ist Inszenierung, kein Wirkprinzip. Was zählt, ist genug Schlaf und ein Rhythmus, der zu deinem Leben passt. Eine ruhige Stunde für dich funktioniert mittags oder abends genauso gut.

Bildquelle: Unsplash / Kevin Laminto
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